So., 25.08.2019, 14:00 Uhr
Münchhausen

Sein wahres Leben in 15 Lügengeschichten nach einer Vorlage von Erich Kästner

Nach der Vorlage des UFA-Films von 1943 mit Hans Albers in der Titelrolle ist Münchhausen 2019 erstmals auf Deutschlands größter Freilichtbühne zu erleben. Und kann in der opulenten Inszenierung von Brecht-Enkelin Johanna Schall bei der Prachtentfaltung des Films durchaus mithalten. Der Kostümaufwand sprengt alle bisher in Ötigheim dagewesenen Dimensionen. Ein sprechendes Pferd, ein dressierter Hund, Musik, Tanz, Reiterei, Massenszenen, Pyrotechnik und zahlreiche Spezialeffekte entführen die Zuschauer in die abenteuerliche Welt des berühmten Lügenbarons.

Ein buntes Fest im Hause der Familie Münchhausen: Baron von Münchhausen nimmt dies zum Anlass, von den sagenhaften Unternehmungen seines Vorfahren zu erzählen. Der ritt als Reisender auf einer Kanonenkugel, liebte die russische Zarin, litt als Gefangener eines Sultans, rettete die italienische Prinzessin Isabella, intrigierte in Venedig… und flog schließlich auf den Mond.

Alles erlogen? Pure Phantasie oder doch die reine Wahrheit? Halten wir es einfach mit Erich Kästner: Der Mensch mit der stärkeren Einbildungskraft erzwingt sich ganz einfach die reichere Welt. Ein Theaterspaß für die ganze Familie bei dem am Ende nur die Frage bleibt: Wer war denn nun wirklich der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong oder doch Baron von Münchhausen?

Dauer: 3 Stunden inkl. 30 Minuten Pause

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Weitere Termine:
So., 01.09, 2019, 14:00

Fotos

Rollenbesetzung

Inszenierung Johanna Schall
Kostüme Jenny Schall
Regieassistenz und Spielleitung Luisa Schoenemann
Musikalische Leitung/Großer Chor Matthias Hammerschmitt Jugendchor Maria Bagger
Choreografie Andrei Golescu, Julia Krug Berlin
Kostümanfertigung Kostümwerkstatt Anja von Lenski
Bühne Bettina Scholzen
Soufflage Anita Mancino
Reiterinspektion Simone Fettig, Jutta Kühn
Gespannfahrer Gustav Schäfer
Pferdedressur Pferdestunt Stuntteam Sandor Czirjak, Stephanie Kröcker, Andreas Wolter, Nina Wolter

