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Bühnenführungen und offene Probe am Pfingstwochenende

Während des Pfingstturniers des Reitervereins Ötigheim am Pfingstwochenende werden
auch die Volksschauspiele Ötigheim ihre Tore öffnen: Am Sonntag, 19. Mai 2024 gibt es für
alle Interessierten die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen von Deutschlands größter
Freilichtbühne zu werfen. Ab 10 Uhr werden jeweils zur vollen Stunde Bühnenführungen auf
dem weitläufigen Naturbühnengelände angeboten. Treffpunkt ist der Bühneneingang am
Tellplatzweg. Auch der VSÖ-Jugendbeirat ist an diesem Tag aktiv: Für alle kleinen Gäste
gibt es ein Kinderschminken. Am Pfingstmontag, 20. Mai 2024 sind Interessierte zur offenen
Probe eingeladen: Um 14.30 Uhr und um 15.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, Regisseur
Stefan Haufe bei der Probenarbeit zu „Don Camillo und Peppone“ über die Schulter zu
schauen. Eine Anmeldung ist jeweils nicht erforderlich, das Angebot ist kostenfrei.

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Ein Blick zurück auf unser Programm 2007 Anatevka

Nach My Fair Lady und Jesus Christ Superstar gehen die Volksschauspiele 2007 erneut das Wagnis ein, ein Musical auf die Bühne zu bringen. Der Mut wird belohnt, Anatevka (Fiddler on the roof) ist trotz Zusatzveranstaltungen immer restlos ausverkauft. Regie führt Manfred Straube, die musikalische Leitung hat Matthias Hammerschmitt inne. Es spielt das erweitere Kammerorchester Ötigheim. In der Titelrolle brillieren Paul Hug und Gerhard Franz Brucker. Handlung Wer träumt nicht davon einmal reich zu sein? Der Milchmann Tevje im kleinen ukrainischen Dörfchen Anatevka, in dem Russen und Juden friedlich zusammen leben, macht es auf jeden Fall. Immerhin hat er fünf Töchter zu verheiraten. Die allerdings haben ganz andere Probleme: Wider aller Tradition wollen sie sich ihre zukünftigen Männer selbst aussuchen. Und Tradition wird im kleinen Anatevka ganz groß geschrieben. Doch als der Zar befiehlt, dass alle jüdischen Bewohner in drei Tagen das Dorf verlassen sollen, gerät nicht nur die Tradition ins wanken…

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Freilichtbühne Ötigheim

Besetzung

Inszenierung Manfred Straube, Musikalische Leitung und Spielleitung Matthias Hammerschmitt, Kostüme Michael Gundermann, Bühnenbild Fridolin Müller, Regieassistenz und Inspektion Alexander Grünbacher, Maximilian Tüg, Reiterinspektion Claus Becker, Isolde Gerstner, Jutta Kühn, Choreografie Andrei Golescu, Julia Stoll, Korrepetition und Musikalische Assistenz Johann German, Texteinstudierung Heidrun Müller-Graf, Souffleur Christina Gailfuß, Corina Kühn

