Badisches Tagblatt, 9. April 2021

VSÖ proben per Videokonferenz

Abends ist Matthias Götz terminlich ausgebucht. Täglich probt der Regisseur per Videokonferenz mit seinen Darstellenden. Die Komödie Das Haus in Montevideo von Curt Goetz hat am 12. Juni auf der Freilichtbühne der Volksschauspiele in Ötigheim Premiere.

In der Phase der Leseproben und Rollenausgestaltung sind Videoschalten auch für die Zukunft ein Medium, befindet Götz. Aktuell funktionieren sogar Zweier- und Dreierszenen per Bildschirm, ohne dass die Spielenden aufeinandertreffen. (…)

Humor gehört unbedingt dazu, denn Das Haus in Montevideo ist ein amüsantes Lustspiel, für das Götz schon lange brennt. Für die Abiturabschlussfeier seines Jahrgangs am Rastatter Wirtschaftsgymnasium inszenierte er 1986 den Klassiker zusammen mit Markus Wild-Schauber. Anfang der 1990er Jahre zog Götz mit der Posse als Vereinstheaterreihe durch die Winterfeiern befreundeter Vereine. Auf die Kleine Bühne schaffte es Montevideo 2006 mit riesigem Erfolg. In allen Aufführungen hatte Götz die Hauptrolle des untadeligen zwölffachen Familienvaters Traugott Nägler übernommen. Im Sommer verwandelt er sich erneut in den Sittenwächter.

Nicht nur inszeniert Götz Goetz. Er ist, wie Curt Goetz bei der Premiere dessen Stücks 1945 am Broadway, gleichzeitig Spielleiter und Hauptakteur. Matthias Götz stammt aus der VSÖ-Talentschmiede und traut sich ein Ding, vor dem manch ein Profi ein bisschen Mores hat, denn beim Regieführen sich selbst zu leiten und zu korrigieren, ist heikel. (…)

Mit zwei Ensembles von jeweils 50 Personen erarbeitet Götz Das Haus in Montevideo. Musik und Tanz dürfen nicht fehlen. Tolle Kostümbilder habe Karel Spanhak entwickelt. Roman Gallion ist als Doppelbesetzung des Tugendbolds dabei. Eva Beckert spielt in einem der Teams Atlanta, die 17-jährige Tochter, welche als Erbin der Immobilie in Montevideo benannt ist. Charmant: Beckert verkörperte 2006 als Jüngste den dreijährigen Nägler-Spross Ultima.

Sobald Gruppenpräsenzproben auf dem Tellplatz starten dürfen, arbeiten beide Ensembles separat. Wir bespielen auf Distanz die gesamte Freilichtbühne; die Komödie wird kein Kammerstück, das nur auf dem Proszenium stattfindet, verspricht Götz. Sollten sich die Pandemie-Rahmenbedingungen für die Agierenden lockern, setzen wir dramaturgisch kurzfristig einen Plan B um. (Manuela Behrendt)

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