Galerie Ortenau, 9. August 2016

Verzwickte Liebesgeschichte auf der Freilichtbühne

Ein erwartungsvolles Premierenpublikum, ein schöner Sommerabend, sowie ein großes Ensemble aus Schauspielern, Sängern, Tänzern und einem erweiterten Orchester boten die Voraussetzungen für eine großartige Premiere von Kiss me Kate, diesem großen Musical des bekannten Cole Porter.  Und die 4000 Zuschauer auf der ausverkauften Freilichtbühne in Ötigheim sollten nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil sie waren restlos begeistert von dieser Premiere.

Das im Jahre 1948 erstmals am Broadway aufgeführte Musical, welches in seinem ersten Jahr über 1000 Vorstellungen hatte, und mit 5 Tony Adwards ( dem Musical-Oscar)  ausgezeichnet wurde überzeugt, überrascht und brilliert durch die Vielfältigkeit und die Verwicklungsgeschichte in mehreren Erzählebenen. Die Mischung aus musikalischer Umsetzung des Shakespeare Stückes Der widerspenstigen Zähmung, mit der komplizierten Liebesgeschichte der Hauptakteure und den flotten Tanzelementen wurde unter der Regie von Stefan Haufe, der schon zum widerholten Male eine Inszenierung auf der Freilichtbühne brachte, glänzend umgesetzt.

Die Geschichte dieser Theater-im-Theater-Geschichte in der Kurzfassung lässt erahnen wie turbulent und ereignisreich, aber auch wie witzig und erfrischend in den Dialogen der geniale Cole Porter dieses Musical schuf: Der unter Geld- und Erfolgsdruck leidende Theaterchef Fred Graham, gespielt von Reinhard Danner, hat für die Umsetzung seines Stückes die von ihm getrennt lebende Ehefrau Lilli Vanessi, hier prächtig dargestellt von Viola Zimmermann,  engagiert. Obwohl beide durchaus noch Gefühle füreinander hegen haben sie inzwischen andere Partner. Dadurch entwickeln sich Eifersuchtsszenen und Verwechslungen. Aus einer dieser Verwechselungen; ein eigentlich für die neue Flamme besorgter Blumenstrauß mit Liebesbrief wurde irrtümlich an Lilli geliefert; kommt es auch dazu, dass sich die Streitereien und Auseinandersetzungen, sowohl hinter der Bühne als auch bei dem eigentlichen Theaterstück, der Zähmung der widerspenstigen Katharina, fortsetzen. Nach der erfolgreichen Zusammenführung auf der Bühne, indem sich aus dem Zwang der Heirat eine Lösung dahingehend ergab, dass der Wunsch von Kate sich selbstbestimmend in den Hafen der Ehe zu gehen erfüllt, wird dieses Happy End auch im wahren Leben umgesetzt. Nicht unerheblich in dieser Geschichte auch das Szenarium einer Erpressung auf Grund eines falsch unterschriebenen Schuldscheins mit mehr oder weniger gefährlichen, aber durch ihr Spiel begeisternden Mafia Ganoven. Soviel zu der Geschichte.

Umgesetzt wurde diese einfach nur prächtig durch das gesamte Ensemble. Da war reine Spielfreude bei den Darstellern. Da war jeder Charakter original gespielt, haben sich die Darsteller; überwiegend Künstler der Volksschauspiele; ihre Rolle blendend einverleibt. Der junge Chor überzeugt durch stimmgewaltige Interpretation der bekannten und eingängigen Musikstücke. Das Ensemble der Tanzgruppen aus Ötigheim tanzte die Choreografien von Stefan Haufe und Julia Krug spritzig und mit viel Elan. Und das erweiterte Orchester der Bühne unter der Leitung von Ulrich Wagner legte eine Spielfreude erster Güte ans Werk.

Die Hauptrollen glänzten alle miteinander. Sei es die Verstärkungen von außerhalb wie Marysol Ximenez-Carillo als Lois Lane, und auch Alexander Soehnle in seiner Rolle als der Hallodri Bill Cahoun. Sowohl in ihrer Spielfreude, als auch in ihren gesanglichen und tänzerischen Parts, unter anderem einem Steptanz Duo, konnten sie überzeugen. Absolute Publikumslieblinge waren die beiden Gangsterdarsteller Roman Gallion und Christoph Dettling. Ihr komödiantisches Talent und ihre Darstellungskunst und Verkleidung riß das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Bei ihrem Abgang aus dem Stück mit dem Titel Schlag nach bei Shakespeare mussten sie Zugabe geben.

Die Stars allerdings waren Reinhard Danner als Fred Graham beziehungsweise Petruccio, und die Sängerin und Schauspielerin Viola Zimmermann als Lilli Vanessi und Katharina. Ein Team, das die Charaktere nicht hätte besser darstellen können. Reinhard Danner verkörperte seine Rollen mit souveräner Ausstrahlung, großer Präsenz und klarer und fester Stimme sowohl bei seinen Sprach- als auch Gesangsnummern. Die Topbesetzung der weiblichen Rolle hätte auch nicht besser besetzt werden können. Viola Zimmermann stellte ihr schauspielerisches Talent in unnachahmlicher Klasse und Leistung zur Schau. Ihre schauspielerische Leistung war überragend und brachte das Publikum zum schmunzeln und lachen. Bei ihren gesanglichen Einlagen merkte man ihre professionelle Ausbildung, und auch ihre Engagements an großen Opernhäusern wie der Oper in Köln und am Staatstheater in Braunschweig zeugen von ihrer Klasse.

So waren dann die Standing Ovations am Ende der Vorstellung für alle Aktiven der verdiente Lohn einer grandiosen Premiere des insgesamt, mit Musikern, über 80 köpfigen Ensembles der Freilichtbühne Ötigheim . Mehrere Vorhänge und nicht endend wollener Applaus belohnte dieses gelungene Stück, welches wieder einmal die besondere Klasse und die Güte der Bühne unter Beweis stellte.

Insgesamt sieben Vorstellungen bis zum 28. August dieses Jahres werden noch angeboten. Wer sich für eine gelungene Musicalaufführung interessiert sollte sich dies Stück zu Gemüte führen. (Michael Barbian)

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