PERSONEN

Tevje, ein Milchmann Gerhard Franz Brucker, Paul Hug, Golde, seine Frau Pamela Hamblin, Sbaine Speck, Zeitel, Tochter Ulrike Karius, Tanja Paha, Hodel, Tochter Christina Gailfuß, Nina Schromm, Chava, Tochter Anna Hu, Corina Kühn, Shprintze, Tochter Sarah Pisterer, Sarah Stolzer, Bielke, Tochter Anna Beckert, Theresia Bäuerle, Jente, Heiratsvermittlerin Tina Kalkbrenner, Bernadette Kölmel, Mottel Kamzoil, ein Schneider Roman Gallion, Schandel, seine Mutter Elisabeth Hug, Claudia Körner, Perchik, ein Student Matthias Götz, Martin Kühn, Lazar Wolf, ein Metzger Josef Kühn, Kurt Tüg, Motschach, ein Gastwirt Paul Maier, Rudi Wild, Rabbi Horst Herrmann, Gottfried Nold, Mendel, sein Sohn Alexander Grünbacher, Maximilian Tüg, Awram , ein Buchhändler Werner Bouché, Hans-Peter Mauterer, Nachum, ein Bettler Gerold Baumstark, Werner Sparka, Oma Zeitel, Goldes Großmutter Carmen Hunkler, Erika Späth, Fruma-Sara, Lazar Wolfs erste Frau Claudia Held, Petra von Rotberg, Jussel, ein Hutmacher Werner Sachsenmaier, Wachtmeister Claus Becker, Paul Kühn, Fedja, Russe, ein junger Mann Reinhard Danner, Andreas Steinbach, Sascha, sein Freund, Erster Russe Christian Schorpp, Thomas Weber, Der Fiedler auf dem Dach Patrick Speck, Erster Mann Sadek Achache, Paul Kölmel, Zweiter Mann Heinz Lorenz, Jürgen Nagel, Dritter Mann Werner Sachsenmaier, Erste Frau Beatrix Jonas, Manuela Kühn, Zweite Frau Kornelia Schwörer, Hannelore Zonka, Zweiter Russe Frank Volz, Jacques Zeitvogel, Gurkenhändler Ludwig Kiefer, Josef Schindler, Fischhändler Winfried Heck, Herbert Seidenspinner

Erster Dorfbewohner Robert Walz, Zweiter Dorfbewohner Günther Arheidt, Dritter Dorfbewohner Heinz Lorenz

Das erweiterte Kammerorchester Ötigheim, Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim, Großer Chor der Volksschauspiele Ötigheim, Junger Chor der Volksschauspiele Ötigheim, Reiterei der Volksschauspiele Ötigheim, Frauen und Männer der Spielergemeinschaft der Volksschauspiele Ötigheim

Pressestimmen

DIE HEITERE UND MELANCHOLISCHE WELT DES ALTEN SCHTETL

(…) In der Inszenierung durch Manfred Straube, die besonders auf die Massenszenen großen Wert legte, hatte der knapp vierstündige Abend durchaus seine Vorzüge. Dabei kommen die üblichen Trümpfe der Ötigheimer Spiele diesmal eher beiläufig zum Einsatz: Vor alle die unverzichtbare örtliche Reiterei hatte nur einmal Gelegenheit über die riesige Bühne zu donnern und den Applaus der viertausend Zuschauer einzuheimsen. Dennoch nutzte die Regie geschickt die Gegebenheiten der Bühne, die bei hereinsinkender Nacht und effektvoller Beleuchtung einen faszinierenden Rahmen für das wechselnde Geschehen bot. (…) (Rüdiger Krohn)

