Badische Neueste Nachrichten, 28. Mai 2015

Zauberhafte Eigengewächse

Große, Furcht einflößende Hexen wollen die kleine Hexe verzaubern. Der Rabe Abraxas weiß auch nicht, wie er seiner Freundin jetzt helfen soll. Die ganze Freilichtbühne ist wie verhext. Die Proben für Die kleine Hexe, die am 11. Juli Premiere feiert, sind in vollem Gange. Viele Szenen sind bühnenreif, alle Darsteller hoch motiviert. Auch der Kartenverkauf für die vier Vorstellungen läuft erfreulich. 90 Prozent aller Karten sind bereits verkauft, berichtet Regisseur Matthias Götz, der sich schon jetzt darauf freut, rund 14 000 Zuschauern eine quirlige und farbenfrohe Familien-Aufführung präsentieren zu dürfen.
Sein Team besteht komplett aus Eigengewächsen. Auch er selbst ist eines. Für den 48-jährigen Zollbeamten ist es die zweite Inszenierung auf der Freilichtbühne. Die erste war Schneewittchen. In der Kleinen Bühne hat er bereits 2000 Die kleine Hexe inszeniert. Das war seine erste Regie. Schon damals reifte die Idee, das Stück auch auf die große Bühne zu bringen, erzählt Götz, der seit 1978 auf den Brettern steht. Seine erste Hauptrolle spielte er als Vinicius in Quo Vadis und seine bisherige Traumrolle war voriges Jahr der Boanlkramer im Brandner Kaspar. Die Hauptrolle hat er mit der 37-jährigen Isabel Beckert besetzt. Es ist ihre erste Hauptrolle. An der kleinen Hexe gefällt mir ihr Mut und ihre Bauernschläue, schwärmt Beckert, die schon seit 1979 aktiv ist, sei es in der Statisterie, als Rollenträgerin oder im großen Chor. Bei ihr ist die ganze Familie im Einsatz: ihr Vater Hannes als langjähriger Hauptrollenträger und Regisseur, ihre Mutter Isolde als Mitarbeiterin im Souvenirshop. In der kleinen Hexe spielen neben ihrem Mann Stefan die drei Töchter Anna (16), Eva (zwölf) und Rufina (sechs) mit.
Auch Ulrike Weßbecher freut sich über eine Hauptrolle. Die 44-Jährige verkörpert freilich nicht nur die Wetterhexe Rumpumpel, sie hat auch erstmals für eine Produktion auf der Freilichtbühne das Kostümbild entworfen. In selber Funktion tat sie das schon 2000 bei der kleinen Hexe in der Kleinen Bühne. Im Zimmertheater übernahm die Bildungswissenschaftlerin bei nunmehr sechs Produktionen das Kostümbild. Man benötigt viel Fantasie, erzählt die kunstinteressierte Ötigheimerin, die seit vielen Jahren als Rollenträgerin, im Chor und der Statisterie der Volksschauspiele mitwirkt. Vor allem bei den Hexen war sehr viel Kreativität gefragt. Eine Herausforderung bestand darin, mit großen Accessoires oder Hüten, starken Farbkontrasten oder greller Schminke eine Wirkung auf die Entfernung zu erzielen.
Für Tobias Kleinhans dürfte das kein Problem sein. Denn das Nachwuchstalent, von Beruf Raumausstatter, spielt – komplett in Schwarz und gefiedert – den Raben Abraxas. Weil mein Gesicht durch einen großen Schnabel verdeckt ist, sehe ich wenig, kann fast gar nichts über die Mimik ausdrücken und muss mich bei der Darstellung voll auf meinen Körper verlassen, berichtet der 23-Jährige, der seit 2003 im VSÖ-Einsatz ist, schon in etlichen Stücken als Rollenträger und in der Statisterie zu erleben war, sich seit 2011 im Jugendclub profiliert hat, 2014 Regieassistent beim Brandner Kaspar war und auch im Jugendbeirat und im Vollausschuss der Volksschauspiele mitwirkt.
Apropos Regieassistenz: Diese Rolle und auch noch den Souffleur spielt in der kleinen Hexe der 26-jährige Steuerfachangestellte Patrick Speck. Mit vier Jahren erlernte er das Violinspiel, seit 2004 spielt er im Volksschauspielorchester, inzwischen als Konzertmeister. Seine ganze Familie ist tatkräftig bei den Volksschauspielen im Einsatz. Seine Mutter Sabine ist Spielervorstand, sein Opa Gottfried Nold als langjähriger Rollenträger, seine Oma Leonie Nold als Chormitglied und Garderobiere der Rollenträger. (Ralf Joachim Kraft)

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