Badisches Tagblatt, 6. Februar 2018

Volksschauspiele in Bestform

Otello darf nicht platzen ist eine Komödie des US-amerikanischen Dramatikers Ken Ludwig, der zahlreiche Hits am New Yorker Broadway und im Londoner West End landete. Hannes Beckert adaptierte die prickelnde Burleske für die Kleine Bühne in Ötigheim mit hohem Tempo und gigantischem Erfolg. Der tosende Applaus des Premierenpublikums sprach für sich.

Acht Darsteller trugen die Posse mit Herzblut, wahrhaftigem Genuss am Spiel und professionellem Timing vor, zogen die Zuschauer rasch in das Geschehen in Cleveland, Ohio, hinein. Dort warten in einer luxuriösen Hotelsuite (detailreiches, farbintensives Bühnenbild von Michael Lerner) Operndirektor Saunders (Kurt Tüg: weltmännische Noblesse, souveräne Verzweiflung) und dessen Assistent Max ungeduldig auf die Ankunft von Tito Merelli. Der Startenor aus Europa (Paul Hug: großartig in untrüglicher Luciano-Pavarotti-Aufmachung mit ausladender Gestik, ausgeprägtem italienischem Akzent) soll abends erstmals in der amerikanischen Provinz auftreten und in der Rolle des Mohrs von Venedig die Laufbahn des Operndirektors krönen.

Der Hype um Lo Stupendo, den wunderbarsten Klassiktenor der Welt, packt alle: vom schüchtern-durchsetzungsfähigen Hotelpagen (Lukas Tüg), der eigenwilligen Direktorentochter Maggie (Anna Beckert: süß und zielstrebig) über die karrieregepolte Opernsängerin Diana (Anna Hug: berechnend lasziv) bis zur Vorsitzenden der Operngilde (Petra von Rotberg: schwärmerisch, leicht affektiert).

Merelli reist mit seiner eifersüchtigen Gattin an. Die Verehrung weiblicher Fans weiß der Tenor zu genießen. Temperamentvoll und laut lebt Lissi Hatz daher den dauerhaften Östrogenüberschuss der argwöhnischen Ehefrau aus.

Merelli ist genervt, müde und hat Verdauungsprobleme. Die Zeit drängt, die Vorstellung naht. Schnell wirft er eine Handvoll Tabletten ein, fällt in einen komatösen Schlaf, wird für tot gehalten.

Die ausverkaufte Vorstellung droht zu platzen, wäre da nicht Max (Tobias Kleinhans in einer stressigen Rolle; sie verlangt ihm eine weite Spannbreite von Emotionen ab, die er meisterlich vermittelt). Max kann sehr gut singen. Warum nicht Merellis Stelle einnehmen? Problem gelöst? Mitnichten. Der italienische Star erwacht, womit das Abenteuer furiose Fahrt aufnimmt.

Mit delikater Ironie und viel Situationskomik lässt Hannes Beckert das vorprogrammierte Chaos unaufhaltsam über die Bühne donnern, wird die Geschichte aus Star-Kult, Premierenfieber, Sängertraum und junger Liebe zu einem sensationellen Happening präzise platzierter Pointen.

Mit zum Teil schillernden Kostümen stattete Christel Wild die Akteure aus. Karl Heinz Kellermann, Melanie Langenstein und Brigitte Reh lieferten die passende Maske.

Die schlechte Nachricht zum Schluss: Alle weiteren Vorstellungen der erlebenswerten Komödie sind ausverkauft. Da Vorfreude jedoch die sprichwörtlich schönste Freude ist, lohnt es sich allemal, auf die Wiederaufnahme im Herbst zu warten. (Manuela Behrendt)

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