TELL me! (7)

Das Ötigheimer Telldenkmal wird im Rondell vor dem Eingangsbereich der Freilichtbühne seinen Platz finden. Damit lädt das Denkmal ganzjährig zum Verweilen, Betrachten und Nachdenken ein.

Nehmen Sie sich einmal Zeit, um die gefühlvolle Verflechtung der Hände beider Figuren zu studieren. Folgen Sie dem vertrauensvollen Blick des Knaben zu seinem Vater. Indem Bildhauer Kissling nicht nur die zu ehrende Hauptfigur auf einen Sockel stellt, sondern auch den zu ihm aufblickenden Knaben, bezieht er den Denkmalbetrachter unmittelbar ins Geschehen ein. Tells Arm legt sich schützend um die kommenden Generationen, zu denen auch wir gehören.

Wir leben in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Fliehkräfte zunehmen. Die Gesellschaft driftet auseinander. Und „Wilhelm Tell“ ist ein Stück, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt beschwört. Beschwört im wahrsten Sinne des Wortes: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr“, heißt es beim Rütlischwur.

Diesem Zusammenhalt ist es zu verdanken, dass die Volksschauspiele vor 113 Jahren entstanden sind. Und dass es sie bis heute gibt. So erinnert das Denkmal auch an all die Mütter und Väter der Volksschauspiele, die den Verein aufgebaut und – nicht selten unter großen Mühen – durch die Zeit getragen haben.

Wilhelm Tell selbst ist beim Rütlischwur nicht dabei. Er lebt zurückgezogen in den Bergen und hat es sich in der privaten Komfortzone bequem gemacht. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist er eigentlich eine sehr heutige Figur. Er ist ein Beispiel für die Individualisierung der Gesellschaft. Aber dieser Tell ist auch bereit, sich einzubringen, „wo’s Not tut“ und wenn andere ihn brauchen.

Die Volksschauspiele basieren darauf, dass Menschen sich ehrenamtlich engagieren und gemeinsam anpacken. Die Volksschauspiele Ötigheim sind auch kein bloßes Unterhaltungstheater, sie wollen christliche Werte vermitteln. Gründerpfarrer Saier sprach in diesem Zusammenhang von seiner Bühne als erweiterte Kanzel.

Mit dem Telldenkmal setzen wir ein sichtbares Zeichen für Freiheit, Menschenwürde und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Volksschauspiele brauchen auch in Zukunft Menschen, die sich engagieren. Nehmen Sie die Jubiläumsinszenierung des „Wilhelm Tell“ zum Anlass, um erstmals oder wieder auf der Bühne zu stehen. Geben Sie Ihren Kindern die Chance, ein Meisterwerk deutscher Dichtkunst spielerisch zu entdecken. Das macht auch für die Schule fit. Oder helfen Sie den Volkschauspielen mit einer Spende.

Der Bau des Telldenkmals markiert den Auftakt einer großen Spendenkampagne für die Zukunft der Volksschauspiele. Der Erhalt und Ausbau des Ausbildungsangebots für Kinder und Jugendliche. Die Bewahrung einer niveauvollen Programmvielfalt. Einladende bauliche Anlagen und zeitgemäße Technik. Die Volkschauspiele stehen vor großen Herausforderungen.

Wilhelm Tell hat Ötigheim zum Telldorf gemacht. Wie kann Ötigheim dieses großartige Erbe bewahren? Was können Sie dafür tun? Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Tell – denk mal!

(Markus Wild-Schauber)

Fotomontage: Hier wird das Telldenkmal stehen.

Unser Telldenkmal – von allen Seiten.

„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern…“, Rütlischwur 1911.

Mütter und Väter der Volksschauspiele: Die Mitwirkenden der ersten Ötigheimer Tellinszenierung 1910.