PERSONEN

Baron Münchhausen Sebastian Kreutz
Baronin Münchhausen, seine Frau Lissi Hatz
Louise La Tour, gealtert Elisabeth Hug
Der alte Baron Münchhausen, Vater Werner Sachsenmaier
Christian Kuchenreutter I, gealtert und noch älter, Christian Kuchenreutter IV Paul Hug
Rieke, Frau von Kuchenreutter I Natalie Horldt
Gotthold L. Kuchenreutter, Sohn von Kuchenreutter I Rufina Beckert/Hannah Waldner
Sofie von Riedesel Leah Patzelt
Freiherr von Hartenfeld Maximilian Knapp
Stimme des Pferdes Judith Herz
Ein Jäger Chase Tolbert
Ein Kurier aus Braunschweig Reiner Bitterwolf
Louise La Tour, Opernsängerin Anna Hug
Lakai der La Tour Helen Kraft/Mafalda Kühn
Braunschweiger Stadtsoldaten Jannik Friedrich & Chase Tolbert
Prinz Anton Ulrich Markus Wild-Schauber
Prinz Anton Ulrich, gealtert Heinz Lorenz Herzog Karl von Braunschweig Felix Hempel Braunschweiger Lakai Stefan Pikora Ein kurländischer Wirt Gerold Baumstark
Betrunkener Russe Jonas Landhäußer Gräfin
Josepha Balsamo Cagliostro Ulrike Karius
Katja, Bauernmädchen/Katharina II Leonara Mihajlov
Katharina gealtert Jutta Wegner
Seiltänzerin/Zofe von Katharina II/gefälliges Fräulein Sarah Becker
Kind/Kind am russischen Hof Hannah Waldner/Rufina Beckert
Stelzenläuferin Hannah Lerner
Alte Frau/russische Hofdame Tina Kalkbrenner/Claudia Lechner
Starker Mann/Fürst Potemkin Maximilian Tüg
Fürst Potemkin, gealtert Kurt Tüg
Alter Mann/Fürst von Ligne Jonas Landhäußer
Fürst von Ligne, gealtert Rudi Wild
Wahrsagerin/russische Hofdame Petra von Rotberg
Kosakenführer Pugatschev/Fürst Orlow Paul Kölmel
Läufer Sven Engel Sultan Abdul Hamid Martin Kühn
Yussuff Pascha Stefan Brkic
Selim, ein Eunuch Stefan Pikora
Koch Winni Engber
Seraildamen Jessica Engel & Kristin Wegner
Eine Sklavin/Uhr Manuela Kühn/Simone Schindele
Kind im Serail Rufina Beckert/Hannah Waldner
Französischer Ballonfahrer Maximilian Tüg
Prinzessin Isabella d’Este Stephanie Kuhn
Ein Mondbewohner Gerold Baumstark
Frau des Mondbewohners Isabel Beckert/Sonja Waldner
Kindertrio Sarah Appel, Lucia Battaglia, Annalena Kern, Annabell Paparoni, Anne Peter, Leni Ruf, Isabelle Smiejkowski, Miriam Spence, Norena Thom, Leonie Weber
Tanzgruppe Menuett Mariola Bartkowiak, Claudia Engber, Winni Engber, Melanie Fraß, Nicole Kern, Andreas Kern, Heidi Kühn, Michael Kunzweiler, Susanne Lohr, Michael Patzelt, Sabine Patzelt, Susanne Piek, Thomas Piek, Judith Pohl, Rainer Pohl, Carsten Schendel, Melanie Smiejkowski, Sven Smiejkowski, Sandra Spence, Lorenz Werny
Tanzgruppe Serail/Russland: Anna Franziska Beckert, Eva Beckert, Jennifer Deck, Alina Delang, Jessica Engel, Joelina Jahns, Madeleine Kühn, Selina Kühn, Leonora Mihajlov, Sabrina Mihajlov, Mara Patzelt, Viktoria Till, Hanna van Stavel, Kristin Wegner
Double Münchhausen & Double Läufer Sascha Siegel

Großer Chor der Volksschauspiele Ötigheim · Jugendchor der Volksschauspiele Ötigheim · Ensemble des Mandolinen- und Gitarrenorchesters Ötigheim · Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim · Reiterei der Volksschauspiele Ötigheim · Frauen, Männer und Kinder der Spielergemeinschaft der Volksschauspiele Ötigheim als Paparazzi, Gaukler, Livreen, Betrunkene Russinnen, Soldaten, Marketender, Kaftane und Bäume auf dem Mond

