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Ein Blick zurück auf unser Programm 2013 Der Name der Rose

Der Franziskaner William von Baskerville reist in geheimnisvoller Mission mit seinem Novizen Adson von Melk in ein oberitalienisches Bendiktiner-Kloster. Dort starben unter mysteriösen Umständen innerhalb weniger Tage fünf Klosterbrüder. Der scharfsinnige William von Baskerville macht sich an die Aufklärung der Morde, und dringt dabei immer tiefer in die dunklen Geheimnisse der Abtei ein.

Umberto Ecos berühmter Roman Der Name der Rose als furiose Kriminalgeschichte in einer opulenten Bühnenfassung von Claus J. Frankl. Die Dramatiserung hält sich eng an Ecos Original und arbeitet die dramaturgisch interessanten Höhepunkte geschickt heraus. Mystik, Mittelalter und Spannung auf Deutschlands größte Freilichtbühne.

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Freilichtbühne Ötigheim

Besetzung

Inszenierung Rebekka Stanzel, Musikalische Leitung Walther Muth, Kostüme Karin Stephany, Bühne Bettina Scholzen, Spielleitung Martin Kühn, Sabine Speck, Regieassistenz & Soufflage Sabine Speck, Reiterinspektion Simone Fettig, Jutta Kühn,

Personen

William von Baskerville Fritz Müller, Adson Alexander Grünbacher, Abbo, der Abt Kurt Tüg, Jorge von Burgos Martin Kühn, Remigius von Varagine, Cellarer Paul Hug, Salvatore, sein Gehilfe Bastian Nold, Malachias, Bibliothekar Werner Sachsenmaier, Berengar von Arundel, sein Gehilfe Maximilian Tüg, Severin von Sankt Emmeram, Botanikus Roman Gallion, Adelmus, Miniaturmaler Tobias Kleinhans, Nicolas von Morimond, Glasmaler Stefan Brkic, Alinardus von Grottaferrata Heinz-Peter Löffler, Ubertin von Casale Siegfried Kühn, Benno von Uppsala David Kühn, Venatius von Selvemec Christoph Dettling, Johannes Kühn, Aymarus von Allessandria Johannes Tüg, Bernard Gui, päpstlicher Inquisitor Matthias Götz, Michael von Cesena Paul Maier, Hauptmann der Bogenschützen Gerold Baumstark, Rose I Stephanie Kuhn, Rose II Jessica Engel, Adson II Patrick Speck, Adson Horst Herrmann

Mönche, Visionen, Bettler, Knechte, Bauern und Bogenschützen der Spielergemeinschaft der Volksschauspiele Ötigheim · Reiterei der Volksschauspiele Ötigheim