ANATEVKA IN ÖTIGHEIM

(…) Es ist der Premierenabend, das Publikum strömt zusammen vor dem Theater mit seinen rund 4 000 Sitzplätzen. Das Theater ähnelt von außen einem Freibad: funktionale Backstein-Mauern mit vielen Bäumen drum herum. Am Getränkestand stehen an diesem Abend Mitglieder des örtlichen Mandolinen- und Gitarrenorchesters. Im VIP-Bereich schenken junge Frauen in Trachten Ötigheimer Theatersekt an Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und andere Honoratioren aus. Die wird der katholische Pfarrer Erich Penka später in seiner Rede vor dem Stück namentlich begrüßen, jeweils mit Gattin. Tradition! rufen die Darsteller gleich im ersten Lied des Musicals, wenn bei der Eröffnung mehrere hundert Dorfbewohner, Junge und Alte, Männer und Frauen, dazu noch Ziegen und Pferde die breite Bühne füllen. So beginnt die Geschichte um das Dorf Anatevka, den gewitzten Juden Tevje, seine fünf Töchter und die Vorurteile der Menschen übereinander. Diese Geschichte erzählen die Ötigheimer spielend und singend in mehr als dreieinhalb Stunden, mit unglaublich viel Aufwand und Begeisterung. Das Schauspiel ist bodenständig, der Gesang auch – Volkstheater im besten Sinne. Unsere Zuschauer sind im Schnitt zwischen 50 und 60 Jahre alt, sagt Herrmann. Der Erfolg bestätigt die Ötigheimer: Für den Rest der Saison gibt es nur noch wenige Karten für Anatevka. Tradition, mit diesem Motto aus Anatevka verbinden die Ötigheimer wohl auch ihre eigene Wirklichkeit. In einem Dorf in der malerischen Landschaft der oberrheinischen Tiefebene, das sich im wesentlichen an der Hauptstraße entlang auffädelt. 4 418 Einwohner hat Ötigheim, rund 1 500 Mitglieder der Verein der Volksschauspiele, der seine Büros direkt neben der Kirche im alten Ortskern hat. Auf der Internetseite von Ötigheim sind drei Orte zu sehen: der Rathausplatz, der eher wie eine Garagenauffahrt aussieht. Die moderne Brüchelwaldschule, erbaut 1997. Und die Freilichtbühne, die sie im Ort alle denTellplatz nennen. Das eigentliche Zentrum Ötigheims. Die Ötigheimer sind stolz auf ihre Bühnenbauten, die 172 Meter breit sind und bis zu 18 Meter hoch. Sie sind auch stolz darauf, dass in mehr als hundert Jahren Volksschauspielen keine einzige Aufführung wegen Regens abgesagt wurde, wie Herrmann erzählt, und dabei sind nur die Zuschauerplätze überdacht. Und sie sind stolz darauf, dass das Land Baden-Württemberg nur zehn Prozent der Kosten der Volksschauspiele trägt und die Karten trotzdem nur maximal 22 Euro kosten, weil viele Ötigheimer ehrenamtlich mitarbeiten. Eine thematische Öffnung hat schon seit einiger Zeit begonnen. Seit etwa zehn Jahren kommen Musicals wie My Fair Lady oder Jesus Christ Superstar auf die Bühne, jetzt eben Anatevka. Es gibt keinen spritzigeren und raffinierteren Witz als den jüdischen, sagt Pfarrer Penka. Er ist wie schon seine Vorgänger satzungsgemäß der erste Vorsitzende des Volksschauspiel-Vereins. Auf der Bühne rufen die Schauspieler mit großer Inbrunst Massel tov, viel Glück, und in den badischen Akzent vieler Darsteller mischen sich Imitationen der jiddischen Sprachfärbung. Damit die Farbe der Kopfbedeckungen und der Ritus bei der Hochzeit stimmen, die in der Mitte des Stückes mit mehreren hundert Akteuren vorgeführt wird, haben die Ötigheimer sich bei der jüdischen Gemeinde Karlsruhe beraten lassen. Sie wollten alles richtig machen, wenn sie zum ersten Mal jüdisches Leben zu sich ins Dorf holen. Bei der Passion Christi sind die Juden ja nur die Mörder, sagt Horst Herrmann. Es ist wohl tatsächlich eine Frage des Alters, dass Winfried Heck anders über Anatevka spricht. Heck, 50 Jahre alt, Vorstandsmitglied bei den