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Ein Blick zurück auf unser Programm 2012 Lysistrata

Was tut man nicht alles für den Frieden. Die einen demonstrieren und wenden Gewalt an, die anderen beten oder versuchen das Problem auszudiskutieren. Im seit 20 Jahren tobenden Peloponnesischen Krieg hilft keines dieser Mittel mehr. Die Männer führen unerbittlich Krieg, während die Frauen Athens und Spartas versuchen, Heim und Kinder zu versorgen. Erfülltes Eheleben? – Fehlanzeige! Der Unmut der Frauen wird immer größer und so schart Lysistrata die Frauen um sich. Sie schwören, sich den Männern fortan sexuell zu verweigern. Wird es den Frauen gelingen ihren teuflisch cleveren Plan umzusetzen und durch Liebesentzug die Männer tatsächlich zum Frieden zu bewegen? Wird es Lysistrata schaffen, die mannstollen Frauen im Zaun zu halten? Lysistrata von Aristophanes, in der Übersetzung von Erich Fried eine spannende, lustige, teils auch frivole Komödie um Krieg oder Frieden, um Liebe und Liebesentzug die im Frühjahr und im Herbst 2012 in einer modern angelegten Inszenierung  von Matthias Götz auf der kleinen Bühne der Volksschauspiele Ötigheim.

Besetzung

Regie Matthias Götz, Regieassistenz/Souffleur Marius Bader-Kühn, Bühnenbild Matthias Götz, Michael Lerner, Bühnenbau Michael Lerner, Kostümbild Ulrike Weßbecher, Kostüme Christel Wild, Garderobe Leonie Nold, Musikalisches Arrangement Schwur Matthias Hammerschmitt, Musikschnitt Lothar Höfele, Tontechnik Lothar Höfele, Wolfgang Höfele, Steffen Sachsenmaier, Lichttechnik Konstantin Adam, Johannes Kohm, Thorsten Wild, Sebastian Haas, Maske Karl-Heinz Kellermann, Santina Heitz

PERSONEN

Lysistrata Ulrike Karius

Myrrhine Corina Kühn / Ulrike Weßbecher, Kalonike Lissi Hatz / Petra von Rotberg, Lampito Isabel Beckert

Ratsherr Fritz Müller, Kinesias Alexander Grünbacher / Florian Müller, , Stratyllis (Chorführerin) Christina Kalkbrenner, Strydomores (Chorführer) Kurt Tüg, , Frauenchor Beate Behringer, Patricia Engel, Pia Keller, Sonja Waldner, Judith Weßbecher, Männerchor Stefan Brkic, Roman Gallion, Eberhard Hoffmann, Heinz Lorenz, Johannes Tüg, , Barkeeper Julian Baumstark, Wachen Marius Bader-Kühn, Julian Baumstark, , Flüchtende Frauen Sonja Waldner, Judith Weßbecher, Patricia Engel, Ältere Frau Beate Behringer, Spartaner Stefan Brkic, Athener Roman Gallion, , Zeitungsverkäufer Julian Baumstark, Beate Behringer

