Sa., 16.03.2019, 20:00 Uhr
Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde

Komödie von João Bethencourt

Samuel Leibowitz, jüdischer Taxifahrer in New York, ist mit allen Wassern gewaschen. An sei­ne verrückten Ideen hat sich seine Familie inzwischen gewöhnt, doch als eines Tages während einer Tour durch die Innenstadt Papst Albert IV. in sein Taxi steigt, übertrifft Sam sich selbst. Gelegenheit macht nämlich Diebe: Er entschließt sich den Papst zu entführen und sperrt ihn in seine koschere Speisekammer…

Ein Schauspiel um das friedvolle Miteinander der Menschen – hochaktuell und intelligent!

-Geschlossene Vorstellung-

Alle weiteren Termine ausverkauft!

Fr., 22.02.19, 20:00
Sa., 23.02.19, 20:00
Fr., 08.03.19, 20:00
Sa., 09.03.19, 20:00
Fr., 15.03.19, 20:00
Fr., 22.03.19, 20:00
Sa., 23.03.19, 20:00

Fotos

Rollenbesetzung

Sara Leibowitz Sabine Patzelt
Miriam Leibowitz Leah Patzelt
Rebecca Leibowitz Eva Beckert
Samuel Leibowitz Roman Gallion
Rabbi Mayer Stefan Brkić
Papst Albert IV. Erich Penka
Kardinal o’Hara Kurt Tüg

Regie/Bühne/Kostüm Sebastian Kreutz
Assistenz Anita Mancino
Licht Lukas Späth, Christian Bauer/Benjamin Geddert
Technik/Bühnenbau Michael Lerner/Sebastian Bihlmeier/Zeljko Grcic/Michael Tubach
Ton Steffen Sachsenmeier/Lothar Höfele
Schneiderei Olga Knack/Ellen Bolender/Patricia Krebs/Petra Schorpp

Pressestimmen

Badische Neueste Nachrichten, 25. Februar 2019
PENKA BRILLIERT ALS PONTIFEX

Pfarrer Erich Penka ist in der Hierarchie der katholischen Kirche aufgestiegen: Er ist jetzt Papst – und sogar einer der humansten der Geschichte. Nein, natürlich nicht im wahren Leben, sondern auf den Brettern, die in der kleinen bühne wieder die Welt bedeuten. Sein Debüt als Schauspieler meisterte der Vorsitzende der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) in den beiden Aufführungen am Wochenende mit Bravour.
Die Rolle des gütigen und abgeklärten, wenn auch frei erfundenen Pontifex Maximus in João Bethencourts intelligenter Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde schien ihm auf den Leib geschneidert. Die Premiere des 1972 uraufgeführten, zeitlos aktuellen Schauspiels um das (scheinbar unmögliche) friedvolle Miteinander der Menschen wurde stürmisch gefeiert. Regisseur Sebastian Kreutz sorgte für eine leichte, flotte und raffinierte Inszenierung dieser warmherzig-witzigen, märchenhaft-surrealen Utopie mit Tiefgang. Seine sieben Darsteller legten sich mit mörderischer Spielfreude zwei Stunden lang mächtig ins Zeug für den Weltfrieden. Nach einem Feuerwerk an pointierten Dialogen und herzerfrischender Situationskomik freuten sie sich über tosenden Applaus und lautstarke Ovationen.
Die Geschichte handelt von einem fiktiven Papst-Besuch in New York. Im Mittelpunkt steht der jüdische Taxifahrer Samuel Leibowitz (als herrlich verschrobener und durchgeknallter, aber liebenswerter Chaot: Roman Gallion). Als Papst Albert IV. unverhofft in sein Taxi steigt, packt Leibowitz die Gelegenheit beim Schopf. Er entführt den Heiligen Vater und sperrt ihn bei sich zu Hause in die Speisekammer ein. Im liebevoll gestalteten Wohnzimmer mit Regalwand, Couch und integrierter Wohnküche reagiert die Familie zunächst entsetzt, arrangiert sich aber bald mit der vertrackten Situation. Ehefrau Sara Leibowitz (wunderbar aufgedreht, zappelig und als besorgte Mutter einfach rührend: Sabine Patzelt) hat sich wie ihre beiden Töchter Miriam und Rebecca (glaubwürdig als einsatzfreudige, hippe Teenies: Leah Patzelt und Eva Beckert) schon an die skurril-verrückten Einfälle ihres Gatten gewöhnt. In der Küche plaudert sie munter mit dem Papst, der ihr sogar beim Kartoffelschälen hilft und sich in der jüdischen Familie schon bald pudelwohl fühlt.
Samuel fordert mit Zustimmung des Entführten statt Lösegeld einen Friedenstag auf der ganzen Welt, an dem kein Blut fließen darf. Mit Hilfe der UNO wird das möglich. Samuels scheinheiliger Onkel, Rabbi Meyer (nichtsnutzig, durchtrieben und geldgierig: Stefan Brkić), erkennt bei einem Besuch im Haus seines Neffen den Papst, spielt mit ihm sogar Schach und verrät für ein paar lumpige Dollar der Polizei den Aufenthaltsort des Gekidnappten. Es beginnt eine militärische Belagerung des Grundstücks. Bombenstimmung im Leibowitz’schen Garten. Samuel, Golfkriegs-Veteran und Ex-Sprengmeister, hat in weiser Voraussicht das gesamte Gelände ums Haus herum vermint und lässt es dann auch ordentlich krachen. Köstlich, wie sich die Darsteller bei jedem Explosionsgewitter ohne Rücksicht auf Verluste auf den Boden schmeißen. Autsch! Die armen Knochen. Während der strenge US-Kardinal O’Hara (stattlich-impertinent, grobschlächtig, dogmatisch und rachsüchtig: Kurt Tüg) den Papst zum Verlassen der Wohnung zwingen will, erklärt der Pontifex seinen jüdischen Kidnapper kurzerhand zum alten Freund, schützt ihn so vor der Polizeigewalt und schenkt der Welt damit zugleich eine Verschnaufpause, die allerdings nicht über den Friedenstag hinaus währt. Kaum sind die 24 Stunden vorüber, geht das Blutvergießen weiter. Die Welt ist wieder normal. Schade … (Ralf Joachim Kraft)

