TELL me! (15)

Zwei Jahre war es still um „Wilhelm Tell“ in Ötigheim. Corona hatte zu einer Verschiebung der Neuinszenierung von Schillers Meisterdrama geführt. Und auch das Denkmalprojekt machte notgedrungen Pause.

Jetzt geht alles ganz schnell: Für den 3. Juni 2022, 17.30 Uhr hat sich Winfried Kretschmann angesagt, um das Denkmal zu enthüllen! Der Ministerpräsident erweist damit Ötigheim eine besondere Ehre. Denn unser Telldenkmal ist nicht nur ein Zeichen für Freiheit und Menschenwürde, es erinnert auch an die Generationen von Mitwirkenden, die die Volksschauspiele einst aufgebaut und über ein Jahrhundert hinweg durch ihr Engagement getragen haben.

Die Bevölkerung ist zu diesem Festakt herzlich eingeladen!

Manche Familie im Ort war schon bei der ersten Tellaufführung 1910 mit dabei. Und ist es bis heute. Doch ausgerechnet für den ersten Telldarsteller und seinen Bühnensohn kannten wir keine Spur in die Gegenwart.

Ein Aufruf in der Presse brachte jetzt den entscheidenden Hinweis. Und so durfte ich inzwischen die 90-jährige Enkelin des ersten Ötigheimer Tells kennenlernen: Frau Luise Kölmel („d‘ Gregori-Liesel“). Ihr Großvater Georg Kühn („d‘r Dori-Gregor“) verkörperte den Meisterschützen von 1910 bis 1921. Herr Kühn unterhielt in Ötigheim einen landwirtschaftlichen Betrieb. Per Pferdegespann belieferte „d‘r Tell“ Kundschaft in Baden-Baden und Karlsruhe mit seinen Kartoffeln. Irgendwann konnte er gemeinsam mit seinem Sohn den ersten motorisierten Lieferwagen im Dorf anschaffen. Einen der ersten Telefonanschlüsse im Ort betrieb ebenfalls „d‘r Dori-Gregor“. Frau Kölmel erinnert sich noch daran, wie die Ötigheimer – etwa wenn ein Arzt telefonisch zu verständigen war – wie selbstverständlich zu „s‘ Gregoris“ oder „s‘ Tells“ kamen. Selbst Pfarrer Saier wusste die Großzügigkeit ihres Großvaters zu schätzen: Der ob seiner Freilichtbühne oft finanziell klamme Pfarrherr fand in seinem Hauptdarsteller auch einen der Sponsoren seiner Bühnenträume. Wir freuen uns, dass Frau Kölmel bei der Enthüllung des Ötigheimer Telldenkmals mit dabei sein wird!

Noch keinen Hinweis erhalten haben wir über Friedrich Maier, den Tellknaben der ersten Aufführungsjahre. Wir wenden uns mit einer Bitte an die Bevölkerung: Wer kann Auskunft über diesen Darsteller geben? Jeder Hinweis ist hilfreich. Sollte es noch Verwandte geben, würden wir sie bei der Enthüllung des Telldenkmals gerne begrüßen. Hinweise bitte telefonisch (07222/4013322) oder an folgende E-Mail-Adresse: tell-me@email.de

(Markus Wild-Schauber)