Gesangsverein Liederkranz Ötigheim e.V. 1899, Walther Muth Einstudierung

Beratung zur Gregoreanischen Musik, OBR Nikolaus Nonn

Pressestimmen

Schwung erst in der zweiten Hälfte

Wenn ein weltbekannter Roman erfolgreich verfilmt worden ist, dann hat eine Bühnenadaption zwar den Vorteil, mit einem bekannten Titel locken zu können, geht aber stets das Risiko des direkten Vergleichs ein. Die Volksschauspiele Ötigheim haben damit stets gute Erfahrungen gemacht. Quo Vadis und Ben Hur, um die beiden bekanntesten Beispiele zu nennen, standen zwischen 1947 und 2002 mehrfach auf dem Spielplan von Deutschlands größter Freilichtbühne. Dennoch weißen im Programmheft der neuen Saison die Veranstalter selbst zu Recht darauf hin, dass die jüngste Produktion „Der Name der Rose“ nach dem Welterfolg von Umberto Eco ein riskantes und ambitioniertes Unterfangen ist. Lohn für dieses Wagnis war der langanhaltende Applaus der Besucher bei der voll besetzten Premiere am Samstagabend. Dennoch dürfte diese Arbeit eher ein Experiment bleiben als zum Publikumsrenner werden.
Zwar wählen der Textarbeiter Claus J. Frankl und die aus Karlsruhe stammende Regisseurin Rebekka Stanzel stimmige Ansätze für den komplexen Stoff. Sehr nah an der Buchvorlage entlang wird erzählt von mysteriösen Todesfällen in einem mittelalterlichen Benediktinerkloster, die der zu Gast weilende Franziskanermönch William von Baskerville dank seines Scharfsinns aufklären soll, um Gerüchte von teuflischem Treiben zu unterbinden. Sinnvoll genutzt wird der große Raum, um die kammerspielartigen Dialoge durch stumme Szenen im Hintergrund zu ergänzen. Hier werden dem Publikum Indizien zu Fortgang und Hintergründen der Handlung gegeben. Das ist ganz im Sinne des Autors Eco, der von Haus aus ja nicht Romancier sondern Wissenschaftler, und seinen Helden darauf verweisen lässt, auf Zeichen, in denen die Welt zu uns spricht.
Gelichwohl bleibt ein dramaturgisches Grundproblem, das auch die 1986 entstandene Verfilmung trotz Star-Besetzung nur mit viel Schauderatmosphäre auszugleichen wusste: Zum großen Teil besteht die Story nicht aus Aktion, sondern aus Reaktion – etwas ist geschehen und die Personen sprechen darüber, wie es wohl zugegangen sein könnte. Mehr noch: Da Williams Ermittlungen diskret ablaufen müssen, besteht sie aus subtilen Frage-Antwort-Duellen mit nur angedeuteten Konflikten und regelmäßigen Zusammenfassungen der gesammelten Verdachtsmomente. Das macht die Informationsfülle der ersten Hälfte etwas zäh – und kostet Zeit, die der Aufführung am Ende fehlt und das Finale arg abgewürgt wirken lässt.
Nach der Pause nimmt der Abend Fahrt auf, zum einen dank der nun stärker zur Wirkung kommenden Lichteffekte, zum anderen durch den Auftritt des Selbstgerecht-sadistischen Inquisitors Bernard Gui. Den spielt Matthias Götz mit diabolisch lächelnder Eiseskälte – und Paul Hug als der Ketzerei angeklagter Mönch Remigius tritt ihm mit rebellischem Furor entgegen, was dem Abend eine Verhörszene von überzeugender Dynamik beschert.
Überhaupt sind die Darstellerleistungen sehr beachtlich. Allen voran zu nennen ist Fritz Müller, der als William von Baskerville in die Fußstapfen von Sean Connery treten muss – und sich mit einer Aura verschmitzter Souveränität von dieser bürde freispielt. Kurt Tüg deckt die Machtgier hinter der würdigen Strenge des Abts auf und Martin Kühn zeigt den blinden Strippenzieher Jorge von Burgos als charismatischen Eiferer. Alexander Grünbacher als durch Schrecken reifender Adson, Roman Gallion als weitschweifier Gärtner Serverin, Heinz-Peter Löffler als apokalyptischer Mahner Alinardus, Siegfried Kühn als fleischesschwacher Ubertin und Johannes Tüg als intriganter Aymarus seien hier noch stellvertretend genannt für die vielen Kräfte, die diesen Theaterabend tragen. (Andreas Jüttner)

