Badisches Tagblatt, 22. Juli 2013

Vom Gebet zum Cancan

Bei Veranstaltungen der Volksschauspiele Ötigheim steht der halbe Ort auf der Bühne oder sorgt dafür, das alles läuft. Das ist der besondere Charme des traditionsreichen Freiluftfestivals: es sozusagen alles mit Liebe handgemacht. Das gilt auch für das Festliche Konzert, das dieses Jahr unter dem Titel Paris, Paris dem 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages gewidmet war. Paris ist ein äußerst ergibiges musikalisches Thema, denn viele Komponisten versuchten ihr Glück in der französischen Hauptstadt, die noch dazu Schauplatz zahlreicher Opern und Musicals ist.

Ulrich Wagner hatte als musikalischer Leiter der Volksschauspiele also die Qual der Wahl. Im Hauptberuf Chordirektor und Kapellmeister am Badischen Staatstheater Karlsruhe, griff Wagner beherzt zur großen Oper. Die liefert nämlich auch reizvolle Stücke für die Kleinen. Musikalisch präzise und darüber hinaus einfach entzückend verlief der Auftritt des von Maria Bagger bestens einstudierten Kinderchores der Volksschauspiele. Der Große Chor zeigte sein für Amateure beachtliches Können in dem ausgewählten Chorsatz aus Gounods Oper Margarethe. Beschwingt im Walzertakt wurde das Geschehen um Faust und Margarethe besungen. Schwung- und klangvoll gab der Große Chor auch den Einzug der Gäste aus Hoffmanns Erzählungen. Der Junge Chor wiederum bestach durch seine souveräne Wiedergabe des Medleys aus dem bekannten Musical Les Miserables. Hanna Schmidt, seit 2008 bei den Volksschauspielen dabei, sang dazu ein gut eingebettetes Solo.

Wer nicht singen kann, hat stattdessen vielleicht ein Talent für den Tanz. Sämtliche Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim trugen in fantasievollen Kostümen zum Unterhaltungswert des festlichen Konzerts bei. Zu Gershwins Musik aus dem Musical Ein Amerikaner in Paris nahm das Ballett die überdrehte Modewelt der Haute Couture auf die Schippe. Zur Ballettmusik aus Coppelia wurde dann ernsthaft getanzt. Ganz klassisch auf Spitze, mit großer Geste im spanischen Bolero oder allerliebst als mechanische Puppe. In den Gruppenchoreografien von Julia Krug und Andrei Golescu sahen alle Mitglieder der Tanzgruppen gut aus.

Für die Opernsoli wurden zwei Profis eingeladen, der Bariton Armin Kolarzcyk vom Badischen Staatstheater und die Sopranistin Aisha Tümmler aus dem Opernstudio der Düsseldorfer Oper. Kolarzcyk präsentierte sich in Valentins Gebet und der Arie des Germont aus Verdis La Traviata als Meister eleganter Linienführung. Aisha Tümmler brillierte in der virtuosen Bravourarie der Olympia aus Hoffmanns Erzählungen. Und Reinhard Danner, der gut gelaunt durch den abwechslungsreichen Abend führte sang lässig Da geh ich zum Maxim. Das von Ulrich Wagner engagiert geleitete erweiterte Orchester der Volksschauspiele erwies sich in all den verschiedenen Stücken als zuverlässiger Begleiter.

Mit dem Cancan aus Orpheus in der Unterwelt gelang allen Mitwirkenden ein wahrlich zündender Abschluss des festlichen Konzerts. Die Volksschauspiele ließen es krachen, in des Worten wahrster Bedeutung. Das Feuerwerk war das Tüpfelchen auf dem i. (Nike Luber)

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