Pressestimmen

SEX-STREIK FÜR DEN FRIEDEN

Rund 2500 Jahre alt ist das Werk, mit dem die Volksschauspiele in Ötigheim im kommenden Jahr ihre erste Premiere feiern. Am Freitag, 20. Januar ist Lysistrata von Aristophanes in der Übersetzung von Erich Fried auf der kleinen bühne in der Kirchstraße zu sehen. Derzeit sind die Proben in vollem Gange. Begonnen haben wir bereits im Sommer, als die Freilichtsaison auf dem Tellplatz noch lief, berichtet Regisseur Matthias Götz. Derzeit laufen die finalen Proben, im neuen Jahr wird dann nur noch an Details gearbeitet. Erstmals in Ötigheim werden zwei Sprechchöre eingesetzt. Es gibt einen Frauen- und einen Männerchor, so Götz. Hier muss besonders auf das synchrone Sprechen geachtet werden. Für den Regisseur eine der besonderen Herausforderungen, weshalb er sich für die Einstudierung der Sprechchöre besonders viel Zeit genommen hat. Eine weitere Herausforderung war der Stoff selbst: Meines Wissens haben wir bei den Volksschauspielen noch nie ein so altes und gleichzeitig so aktuelles Thema behandelt, sagt Götz. Denn Lysistrata ist eine spannende, lustige, teils frivole Komödie um Krieg oder Frieden, um Liebe und Liebesentzug und stammt aus dem Jahre 411 vor Christus. Seit 20 Jahre tobt der Peleponnesische Krieg, und egal was man für den Frieden tut: Nichts scheint zu helfen. Weder demonstrieren, noch Gewalt anwenden und schon gar nicht beten oder die Probleme diskutieren. Da wird der Unmut insbesondere der Frauen Athens und Spartas immer größer. Sie versorgen Heim und Kinder. Ein Eheleben aber bleibt aus. So schart Lysistrata die Frauen um sich. Sie schwören, sich den Männern fortan sexuell zu verweigern. Durch diesen Liebesentzug sollen die Männer zum Frieden bewegt werden. Ein teuflisch cleverer Plan, der allerdings an den mannstollen Frauen selbst zu scheitern droht. Dass das Thema Sex-Streik aktueller denn je ist, zeigte sich erst im Oktober in Kolumbien. Dort setzten die Frauen der Stadt Barbacoas die dringend benötigte Reparatur einer Verbindungsstraße in die 250 Kilometer entfernte Regional-Metropole Pasto mit einem 110-tägigen Sex-Streik durch: Kein Verkehr, kein Sex. Prompt wurde reagiert und das seit 18 Jahren verschleppte Bauvorhaben gestartet. Götz hat sich für Lysistrata als Hauptstück der Wintersaison entschieden, weil hier besonders viele Frauenrollen besetzt werden konnten, teilweise mit erfahrenen Darstellerinnen, teilweise mit jungen Nachwuchstalenten. Derzeit wird das Bühnenbild aufgebaut, bei dem der Stoff teilweise in die heutige Zeit adaptiert wird. So spielt Lysistrata vor allem in einer griechischen bar, in der sich die Frauen treffen und am Fuße einer Statue als Treffpunkt der Männer. Dabei setzt Götz sowohl auf moderne als auch historische Kostüme und zeigt, dass das Problem Liebesentzug alle sozialen Schichten betreffen kann. Der Zuschauer ist zum Mitdenken aufgefordert und soll sich sein eigenes Bild machen, sagt Götz, der die Gratwanderung vollbringen muss, ein Stück rund um Liebesentzug in einem christlichen Haus zu inszenieren. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. (Stephan Friedrich)

MÄNNER DURCH LIEBESENTZUG ZUM FRIEDEN GEZWUNGEN

Humor, Witz, Pfiffigkeit und große Lebenslust stehen im Mittelpunkt der Komödie Lysistrata versprach Pfarrer Erich Penka, Vorsitzender der Volksschauspiele Ötigheim, vor der Premierenvorstellung der kleinen bühne am Freitag. Vor 2.500 Jahren schrieb Aristophanes die Geschichte um die rebellierenden Frauen von Athen und Sparta, die ihre kriegerischen Männer durch sexuelle Verweigerung zum Friedensschluss zwingen. Wir sind heute nicht anders gestrickt, spannte Penka den Bogen von der Mystik der antiken Götterverherrlichung zum allgegenwärtigen Hang zur Daily Soap. Mit der vor dem Fernseher sitzenden Titelheldin begann sodann die von Regisseur Matthias Götz modern inszenierte Fassung. In der Athener Bar Akropolis verfolgte Lysistrata am Flachbildschirm genervt das aktuelle Kriegsgeschehen auf dem Peleponnes. Mit verbissenem Gesichtsausdruck und wütendem Blick gab Ulrike Karius eine fortwährend frustrierte, kalte und gehässige Lysistrata, gezeichnet von 20 Jahren unerfülltem Eheleben. (…) Anregend ungezwungen war die glaubwürdige Einfühlungsgabe von Isabel Beckert. In der Rolle der Spartanerin Lampito mimte sie mit lebhaftem Mienenspiel und blitzenden Augen Lysistratas Verbündete. Mit Hingabe füllte Beckert ihren Part aus, hatte dank des spartanischen Dialekts das Publikum sofort auf ihrer Seite. Souverän agierten Lissi Hatz (Kalonike) sowie Christina Kalkbrenner (Stratylis). Ein Paradestück lieferten Ulrike Weßbecher (Myrrhine) und Alexander Grünbacher (Kinesias) in der kecken Verführungsszene zwischen aufreizend lockender Ehefrau und sexuell ausgehungertem Ehemann, voyeuristisch untermalt von hoffnungsvollen wie enttäuschten Seufzern des lendengesteuerten Männerchors. Bis es zur Aussöhnung zwischen schlussendlich liebestollen Frauen und kompromissbereiten Männern kam, ließ das starke Geschlecht ordentlich Federn. Zu Sirtakiklang und Discoflackerlicht ging in einem abenteuerlichen Handgemenge in Zeitlupe die Weiblichkeit siegreich hervor. Selbst die imposanten Figuren (Fritz Müller als Ratsherr und Kurt Tüg als Strydomores) gaben am Ende klein bei und schlossen geläutert ihre Frauen in die Arme. Im Kostümbild von Ulrike Weßbecher dominierte Lila als feminine, Orange als maskuline Farbe. Der abgewogene Minimalismus des Bühnenbildes von Matthias Görtz und Michael Lerner ließ viel Raum für lila-orange Aktivitäten sowie pompöse Aufmärsche der Sprechchöre.