Pressestimmen

Nachtkritik, 22. Juni 2019
GELIEHENES GLÜCK

Große Sprüche, große Bilder, große Kulissen, großes Gewoge von Menschenmassen, mit Pferden, einem Esel und einem Monster. Ein bunter Rausch von Kostümen, Reifröcken, Perücken, russischen und orientalischen Trachten, Musketen und einer Kanone. Es knallt und kracht, pyrotechnischer Bühnenzauber, Musik, Tanz und Gesang. Volkstheater, ausgereizt bis zum Geht-nicht-mehr. Nicht kleckern, sondern klotzen. Ein Megaspektakel im oberrheinischen Ötigheim für einen fantastischen Aufschneider, den Baron Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen. Sein wahres Leben in 15 Lügengeschichten nach einer Vorlage von Erich Kästner. So steht’s im Untertitel des Freilichttheaters auf der Volksschauspielbühne in einer ehemaligen Kiesgrube.
Wenn die Sonne gesunken ist und es nicht heftig regnet, erwachen sie überall zu einem bunt-dramatischen Leben – nicht nur in Ötigheim: Deutschlands Sommertheater. Ob in Parkanlagen oder am Seeufer, ob in Steinbrüchen oder in romantischen Burgruinen und an anderen außergewöhnlichen Orten: Freilichtaufführungen sind eine deutsche Spezialität. Über 100 solcher Bühnen gibt es in deutschen Landen, auffallend viele davon im Südwesten, in Baden-Württemberg und in Bayern. Meist sind es Laientruppen, die ohne Gage, aber mit viel Leidenschaft und oft erstaunlichem Können zugange sind. Beim Further Drachenstich im Bayerischen Wald etwa, beim Hornberger Schießen im Schwarzwald, auf der Freilichtbühne Wagenfeld in Niedersachsen. Dort wird Plattdeutsch gesprochen.
Das größte dieser Amateur-Spektakel jedoch findet wenige Kilometer von Karlsruhe entfernt statt – in dem 4.700-Einwohner-Ort Ötigheim, im Landkreis Rastatt. Zwischen 400 und 600 Mitwirkende auf und hinter der Bühne. So ein Engagement muss man erst einmal aufbringen. Mehr als 100 Jahre reicht die Theatertradition zurück. Begründet hat sie ein Pfarrer, um der wachsenden Verrohung der Dorfgemeinschaft kulturell Einhalt zu gebieten.
Das Kalkül geht noch heute auf. Viele Familien im Ort sind beteiligt. Man ist stolz auf so manche Prachtrolle, manches Talent, das sich darin beweisen kann. Der gebotene Mix aus einem Lustspiel, einem Klassiker und einem Kinderstück lockt Zuschauer aus Nah und Fern an. 4.000 überdachte Plätze warten auf ein gut gelauntes Publikum. Heuer im Programm: Schillers Räuber, Der gestiefelte Kater und eben Münchhausen.
Gespielt wird nach dem UFA-Film von 1943 mit Hans Albers in der Titelrolle. Die Bertolt-Brecht-Enkelin Johanna Schall hat diesen Plot für die Bühne adaptiert – und reichlich ausgebaut. Statt einem Staraufgebot wuchert sie mit dem Pfund, das ihr die Ötigheimer reichlich bieten: ein schier unglaubliches Engagement und die erfrischende Naivität einer Theaterbegeisterung, die nur Liebhaber aufzubringen vermögen. Sie erobern, sozusagen, die Herzen des Publikums im Sturm, sie entführen in eine magische Welt der unglaublichsten Abenteuer – ein Schuss Kästnersche Lebensphilosophie inbegriffen: Das Glück wird uns vom Schicksal nicht geschenkt. Es wird uns nur geliehen.
Eine große Geschichte wird da erzählt. Es gibt viel zu lachen, Spannung und etwas Melancholie. Die Bühne ist 170 Meter breit, die Aufbauten sind 25 Meter hoch. Jedes Detail ist präzise ausgearbeitet. Sebastian Creutz verkörpert den ollen Baron Münchhausen, ausgefuchster Erzähler, der alle Tricks kennt, mit denen man sein Publikum bei der Stange hält: mit Schalk, Chuzpe und Grandezza.
15 Lügengeschichten, eingebettet in ein bisschen Biographisches des alten Haudegens. Erzählt wird im Schloss Bodenwerder, dem Stammsitz derer von Münchhausen. Braunschweig, Kurland, der Zarenhof in St. Petersburg, ein Märchenorient samt Sultan und Prinzessin. Die Frauen fliegen auf den schicken Offizier. Ein sprechendes Pferd und sein treuer Diener Kuchenreutter (burlesk und bodenständig Paul Hug) begleiten ihn.
Auch den ziemlich unwahrscheinlichen Ritt auf der Kanonenkugel gibt es. Ein Meisterstück der Bühnenmagie. Es knallt zweimal, einmal beim Abschuss der Kanonenkugel, auf der der Baron Platz genommen hat, und ein zweites Mal als die Kugel samt ihrem Passagier einige Meter weiter einschlägt. Immer wieder jagen Reiter im gestreckten Galopp über die Naturbühne. Selbst eine stürmische Seefahrt muss nicht fehlen. Zu guter Letzt die Landung auf dem Mond mit einem Ballon. Die Erde leuchtet als blaue Kugel im Hintergrund. Die Theaterillusionstechnik ist vom feinsten.
Mit ihrem opulenten Konzept geht es der Regisseurin um eine gute Story, die spannend erzählt und mit Leichtigkeit und Witz in Bilder verwandelt werden muss. Das gelingt ihr mit ihrer unerschöpflich engagierten und ebenso talentierten Truppe ganz vorzüglich. Ich bin ein Träumer, singt Münchhausen in einer großen Schlussapotheose – und alle auf der Bühne stimmen ein. Ein verzaubertes Publikum dankte mit einem Riesenapplaus für dieses Sommertheater-Erlebnis. (Harald Raab)

