Badische Neueste Nachrichten, 25. April 2017

Wie wird aus der Wartburg indischer Dschungel

Von der Wartburg, die hoch über der thüringischen Stadt Eisenach thront, in den indischen Dschungel – dieser Herausforderung haben sich die technische Abteilung um Michael Lerner und Bühnenbildnerin Bettina Scholzen beim diesjährigen Theatersommer auf der Bühne der Volksschauspiele Ötigheim zu stellen. Eine große Hürde ist bereits geschafft: Die Wartburg steht, die 800 Quadratmeter große Fassadenfläche ist verputzt, bemalt und hat das Finish bereits hinter sich. Das Finish nennt Michael Lerner, Leiter der Technischen Abteilung, die Feinheiten und die liegen ganz und gar in den Händen von Bühnenbildnerin Bettina Scholzen. Ich war allerdings froh darüber, dass seine Leute beim Verputzen und Grundieren fleißig mitgeholfen haben, sagt sie. Froh war das Team auch über die Schönwetterphase vor Ostern, da konnte es zügig arbeiten. Denn erst ab fünf Grad plus in der Nacht kann verputzt oder gemalt werden. Da sind wir voll auf dem laufenden, freuen sich die Beiden.

Es gebe so eine Faustregel bei den Verantwortlichen der VSÖ, dass vor Ostern die großen Bauten fertig sein sollen. Denn dann beginnt die heiße Phase der Probenarbeit. Die Kathedrale, die seit 2010 die große Bühne dominierte, wurde zuvor abgerissen, jetzt hat eine Mischung aus Burg und Schloss, eben die Wartburg, ihren Platz eingenommen und bleibt für die nächsten drei bis fünf Spielzeiten stehen. Viele der Arbeiten für Luther und Dschungelbuch, das am 8. Juli Premiere hat, laufen derzeit parallel, obwohl natürlich von Premiere zu Premiere gearbeitet wird, wie es Bettina Scholzen formuliert. Sie ist seit dem 6. Februar ständig auf der Freilichtbühne anzutreffen, hat sich aber bereits seit dem letzten Herbst mit den Regisseuren und der Technik abgestimmt.

Wie aber wird aus der Wartburg der indische Dschungel? Ohne größeren Aufwand muss die Umgestaltung funktionieren und soll die Zuschauer, in dem Fall die ganz jungen, faszinieren und in das Geschehen hineinziehen. Wichtig sei es, den Mittelbau verschwinden zu lassen, die Kinderaugen so zu fokussieren, dass die Illusion eines Dschungels entsteht. Es wird natürlich Palmen geben, erläutert Bettina Scholzen ihre Ideen, und einen großen Wagen, der auf der Hauptbühne aufgestellt wird und so gestaltet ist, dass er für den Panther Baghira, den Bär Balu und natürlich Mogli als Spielstätte dient. Ein Modell hat sie schon gefertigt, aber ob dieser Wagen mit den zwei Spielebenen und einer Stange zum Rutschen als Verbindung zwischen diesen Beiden dann tatsächlich so umgesetzt wird, das wird sich bei der Fertigung herausstellen. Seine Maße sind schon von den Durchgängen her beschränkt auf 4,20 Meter Höhe, sechs Meter Länge und drei Meter Breite. Der Hexenwagen aus Die kleine Hexe dient als Basis. Schon ein Stück weiter gediehen ist der Thron von Affenkönig King Louis, der seinen Platz auf der großen Freitreppe finden wird. Der steht in Rohfertigung bereits in der Werkstatt: Ein Lattengerüst als Treppe gebaut, darüber Styropor und das festere Styrodur hat schon ganz klar die Formen eines Thrones. Darüber kommt noch Polsterung und Stoff, eine wasserabweisende Schicht, falls es mal regnet, und Farbe. Die meiste Aktion wird beim Kindermusical Dschungelbuch auf der Vorbühne stattfinden und auch der Zuschauerraum wird bespielt, sind die ersten Eindrücke von den Proben, die Bettina Scholzen und Michael Lerner haben. Sie setzen auf die Fähigkeit der jungen Zuschauer, sich in eine Fantasiewelt hineinziehen zu lassen. Die Kooperation zwischen Technik, Regie und Bühnenbild sei sehr eng und ein steter Austausch. Hat der Regisseur eine Idee, wird erst einmal geschaut, ob sie auf der Freilichtbühne umzusetzen ist, erläutert Michael Lerner den Prozess . Umsetzen heißt, ist es brandschutztechnisch oder überhaupt technisch möglich, lässt es sich realisieren oder kann ein vom Regisseur gewünschter Weg einfach nicht begangen werden. Am Ende kann aus einer Idee etwas ganz anderes werden, ergänzt Bühnenbildnerin Bettina Scholzen, das ist ein spannender Prozess, der bisher immer für alle zufriedenstellend funktioniert hat. (Martina Holbein)

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