TELL me! (10)

Gefühlt ist Wilhelm Tell ein Ötigheimer. Irgendwie. Er hat ein Theater, zwei Türme und eine Tankstelle. Eine Straße, eine Apotheke, einen Kinderspielplatz, einen cleveren Schulwegdrachen. Und bald ein Denkmal aus Bronze.

Vor allem aber sind die Herzen vieler Ötigheimer seine Heimat. Für sie ist er ein Mensch von Fleisch und Mut. Sie haben Hunderte von Apfelschüssen mit ihm durchlitten. Hunderte Male mit ihm im Kampf um Freiheit obsiegt.

Tells Darsteller sind im Telldorf Helden. Jede Generation hat „ihren“ Wilhelm Tell:

1910 schlüpft Landwirt Georg Kühn in diese Rolle. Wir wissen wenig über ihn. Nicht einmal sicher seinen Namen. In manchen Veröffentlichungen heißt er auch Gregor. Sein Spitzname wird „der Tell“. Denn Herr Kühn verkörpert auch in den Jahren 1911, 1913, 1914, 1920 und 1921 diese Partie.

1927 besetzt Pfarrer Saier die Rolle mit Karl Müller, einem Bahnbeamten aus Karlsruhe. Vielleicht kennt er ihn noch aus seiner Zeit als Kaplan in der Residenzstadt. Vielleicht ist Müller ihm auf den Podien der Karlsruher Konzertsäle aufgefallen. Müller gibt den „Tell“ auch 1928, 1929,1932 und 1933.

Der Theatersommer 1939 findet mit Beginn des Krieges ein vorzeitiges Ende. Hauptdarsteller und Spielleiter dieser Saison ist Hermann Klein aus Pforzheim. Er ist der erste professionelle „Tell“-Darsteller Ötigheims.

Auch 1951 vertraut Josef Saier die Titelrolle einem Berufsschauspieler an: Heinrich Wildberg, damals am Stadttheater Baden-Baden engagiert, leiht „Tell“ seine Stimme und Gestalt.

1952, 1953 und 1962 übernimmt Gerhard Retschy die Partie. Ein Gast, dessen man sich im Telldorf noch gerne erinnert. Der Heidelberger Schauspieler gilt vielen älteren Ötigheimern bis heute als eine Idealbesetzung des „Tell“.

Dass auch eigene Kräfte der Volksschauspiele in dieser Rolle zu überzeugen wissen, beweisen in den Folgejahren Horst Herrmann (1963, 1968), Josef Kühn (1976, 1977, 1988) und Gerhard Franz Brucker (1988).

2006 und 2007 verkörpert der leider allzu früh verstorbene Schauspieler Jochen Neupert vom Badischen Staatstheater Karlsruhe den Schweizer Nationalhelden.

Und 2020 sind mit Stefan Roschy und Christian Sunkel erneut zwei Berufskräfte am Start. Werden auch sie die Herzen erobern? Lassen Sie sich überraschen!

(Markus Wild-Schauber)

Georg/Gregor Kühn.

Karl Müller.

Hermann Klein.

Heinrich Wildberg.

Gerhard Retschy.

Horst Herrmann.

Josef Kühn.

Gerhard Franz Brucker.

Jochen Neupert.

Stefan Roschy.

Christian Sunkel.