Ein Kriminalfall als Epochendrama

Es ist ein historischer Roman, ein Epos, eine Kriminalgeschichte, mit der dem italienischen Autor Umberto Eco Anfang der 1980er ein Welterfolg gelungen ist: Der Name der Rose spaltet die Öffentlichkeit bis heute – in diejenigen, die das Buch verschlingen und die anderen, die es ob seiner Kompliziertheit nach wenigen Seiten zuklappen. Die freie Regisseurin Rebekka Stanzel ist das Wagnis eingegangen und hat das Werk in der Schauspielfassung von Claus J. Frankl auf die Bühne der Volksschauspiele Ötigheim gebracht.
Die vielen, für den Roman typischen Rahmenhandlungen machen es dem Zuschauer schwer, das Stück zu erfassen. In drei Stunden und 20 Minuten wird die Aufklärung des Mordes als eigentliche Geschichte von weiteren Themen wie der Frage nach der Rechtfertigung von Verfehlungen der Kirche im Mittelalter oder Moral überlagert. Diese Geschichten alleine könnten schon Theatersäle füllen. So fragt einer der Benediktinermönche, Berengar von Arundel (Maximilian Tüg), nach der romantischen Liebe. Im selben Moment hat Adson (Alexander Grünbacher) eine Vision: Er sieht seine Geliebte am Brunnen stehen und gibt sich ihr zärtlich hin. Solch eine Szene passt noch gut in die Fabel des Stückes.
Doch der Auftritt Salvatores (Bastian Nold), der zeitweise wirr redet und das noch auf Italienisch und der mitten in der Szene am Rande der Bühne auftaucht, macht die Handlung streckenweise überladen. Dennoch ist die Szene wichtig, denn sie soll deutlich machen, wie widersprüchlich der moralische Anspruch und die Gesetzestreue in den Mauern der Klöster des Mittelalters im Gegensatz zu Geldbetrug, Lüge und Mord vonseiten der Äbte und Päpste ist. Dem Zuschauer wird klar: Das Weltbild des Mittelalters mit all seiner Grausamkeit ist am Zerbrechen.
Unterstützt wird diese Wirkung durch mehrere Traumsequenzen. Der Erker erstrahlt in rotem Licht. Immer dann, wenn die Protagonisten ihren amourösen Sehnsüchten erliegen. Das Rot des Lichts und die mit Nachhall unterlegte Stimme aus dem Off unterstreichen dabei den sprichwörtlich moralischen Zeigefinger. Dem Zuschauer läuft ein Schauer über den Rücken: Eine der schönen Jungfrauen schreit in opernhaft erhobener Stimme weil sie auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen droht. Das Rot des Scheinwerferlichts leuchtet gespenstisch auf, die Schauspieler auf der Bühne erstrahlen mir ihren Kostümen (Bühnenbild: Bettina Scholzen, Kostüme: Karin Stephany) fast fluoreszierend. Choräle dringen aus dem Off. Es ist einer dieser Momente, in denen man sich an die Verfehlungen der Kirche erinnert.
Am Ende besticht Matthias Götz als päpstlicher Inquisitor, der mit hochmütiger Distanz und einer der Arroganz angemessenen Tonlage nach dem Mörder sucht. Das Stück lohnt sich nicht nur wegen der Eco ähnlichen Bühnenfassung, sondern auch wegen der Schauspielerleistungen. Dabei besticht Fritz Müller als Baskerville mit seiner Ruhe und Ironie im Ton sowie Salvatore – trotz teilweise etwas überzogener Mimik und Gestik. Jorge von Burgos (Martin Kühn) überzeugt durch Kühle seiner weitaufgerissenen Augen in Kombination mit einer kräftigen Stimme. Ein Programmheft ist den Zuschauern allerdings zu empfehlen, die Szenenfolge ist sehr komplex. (Jennifer Warzech)

