Badisches Tagblatt, 27. Oktober 2018

Volksschauspielnachwuchs setzt Stückwerk-Reihe fort

Sprachlich ist ,Stückwerk II? eine ordentliche Stufe höher als die bisherige Arbeit von Sebastian Kreutz mit unseren Jugendlichen, sagte Markus Wild-Schauber, Mitglied der künstlerischen Leitung der Volksschauspiele Ötigheim, am Rand einer Durchlaufprobe im Tellplatz-Casino, wo am 9. und 10. November jeweils um 20 Uhr die Aufführungen von Stückwerk II stattfinden.

Die Stückwerk-Reihe dient den Jungakteuren als Plattform, um ihr Erlerntes zu zeigen. Während sich die erste Auflage anhand von Auszügen großer literarischer Werke auf das bühnenreife Sprechen stützte, nahm Kreutz für Stückwerk II neben Prosa von Christine Brückner, Wilhelm Busch, Georg Danzer, Patrick Süskind und Kurt Tucholsky eine stark gekürzte Fassung der Komödie Der Menschenfeind in einer modernen Übersetzung von Enzensberger als Basis. Wild-Schauber zeigte sich im BT-Gespräch überwältigt von der Arbeit, die der professionell ausgebildete Staatsschauspieler mit den jungen Leuten leistet.

Im vorigen Herbst holte Kreutz mit seiner Inszenierung des Märchens Der Drache enorme Emotionen aus den VSÖ-Jugendlichen heraus. Eine derartig hochwertige Aufführung mit unserem Schauspielnachwuchs gab es nie zuvor, begeisterte sich Wild-Schauber über die authentische Spielweise der jungen Mimen. Kreutz sei sehr engagiert und motiviert in der Jugendarbeit. Er ist mittlerweile einer der Unseren, lebt die Philosophie der Volksschauspiele und macht sehr viel mehr für uns, als wir eigentlich erwarten dürften. Seit Februar probt man für Stückwerk II. Da alle Jugendliche auf der Freilichtbühne in den Sommerproduktionen eingebunden waren, musste Kreutz die Proben in passende Freiräume legen. Aber: Der VSÖ-Schauspielnachwuchs verzichtete nach Saisonschluss auf die Theaterferien und ging ab Anfang September für Stückwerk II in die Vollen. Das ist das beste Beispiel dafür, wie begeistert unsere Jungen von Sebastian Kreutz sind, betonte Wild-Schauber.

Laut Kreutz bergen Verse in Form und Rhythmus heftige Emotionen, Haltungen, Gedanken, die in der Prosaform nicht annähernd die nötige Heftigkeit, Feinheit, Geschliffenheit und Eleganz erreichen können. Die Gefahren bei der Anwendung von Reimen seien gleichförmiges Betonen und sinnentleertes Sprechen, erklärte er.

Und: Versgebundene Theaterstücke haben einen Sound, mit dem er hofft, das Publikum im Tellplatz-Casino zu erfreuen. Dass die Vorstellungen dort stattfinden, kommt nicht von ungefähr. Wir wollen das Casino als alternative Spielstätte etablieren, so Wild-Schauber. Gegenüber der Kleinen Bühne biete der Veranstaltungssaal erweiterte Möglichkeiten. Vorab sei verraten, dass das gesamte Casino zur Bühne wird. Die Kartennachfrage ist enorm hoch. Wer keine Tickets bekommt, darf sich auf Februar freuen. Dann inszeniert Kreutz die Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde. (Manuela Behrendt)

zurück zum Pressespiegel