TELL me! (6)

Das Ötigheimer Telldenkmal orientiert sich am Meisterwerk des Bildhauers Richard Kissling für die Gemeinde Altdorf in der Schweiz. Auch was das Material betrifft: Bronze ist langlebig und hält Wind und Wetter stand. Ötigheims Tellgruppe unterscheidet sich aber auch von diesem Denkmal. Zum Beispiel ist unser „Tell“ nicht 4 Meter groß, sondern 2. Auch verzichten wir bewusst auf den monumentalen Sockel und das zum Altdorfer Denkmal gehörende Hintergrundgemälde. Sondern wir positionieren die Tellgruppe auf einem schlichten Naturstein und rundum einsehbar.

Ein historisches Kunstwerk zu kopieren, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Längst hat die bildhauerische Ausbildung an den Hochschulen andere Schwerpunkte und missratene Nachschöpfungen von Kisslings Meisterwerk verdeutlichen die Schwierigkeiten. Von den Kosten ganz zu schweigen. Es war von Anfang an klar, wir müssen einen anderen, innovativeren Weg wählen: 3D-Technik.

Grundlage jeden Bronzegusses ist ein Modell. Zunächst musste Kisslings Statue gescannt werden. Die Suche nach Kisslings Gussvorlage wurde zur Detektivarbeit. Mit ernüchterndem Ergebnis: 1982 wurde Kisslings Gipsmodell zerstört, weil niemand mehr für dessen Renovierung und Lagerung aufkommen wollte. Im Bündner Kunstmuseum Chur fanden wir jedoch eine vom Künstler selbst gefertigte kleine Marmorversion. Leider versagte uns das Museum die Genehmigung zum Scannen. An einen Scan der über 4 Meter großen Bronze auf dem Altdorfer Marktplatz war nicht zu denken. Letztlich wurden wir bei einer Kleinanzeige im Internet fündig und konnten preiswert einen älteren Abguss von Kisslings Kleinversion erwerben. Diese Statuette bildet die Grundlage unseres Denkmals.

Gefertigt wird unser Standbild in Dresden, wo sich, bedingt durch den Wiederaufbau der Stadt, viel kunsthandwerklicher Sachverstand bündelt. Die von uns beauftragte Gießerei hat sich auf 3D-Technik spezialisiert. In einem ersten Arbeitsschritt wurde unsere Statuette gescannt und aus den Daten ein digitales Modell erstellt. Dieses wurde auf 2 Meter Höhe vergrößert, mit einem Bildhauerprogramm am Computer geschärft, ausgedruckt und anschließend von Hand klassisch bildhauerisch überarbeitet. Denn was im Kleinen detailreich wirkt, erscheint im großen Maßstab häufig unpräzise. In weiteren Arbeitsschritten wird das Modell nun abgeformt, gegossen und patiniert. Zur statischen Sicherheit und zum Diebstahlschutz erhält unsere Tellstatue ein Edelstahlskelett. Auch ein passender Stein ist bereits gefunden.

(Markus Wild-Schauber)

Das Telldenkmal von Altdorf (Schweiz).

Zum Scannen wurde unsere Statuette mit Kreide überzogen.

Tells Kopf: gedruckt und mit anschließender Überarbeitung.

Die Statuette und das auf 2m vergrößerte Modell.

Computermodell unseres Telldenmals.