Badische Neueste Nachrichten, 22. Juni 2017

Akteure müssen sich zum Affen machen

Die Affen rasen beim diesjährigen Kinderstück der Volksschauspiele Ötigheim nicht nur durch den Wald, sondern gleich über die ganze Bühne. Im Musical Das Dschungelbuch sind zwei Ballettgruppen der Zehn- bis 14-Jährigen unter der Leitung von Julia Krug aktiv, um neben Affen auch Schmetterlinge und andere Tiere des Dschungels darzustellen. Wie sie sich möglichst authentisch auf der Bühne bewegen, wird in Ötigheim seit Monaten geprobt.

Insgesamt bewegen sich neben rund einem Dutzend Affen auch 25 Schmetterlinge, ein halbes Dutzend Elefanten, Krokodile, Warzenschweine, Wölfe, Hyänen und verschiedene Insekten auf der Bühne. Eine große Herausforderung besteht für die jungen Darstellerinnen aus der Ballettgruppe vor allem darin, sich zu trauen, ballettuntypische Bewegungen zu machen. Die jungen Akteure müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen machen, rumblödeln und sich einmal von einer ganz anderen Seite zeigen, berichtet Julia Krug. Gar nicht so einfach, denn im wöchentlichen Balletttraining stehen sonst eher grazile Bewegungen im Vordergrund. Nun springen und hüpfen die Affen auf den Stufen der Haupttreppe umher, blödeln mit dem von Paul Hug gespielten Affenkönig herum und dürfen auf der Bühne sogar auf einem Trampolin springen.

Die rund 25 Schmetterlinge dagegen trainieren leichte, elegante Flugbewegungen. Hier arbeiten wir derzeit vor allem an einer ausgewogenen Balance zwischen Tanzschritten und Tierbewegungen, erklärt Julia Krug und fügt hinzu: Wer einen Schmetterling spielt muss sich auch wie ein Schmetterling fühlen: Dann kommen die Bewegungen besonders authentisch rüber.

Parallel zum Kinderstück üben die beiden Ballettgruppen derzeit auch für die beiden festlichen Konzerte, die für Ende Juli terminiert sind. Hier steht ein klassischer Walzer auf dem Programm. Für Julia Krug und ihre Mädchen könnte der Unterschied zwischen dem Kinderstück und dem festlichen Konzert deshalb kaum größer sein. Aber gerade das ist die schöne Herausforderung, vor der wir in diesem Jahr stehen, sagt sie und fügt hinzu: So etwas gibt es nur in Ötigheim. Für alle ist deshalb das Kinderstück eine besonders große aber auch besonders schöne Herausforderung. Um alles pünktlich fertig zu bekommen, haben die Proben bereits im Winter begonnen. Was damals im Ballettsaal einstudiert wurde, bekommt nun auf der großen Freilichtbühne seinen Feinschliff.

Geprobt wird derzeit auf dem Ötigheimer Tellplatz mit den verschiedenen Chören. Bei Julia Krug lernen die Sängerinnen und Sänger, wie sie sich choreografisch in das Gesamtbild einbringen sollen. Während sich die Ballettgruppen voll auf den Tanz konzentrieren können, muss bei den Chorsängern ein guter Mittelweg zwischen Singen und Bewegung gefunden werden. So erhält jede Tiergruppe ihre ganz eigene Bewegung, denn neben Krokodilen, Warzenschweinen, Hyänen und Affen stehen auch verschiedene Insekten auf der Bühne und geben damit ein beeindruckendes Bild ab. Wie das bei der Premiere am 8. Juli und an den weiteren drei Aufführungen einmal aussehen wird, zeigte sich jetzt bei der Fotoprobe, als alle erstmals in Kostüm und Maske auf der Bühne erschienen. „Nun geht es an die Feinarbeit, bei der neben tiertypischen Bewegungen vor allem die Gesamtchoreografie im Mittelpunkt steht“, sagt Julia Krug. Ihre jungen Tänzerinnen sind derweil ganz begeistert von den mit viel Liebe zum Details gestalteten Kostümen. Mit passender Kostümierung und passender Schminke im Gesicht fällt es dem ein oder anderen sicher bald noch leichter, nicht mehr als Mensch, sondern für zwei Stunden als Affe oder Insekt über die große Freilichtbühne in Ötigheim zu huschen. (Stephan Friedrich)

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