TELL me! (13)

Während die Tore auf dem Tellplatz derzeit verschlossen sind, erlaubt uns diese seltene Postkarte den Blick von oben auf das Areal der Volksschauspiele. Entstanden sein dürfte die Aufnahme zwischen 1927 und 1929. Einer „Tell“-Spielzeit, wie das Bühnenbild belegt.

Wir gewinnen dabei Einblick in die Trickkiste des legendären Bühnenbildners Karl Friedrich Hinkelbein (wir berichteten). Können wir die gewaltigen Dimensionen des Rücksetzers auf dem noch unbewaldeten „Rütli“ nur erahnen, sehen wir, in welcher Breite das Felsenpanorama hinter der Kapelle auf dem Berg angelegt ist. Zweistufig!

Interessant ist aber auch der Blick in den Zuschauerbereich. Besonders überrascht dabei vielleicht die gärtnerische Gestaltung im linken Bereich des Bildes. Sie erinnert an einen barocken Schlossgarten. Für Exotik sorgen zwei Palmen nur wenig daneben. Eventuell ein Überbleibsel der opulenten Ausstattung des Schauspiels „Joseph und seine Brüder“ aus den Jahren 1922 bis 1924. Belegt ist, dass Pfarrer Saier im Zuschauerfoyer mehreren Pfauen freien Auslauf ließ.

Und wieder einmal kann man stauen, ob des Ideenreichtums und der Gestaltungskraft unserer Vorfahren und ihres genialen geistlichen Mentors.

(Markus Wild-Schauber)