Badisches Tagblatt, 25. Februar 2019
AKKURAT IN DER KOMIK; PUNKTGENAU IM TIMING, PHYSISCH FORDERND

Ein frommes Unterfangen sei das Streben nach dem friedlichen Miteinander der Menschheit. Das Thema, das laut Bürgermeister Frank Kiefer zu jeder Zeit in die Welt passt, greifen sieben Akteure der Volksschauspiele Ötigheim auf der Kleinen Bühne mit der irrwitzigen Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde auf.
Sebastian Kreutz inszenierte die leichte, spritzige Story von Joao Bethencourt akkurat in der Komik, punktgenau im Timing und physisch fordernd, motivierte die Amateurdarsteller zu staatstheaterreifen Leistungen. Das flotte Stück bietet in jeder Sekunde eine genüssliche Achterbahnfahrt fern vom Alltag.Die energiestrotzenden Akteure bewegen sich in einem detailreichen Bühnenbild von Michael Lerner, Sebastian Bihlmeier, Zeljko Grcic und Michael Tubach. Eingespielte Songs unterstreichen inhaltlich die Botschaft des Stücks. Die Rollen sind allerfeinst erarbeitet. In schierer Verausgabung breitet Sabine Patzelt brillant die facettenreiche, geballte Emotionswelt der quirlig taffen Sara Leibowitz aus. Sara lebt in New York, hat zwei Teenagertöchter, schmeißt Erziehung, Haushalt, hält die Familie mit gutem Essen in der Balance, setzt sich mit den verrückten Ideen ihres Ehemanns Sam auseinander. Einst war dieser Sprengmeister in Afghanistan. Dort verlor die Familie den Sohn, dessen Tod das Paar kaum verkraftet.Roman Gallion ist der Taxifahrer Sam in einer schauspielerischen Tour de Force mit überbordender Dynamik, Verschmitztheit und Cleverness. Als Sam am 14. Juli 2030 nach Hause kommt, hat er den Papst im Schlepptau. Dieser ist auf Staatsbesuch in der Stadt. Auf dem Weg zu einer zweitägigen Auszeit in einem Karmeliterkloster steigt er in Sams Taxi und wird spontan von diesem entführt. Sam fordert einen 24-stündigen Weltfrieden, in dessen Verlauf kein Mensch einen anderen tötet.
Als geselliger, wohlmeinender Pontifex mit großer Menschenkenntnis und Fairness erklimmt Pfarrer Erich Penka in roten Gummiclogs den Heiligen Stuhl, zumindest auf der Bühne. Papst Albert IV. landet in der koscheren Speisekammer seines Entführers, wird aber von Sara ruckzuck ins Familienleben integriert, hilft ihr beim Kartoffelschälen und spielt Schach mit Rabbi Meyer. Den pfiffigen jüdischen Geistlichen mit einer Ader zur Hinterhältigkeit gibt Stefan Brkic, dem besonders die Leibowitz-Tochter Rebecca (Eva Beckert) mächtig zusetzt, als herauskommt, dass der Rabbi die Polizei über den Aufenthaltsort des Papstes informierte. Schnell ist das Leibowitz-Haus von Einsatzkräften umstellt. Miriam Leibowitz (Leah Patzelt) hat per Fernglas die Situation im Blick. Für Unbilden sorgt außerdem Kardinal O’Hara (Kurt Tüg in einer Paraderolle, die seiner imposanten Statur und großen Bühnenerfahrung gerecht wird). Am Schluss wird dank des Papstes alles gut. Um die Komödie perfekt abzurunden, erledigen Lukas Späth, Christian Bauer und Benjamin Geddert das Spiel mit dem Licht. Den Ton besorgen Steffen Sachsenmeier und Lothar Höfele.Die Kostüme stammen von Olga Knack, Ellen Bolender, Patricia Krebs und Petra Schorpp. Alle Vorstellungen für Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde auf der Kleinen Bühne sind bereits ausverkauft, im Herbst kommt die bei der Premiere am Freitag stürmisch gefeierte Komödie als Wiederaufnahme zurück. (Manuela Behrendt)