FRAUENPOWER AUF DIE VOLKSBÜHNE

Der Stoff ist gut 2500 Jahre alt, die Inszenierung modern und zeitgerecht: mit Lysistrata feierten die Volksschauspiele in Ötigheim die erste Premiere des neuen Jahres. Regisseur Matthias Götz ist es dabei in rund sechsmonatiger Probenarbeit gelungen, das Stück von Aristophanes in der Fassung von Erich Fried spannend und kurzweilig auf der kleinen bühne zu präsentieren. Langanhaltender Applaus des Premierenpublikums dankte ihm für sein Engagement. Erstmals wurden in Ötigheim Sprechchöre eingesetzt. Auf der einen Seite stehen dabei die Frauen, auf der anderen Seite die Männer. Auch weil das Stück besonders vielen Frauen die Möglichkeit bietet eine Hauptrolle zu spielen, haben wir es gewählt, berichtet der Vorsitzende Erich Penka in seiner Ansprache vor der Premiere. Angeführt wird die weibliche Truppe von der hervorragend aufspielenden Ulrike Karius als Lysistrata. Der Zuschauer wird in die Zeiten des Peloponnesischen Krieges mitgenommen, der seit rund 20 Jahren tobt. Und egal was man für den Frieden tut, nichts scheint zu helfen. Weder demonstrieren, noch Gewalt anwenden und schon gar nicht beten oder die Probleme wegdiskutieren. Da wird der Unmut insbesondere der Frauen Athens und Spartas immer größer: Sie versorgen Heim und Kinder. Ein Eheleben aber bleibt aus. So schart Lysistrata die Frauen um sich. Sie schwören, sich den Männern fortan sexuell zu verweigern, um sie dadurch zum Frieden zu bewegen. Lysistrata schwört gemeinsam mit Myrrhine (Ulrike Weßbecher), Kalonike (Lissi Hatz), Stratylis (Christina Kalkbrenner) und Lampito (Isabel Beckert) auf diesen teuflisch cleveren Plan, der allerdings bald an den mannstollen Frauen selbst zu scheitern droht. Diese zeigen sich erfindungsreich, um aus der Burg einmal fliehen zu können. Die eine täuscht eine Blitzschwangerschaft vor, die nächste will über eine Strickleiter fliehen, und auch die dritte wird bei ihrem Versuch, ihrem Mann näher zu kommen geschnappt. Aber auch die Männer, unter ihrem Chroführer Strydomores (Kurt Tüg) und dem Ratsherren (Fritz Müller) leiden. Besonders eindrücklich wird dies in der Szene von Kinesias (hervorragend verkörpert von Alexander Grünbacher) und seiner Frau Myrrhine gezeigt. Regisseur Matthias Götz hat sich an den alten Stoff gehalten, diesen jedoch in einigen Passagen brandaktuell gehalten. So wird der Bereich zwischen Frauen und Männern mit einem Bauzaun abgetrennt. Der schwarze Schriftzug Männer 21 ist in Anspielung auf das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit rot durchgestrichen. Auch die Finanzkrise und der europäische Rettungsfonds finden ihren Weg in das Stück. Köstlich auch die Idee, die Spartanerin Lampito mit schwäbischem Dialekt auftreten zu lassen. Damit avanciert die forsch auftretende Isabel Beckert schnell zu Publikumsliebling. Das große Ensemble hat besonders die Herausforderung der vielen Sprechchöre bestens bestanden. Auch ist es hervorragend gelungen, den alten Stoff auf die heutige Zeit zu transponieren und so ein mehr als zweieinhalbstündiges Theatererlebnis der besonderen Art zu schaffen. Gespielt wird die spannende, lustige, teils frivole Komödie um Krieg oder Frieden, um Liebe und Liebesentzug aber im 20. Jahrhundert noch bis Anfang März auf der kleinen bühne der Volksschauspiele Ötigheim. (Stephan Friedrich)