Badische Neueste Nachrichten, 20. Oktober 2018

Volksschauspiele müssen kräftig sanieren

Landrat Jürgen Bäuerle bleibt an der Spitze der Josef-Saier-Stiftung (JSS). Der am Donnerstagabend wiedergewählte Präsident hält sich in Bezug auf die zweijährige Amtszeit aber ein Türchen offen. Da ich am 30. April als Landrat in den Ruhestand gehe, bestünde bei der Mitgliederversammlung im Oktober 2019 die Möglichkeit, dass ich auch als Präsident ausscheide. Ich könnte aber auch damit leben, bis 2020 weiterzumachen, erklärte der Stiftungspräsident bei der Mitgliederversammlung im Tellplatzcasino der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ).

Als stellvertretende Präsidentin bestätigt wurde CDU-Landtagsabgeordnete Sylvia Felder. Neu ins Amt der Stellvertreterin gewählt wurde die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Sie löst den früheren SPD-Landtagsabgeordneten Ernst Kopp ab, der nicht mehr kandidierte.

Nach der Begrüßung blickte Bäuerle auf die JSS-Aktivitäten im vorigen Jahr zurück. Zufrieden mit dem Jahresverlauf, berichtete er etwa vom gemeinsamen Empfang anlässlich der Vogelhändler-Premiere mit Ehrung langjähriger Mitglieder und einem Festlichen Abend im Tellplatzcasino. Erfreut zeigte sich Bäuerle über den Anstieg der Mitgliederzahlen auf heute 176 Personen.
Schatzmeister Ralph Ganz berichtete von einem Überschuss von 6 300 Euro im Jahr 2017 und einem aktuellen Kassenbestand von mehr als 46 000 Euro. Kassenprüfer Eberhard Schnelle bescheinigte Ganz eine einwandfreie Buchführung und empfahl die Entlastung des Gesamtvorstands. Diese wurde einstimmig erteilt. Bei den Wahlen bestätigte die Versammlung Ganz als Schatzmeister und Vera Kramer als Geschäftsführerin. Beisitzer bleiben: Nicolette Kressl, Werner Sachsenmaier, Erich Penka, Waldemar Epple, Michael Heid, Wolfgang Sieber, Maximilian Tüg und Walter Ditz. Als Rechnungsprüfer bestellt wurden Eberhard Schnelle und Matthias Weyrauch.
Der erste VSÖ-Vorsitzende, Pfarrer Erich Penka, berichtete von dem mit 86 500 Zuschauern sehr erfolgreiche, aber auch sehr fordernde Spieljahr 2018 (Vorjahr: 82 000 Besucher) und gab einen Ausblick auf den Spielplan 2019 mit Münchhausen, Schillers Die Räuber, Der gestiefelte Kater, den Festlichen Konzerten und diversen Gastspielen. Penka erklärte im Rückblick, dass die Probenintensität bei der Operette Der Vogelhändler und bei Stücken wie Der Name der Rose die VSÖ über die Grenze der Belastbarkeit geführt hätten. Daher werde jetzt eruiert, wie die Proben zu takten sind, um die Lasten zu verringern.

Ein Übermaß an Last, das nicht mehr allein zu stemmen ist, komme auch durch notwendige Sanierungsmaßnahmen auf die VSÖ zu. Penka sprach mit Blick auf das Zuschauerdach oder die Treppe des Mittelbaus von gewaltigen Investitionen und erklärte: Mit fünf Millionen Euro kommen wir nicht zu Streich. Es ist an der Zeit, die Volksschauspiele zukunftsführend auszustatten. Man werde jetzt ein Sanierungskonzept in Angriff nehmen und dann bei der Kommune, dem Landkreis und dem Land vorstellig werden.

Auf Beschluss der Versammlung erhalten die VSÖ eine Finanzspritze in Höhe von 25 000 Euro für die Erneuerung der Beschallungstechnik. Zudem wird die VSÖ-Jugendarbeit mit 3 000 Euro gefördert, davon stammen jeweils 1 500 Euro von der JSS und von Daimler. Mit der Josef-Saier-Medaille sollen in diesem Jahr der Volksschauspieler und Regisseur Hannes Beckert sowie der ebenfalls langjährige Reiter und Kutscher Gustav Schäfer, der auf dem Tellplatz auch als Wagenbeschaffer und Lieferant von vierbeinigen Mitspielern bekannt ist, ausgezeichnet werden. (Ralf Joachim Kraft)

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