Ein perfekt inszeniertes Verbrechen

Wissen ist Macht, das Streben danach oft gefährlich, manchmal sogar tödlich – und eigentlich unverzichtbar, um Umberto Ecos Meisterwerk „Der Name der Rose“ zu verstehen. Was sich da zu Beginn des 14. Jahrhunderts an kirchlichen und weltlichen Machtkämpfen samt Doppelpapsttum, Ketzerunwesen und Inquisition abspielt, lässt sich mit flüchtig angegoogeltem Wissen kaum verstehen. Umso beachtlicher ist die Adaption des großartig verfilmten Romans für die Riesenbühne der Volksschauspiele Ötigheim. Der komplizierte Historienkrimi setzt in der Fassung von Claus J. Frankl als letzte Premiere der Saison möglicherweise neue Maßstäbe für die Zukunft des Schauspiels aus dem Volk für das Volk, wie es sich Pfarrer Saier vor über 100 Jahren wünschte.
Vielleicht kann niemand alle Feinheiten dieses mittelalterlichen Intrigenspiels völlig entschlüsseln – das es in Ötigheim fast gelingt, ist vor allem Rebekka Stanzel zu verdanken, die sich dieser gemeinsamen Herausforderung von Stoff und Ambiente mutig gestellt hat. Ihre Inszenierung nutzt den Riesenraum, den auch noch einige Bergspitzen aus Heidiland begrenzen, gekonnt für die Massenszenen der Mönche, reduziert ihn aber gleichermaßen gekonnt auf Kammerspielfläche, wenn William von Baskerville und sein pfiffiger Adlatus Adson dem tödlichen Geheimnis der Klosterbibliothek nachspüren, das ihnen ständig neue Rätsel und Morde beschert. Die Regisseurin inszeniert diese Verbrechen an den Klosterbrüdern einfach perfekt und kann sich dabei der Unterstützung von Spielern, Bühnentechnik, Musik und natürlich Reiterei hundertprozentig sicher sind.
Den ersten Beifall gibt es natürlich, als ein herrenloser Schimmel quer über die Bühne prescht und dem Detektiv in der Franziskanerkutte die Chance bietet, seine Kombinationsfähigkeit zu beweisen, natürlich handelt es sich bei dem edlen Ross um das Pferd des Abts, und die Hufspuren des Ausreißers zeigen seinen Weg…
Wenn alles so einfach wäre, müsste sich der von Fritz Müller verkörperte William von Baskerville nicht in Lebensgefahr begeben. Ihn erwartet in der reichen Abtei ein wahrer Sumpf von sex and crime, on dem nacheinander fünf Mönche den Tod finden., Zudem geht es um Kirchenpolitik auf höchster Ebene, denn eigentlich soll ein Kolloquium von Vertretern der Kurie und des Franziskanerordens stattfinden, das William vorbereiten soll.
Sein Novize Adson von Melk wird von beiden Kriegsschauplätzen durch die Liebe zu einem armen Bauernmädchen abgelenkt, das in dem Kloster Lebensmittel gegen Sex tauscht und den angehenden Kirchenmann – bezaubernd-naiv-clever dargestellt von Alexander Grünbacher – verführt.
Die aufgescheuchten Hormone seines Schützlings sind allerdings nur Kleinigkeiten für den rastlos Forschenden William, der sich magisch von der verbotenen Bibliothek und ihren Schätzen hingezogen fühlt. In dem blinden Jorge von Burgos findet er die Macht hinter den Morden: Der unheimliche Greis, dem Martin Kühn fast diabolische Züge verleiht, hat ein Buch mit dem tödlichem Gift getränkt um der Menschheit ein angeblich verschollenes Werk des griechischen Dichters Aristoteles vorzuenthalten. Aristoteles preis die Macht des Lachens das den Menschen die Angst nimmt – und diese Angst ist für Jorge die Garantie für die Machterhaltung der Kirche.
Während der kühle Machtmensch Bernard Gui kraft seines Amtes als päpstlicher Inquisitor kurz nach seinem Eintreffen in der Abtei das Bauernmädchen als Hexe und zwei Mönche als Häretiker auf den Scheiterhaufen geschickt hat, wählt Jorge den Tod im Feuer: Er setzt die Klosterbibliothek in Brand und stürzt sich mit dem mörderischen Buch in die Flammen, William und Adson entkommen nur knapp dem Feuertod – der Fall ist gelöst – aber um welchen Preis!
In einem furiosen Finale zieht die Bühnentechnik, wie schon zuvor bei den dramtisch-sündigen Visionen Adsons, noch einmal alle Register – was Bettina Scholzen da an Feuerzauber veranstaltet, ist mehr als spektakulär.
Die große Leistung dieser Inszenierung besteht aber in der Stimmigkeit der Charaktere – jeder der zahlreichen Akteure hat ein klares Profil, das in unverwechselbar in der Masse der Kuttenträger macht. Die gregoreanischen Gesänge, mit denen der Liederkranz Ötigheim die kirchlichen Handlungen umrahmt, die exakt durchchoreografierten Szenen und mehrere spielebenen – und natürlich die Reiterei: Die dreieinhalb Stunden vergehen wie im Fluge.
Das Premierenpublikum bedankte sich mit Standing Ovations für eine mörderisch gute Gesamtleistung. (Irene Schröder)