Volksschauspielen und von Beruf Journalist, trägt einen Bart. Den hat er sich nur für die Bühne stehen lassen. Über die Tatsache, dass es in Anatevka um Juden gehe, werde im Dorf doch gar nicht so viel diskutiert, sagt Heck. Gut, ein Alter habe mal etwas fallen lassen, aber das seien Einzelmeinungen. Die Zeiten ändern sich in Ötigheim, sagt Heck. Er zum Beispiel arbeitet im Vorstand der Bühne, obwohl er schon seit einiger Zeit aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. „Das ist so eine Sache, die es früher nicht gegeben hätte“, sagt Winfried Heck. Ich habe schon lange den Wunsch gehabt, dieses Stück auf die Bühne zu bringen – weil es viele starke Frauenrollen hat. Eine Mutter, fünf Töchter, eine Heiratsvermittlerin, alles tragende Rollen, da können viele Ötigheimerinnen versorgt werden. Schließlich gehört die alljährliche Portion Theater-Zwist ebenfalls seit hundert Jahren zu den Volksschauspielen. Eine tragende Rolle kann in Ötigheim schließlich auch eine Rehrolle sein. Die besteht darin, im Tell ein Reh von links nach rechts zu tragen. Wenn sich da der Betroffene eher zum Helden berufen fühlt, bleiben Diskussionen im Supermarkt von Ötigheim nicht aus, erzählt Heck: Das kommt vor. Andererseits wurden auch schon Ehen im Theater gestiftet. Manche Dörfler spielen als Kind mit, Hecks jüngste Tochter etwa schon mit sieben Monaten. Viele steigen als Teenager aus und kehren als Erwachsene zurück. Einmal Ötigheim, immer Ötigheim, heißt es. Es ist das soziale Netzwerk eines ganzen Dorfes, das quasi-öffentlich gepflegt wird mit den alljährlichen Aufführungen. Und mit den dazugehörigen Traditionen. In jedes Stück gehören Pferde, denn galoppierende Pferde bringen Applaus, das weiß man in Ötigheim. Auch sonst muss immer etwas passieren. Als im Goethe-Jahr 1949 die Iphigenie auf Tauris gespielt wurde, fragte Pfarrer Saier, ob am Anfang nicht ein paar Priesterinnen aufgeregt aus dem Tempel gelaufen kommen könnten. Das steht so zwar nicht im Stück, aber natürlich liefen die Priesterinnen aus dem Tempel. Dass der Pfarrer vor der Premiere eine Rede hält, das kannte ich auch noch nicht, sagt Nina Schromm. Sie klingt amüsiert. Schromm spielt in Anatevka eine der Töchter der Hauptfigur Tevje. Die 24-Jährige ist professionelle Sängerin, das bemerkt auch das Laienohr schnell. Schromm studiert an der Opernschule Karlsruhe klassischen Gesang. Dass Auswärtige mitspielen, ist eigentlich nicht gern gesehen in Ötigheim, aber Schromm ist eine von zwei engagierten Professionellen. Das heißt, sie bekommt Gage. Neid gebe es deswegen nicht im Dorf, sagt sie. Allerdings gehe es in Ötigheim weniger dörflich zu, als man meine, sagt Schromm, die lange für Gotthilf Fischer gearbeitet hat. Technisch sei man mit Mikroports – auf die Wange geklebten Mikrofonen – auf dem aktuellen Stand. Und wie aufwändig die Details jüdischen Lebens recherchiert wurden, das habe sie beeindruckt. Allerdings seien die Proben, jetzt muss Schromm wieder lachen, an den Sonntagen eher Familienklatsch-Ausflugstreffen gewesen. Sie habe aber viele nette Menschen dort kennen gelernt, erzählt Schromm, die selbst nicht weit von Karlsruhe in einem kleinen Ort lebt. Selbstredend hat sie nach der Premiere bis morgens gefeiert mit den Ötigheimern. Die stehen am Ende des Stückes wieder zu Hunderten auf der Bühne. Anatevka schließt damit, dass die Bewohner vertrieben werden. Ein deutsches Dorf spielt ein jüdisches Dorf, das seine Sachen packt, Wagen belädt, sich verabschiedet und auf den Weg macht. Ins Ungewisse, nach Amerika, nach Warschau. Das Publikum braucht einen Moment, als die Bühne schwarz wird. Dann wird geklatscht. (Marin Majica)