Badische Neueste Nachrichten, 24. Juni 2019
FANTASIE ERWEITERT DIE WELT

Die Erde war zu klein für den Baron Münchhausen und seine überbordenden Geschichten – die größte Freilichtbühne Deutschlands ist gerade groß genug. Von Bodenwerder in Niedersachsen über Braunschweig und St. Petersburg bis auf die Krim und nach Konstantinopel, vom offenen Meer in einem Ballon durchs Weltall bis auf den Mond: mit einer vielseitigen Naturkulisse, einem opulenten Bühnenbild, Pyrotechnik und pittoresken Kostümen, mit rund 300 engagiert spielenden, tanzenden, singenden und musizierenden Mitwirkenden, mit Pferden und anderen echten Tieren sowie einem künstlichen Seeungeheuer machen die Volksschauspiele Ötigheim es möglich, dass ihre Zuschauer für mehr als drei Stunden das Jetzt und Hier vergessen und sich von einem Schwindel in 15 Bildern erfassen lassen, um sich – so jedenfalls bei der Premiere – anschließend noch etwas wacklig und leicht betäubt zum Applaus zu erheben.
Ein Spektakel im besten Sinne des Wortes, mit einem sprechenden Pferd, mit dem allseits bekannten und doch Staunen erregenden Ritt auf der Kanonenkugel und mit Mondmenschen, die Kopf und Körper trennen können – mal ehrlich, wäre das nicht manchmal wirklich praktisch?
Inszeniert hat die Brecht-Enkelin Johanna Schall, den Münchhausen spielt Sebastian Kreutz, der von 1998 bis 2011 am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert war. Dort arbeiteten die beiden mehrfach erfolgreich zusammen. Der Ötigheimer Münchhausen, gekleidet in unschuldiges Weiß, gibt sich weniger als Lügner denn als Fantast, der mit seinen Geschichten die Welt für sich und seine Mitmenschen weiter und reicher macht. Zugleich verkörpert er den Traum des Menschen, ewig jung zu bleiben – ein Traum, dessen Verwirklichung irgendwann schal erscheint, wie Münchhausen am Ende erkennt, wenn er sich singend als Träumer bezeichnet, der nur sich selber liebt.
So gelingt es Johanna Schall und Sebastian Kreutz, in das bunte Spektakel eine melancholische Note einzubringen. Das Stück basiert schließlich auf dem UFA-Film von 1943, für den Erich Kästner – unter einem Pseudonym, da er eigentlich mit Berufsverbot belegt war – das Drehbuch verfasste: prachtvolle Unterhaltung, während der Zweite Weltkrieg seinem bitteren Ende entgegen- ging. (Sibylle Orgeldinger)

Badisches Tagblatt, 24. Juni 2019
TOLLKÜHNE REISE DES LÜGENBARONS UM DIE WELT

Als Lügenbaron ist er weltberühmt geworden: Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen. Die Erzählungen des aus Bodenwerder stammenden Adligen, die es mit der Wahrheit nie genau nehmen, wurden unter anderem von dem Dichter Gottfried August Bürger in eine literarische Form gebracht. Die Geschichten um den legendären Baron stehen so in einer langen literarischen Tradition, die bis ins klassische Altertum zurückgeht. Die Volksschauspiele Ötigheim präsentieren nun ihre Sicht auf den Lügenbaron – ein Nachfahre der Familie von Münchhausen war bei der Premiere anwesend -, die auf dem berühmten UFA-Film von 1943 mit Hans Albers in der Titelrolle basiert. Für Münchhausen schrieb der unter den Nationalsozialisten mit Schreibverbot belegte Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger das Drehbuch. Auch wenn Münchhausen kein vordergründiger Propagandafilm war, sollte dieser teure UFA-Farbfilm mit seinen für die damalige Zeit spektakulären technischen Tricks den Durchhaltewillen und die schwindende Siegeszuversicht der vom Krieg ausgelaugten Bevölkerung stärken.Auf Deutschlands größter Freilichtbühne erscheint der legendäre Münchhausen in einer auf der UFA-Verfilmung basierenden Theaterfassung von Johanna Schall und Grit van Dyck. Die Brecht-Enkelin Johanna Schall führt auch in dieser mit spektakulären optischen Momenten nicht geizenden Aufführung Regie. Das Leben des Lügenbarons wird in eine in der Gegenwart angesiedelten Rahmenhandlung gestellt. Sofie von Riedsel (Leah Patzelt) und der von Maximilian Knapp gespielte Freiherr von Hartenfeld bedrängen Münchhausen anlässlich des 90.Geburtstages seiner Frau, noch mehr von seinen Geschichten zu erzählen.Hier fangen Gegenwart und Vergangenheit an zu verschwimmen, eine fanatische Lebensreise beginnt. In der der arabische Hengst des Barons ebenso wie sein treuer Diener Kuchenreutter mit seinem überdimensionierten Gewehr wichtige Rollen spielen. Das zumindest gelegentlich sprechende Pferd – Judith Herz bewährt sich als seine Stimme – muss einiges erleiden, wird in der Mitte von einem Fallgitter durchtrennt und wieder zusammengeflickt, als muslimisches Tier gar versehentlich im tiefsten Winter an einer Kirchturmspitze festgebunden, was nach erfolgter Schneeschmelze zu einer äußerst unangenehmen Situation führt.Wo immer Münchhausen auftaucht, sind auch von ihm faszinierte Frauen zugegen wie die umschwärmte Sängerin Louise La Tour, die von Anna Hug mit viel Körpereinsatz gespielt wird. Die Vorzüge der Dame liegen aber weniger in ihren sängerischen Möglichkeiten als ihren erotischen Qualitäten, was sie unfreiwillig unter der Mithilfe des Lügenbarons auf der Opernbühne mit dem Herzog von Braunschweig in einer eindeutigen Situation zeigt. Der ist über Münchhausens Intrige wenig begeistert, worauf dieser sich gen Russland davonmacht. Wobei er die Intrigantin und Zauberin Gräfin Josepha Balsamo Cagliostro trifft, von Ulrike Karius mit entsprechender Skrupellosigkeit und Herrschsucht zu den Klängen von We are the Champions versehen. Aber die angestrebte Herrschaft über Polen reizt ihn nicht, der leben, nicht herrschen will. Später hilft Münchhausen ihr dennoch aus einer prekären Lage am russischen Hof der Zarin Katharina II, wofür die Zauberin ihm ewige Jugend schenkt. Die Zarin, von Leonora Mihajlov mit entsprechender erotischer Präsenz versehen, hat auf Münchhausen auch ein Auge geworfen, was ihm den Hass von Fürst Potemkin (Maximilian Tüg) einbringt. Der verhilft  ihm denn auch während des Krim-Krieges gegen die Türken zu seinem legendären Ritt auf der Kanonenkugel, was auch auf der Freiluftbühne dank geschickt eingesetzter illusionistischer Mittel ihren Effekt nicht verfehlt.Dieser Flug bringt ihn nach Konstantinopel. Als Gefangener des brutalen Sultans, den Martin Kühn mit einer Prise Ironie versieht, muss er mit seinen Lügengeschichten um sein Leben und das von Christian Kuchenreutter ringen, der von Paul Hug souverän in verschiedenen Altersstufen gespielt wird. Nach dem Serail des Sultans führt Münchhausens Lebensreise gar auf den Mond, wo er, der nicht altert, das ergreifend gestalte Ende seines Dieners miterleben muss.
Münchhausen durchläuft den Wandel der Zeiten, die Französische Revolution ebenso wie die Kriege des 19. Jahrhunderts, aber auch Verdun und die Niederlage vor Stalingrad. In der Gegenwart der Rahmenhandlung angekommen ist er des ewigen Lebens und des Sterbens geliebter Menschen neben sich wie seiner Frau überdrüssig. Er verzichtet mit Anspielungen auf Goethes Faust auf das Geschenk der Zauberin Cagliostro. Sebastian Kreutz, aus seinen Tagen im Ensemble des Badischen Staatstheaters unter Knut Weber, als das Karlsruher Schauspiel eine kurze, aber längst vergangene Blütezeit erlebte, bestens bekannt, ist dieser Schwadroneur und Frauenheld, ein sympathischer Aufschneider, unterhaltsam und nie um eine Geschichte verlegen. Kreutz gibt ihm immer eine Spur spielerischer Leichtigkeit mit, die Lebens- und Abenteuerlust des Münchhausen, der sich immer wieder aufs Neue verliebt und geliebt wird, versieht er mit einer Spur entwaffnender Ironie. Die Wandlungsfähigkeit von Kreutz ist ebenso famos wie er auch auf dem Rücken seines Pferdes eine gute Figur macht. Auch wenn die von Johanna Schall geschickt geleitete Aufführung mit Augenfutter nicht geizt, die farbenprächtigen Kostüme von Jenny Schall den russischen Hof ebenso wie den Harem des Sultans oder das Leben am niedersächsischen Stammsitz Bodenwerder (Bühne Bettina Scholzen) geschickt illustrieren, ebenso wie die verschiedenen Tanzgruppen oder die immer wieder gekonnt in Szene gesetzte Reiterei der Volksschauspiele Ötigheim für viel Szenenapplaus sorgen, so trägt doch Sebastian Kreutz mit Unterstützung seiner Kollegen und Kolleginnen dank seiner Bühnenpräsenz und der Ausstrahlung das Stück, wobei er jeder noch so fantastischen Geschichte des Lügenbarons ein Körnchen Wahrheit zu entlocken vermag.
Münchhausen steht bis 1. September auf dem Spielplan. (Thomas Weiss)