Badisches Tagblatt, 9. April 2018

Vermächtnis an Volksschauspiele

Mit Dr. Peter Selbach ist im Sommer ein Mann gestorben, der nicht nur als zuständiger Ministerialrat in Stuttgart die Theaterlandschaft in Baden-Württemberg prägte. Die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) bereicherte er als Rollenträger und Regisseur sowie in Etappen als Vorsitzender und als Mitglied der Intendanz. Sein Vermächtnis ist nun der mit 1000 Euro dotierte Peter-Selbach-Gedächtnispreis, der am 15. April erstmals vergeben wird.

Wenige Wochen vor seinem Tod hatte Selbach Wolfgang Sieber mit der Umsetzung beauftragt. Im Rahmen eines Pressegesprächs in Selbachs Haus berichtete Sieber, dass es dem Stifter ein Anliegen gewesen sei, neben dem Vereinsgeschehen, wo die Leidenschaft für die VSÖ, das ehrenamtliche Engagement für das Amateurtheater sowie die Treue zum Verein zählen, eine zweite Waagschale zu etablieren. Dabei solle es um die künstlerische Fortentwicklung und Entfaltung der Volksschauspiele sowie den ständigen Prozess des Anpassens an den Publikumsgeschmack gehen. Selbach bestimmte im Krankenbett eine Jury, die in zweijährlichem Turnus die Anerkennung für nachhaltige, innovative künstlerische Leistungen innerhalb der Volksschauspiele vergibt.

Den Juryvorsitz führt Sieber. Bis zur Pension war er Verwaltungsdirektor des Badischen Staatstheaters. In der Josef-Saier-Stiftung zur Förderung der Volksschauspiele ist er Vorstandsmitglied. Mit Selbach war er 42 Jahre lang befreundet. Als Jurymitglieder benannte Selbach seine Schwester Inga Becker und deren Ehemann Dr. Claus Becker. Beide sind VSÖ-Choristen. Der Vierte im Bund ist Fritz Müller, eine „Hausnummer“ des Theatervereins. Bekannt ist Müller durch zahlreiche, vielseitige Rollen sowie durch Regiearbeiten, die sehr positiv von sich reden machten. Auch in der Intendanz war er als Vorsitzender richtungsweisend tätig.

Selbach bestimmte Alfons Rieger zum ersten Empfänger des Gedächtnispreises. Maria Bagger als weitere Preisträgerin wurde von dem Jury-Quartett ausgewählt. Alfons Rieger und Maria Bagger haben bei den Volksschauspielen sehr viel bewegt, ist sich die Jury einig. Bei Pfarrer Erich Penka, Bürgermeister Frank Kiefer (Vorsitzende der Volksschauspiele) und Maximilian Tüg, geschäftsführender Vorstand, habe man mit der Ernennung von Rieger und Bagger offene Türen eingerannt.

Rieger ist für die Gründung und den anhaltenden Aufbau des Orchesters verantwortlich. 1982 stellte er mit Rudi Kühn das erste Festliche Konzert auf die Beine. Kontinuität für die Volksschauspiele schafft auch Bagger seit fast 15 Jahren. Sie gründete den Kinderchor und bildet heute bereits in der vierten Generation kleine Kinder in Gesang aus, führt diese an die Volksschauspiele heran, sagte Claus Becker. Über die Verdienste von Rieger und Bagger berichtet Matthias Hammerschmitt, von 1996 bis 2012 musikalischer Leiter, bei der Preisverleihung als Laudator. Neben dem Innovationspreis hinterlässt der eifrige Theatergänger Selbach in Karlsruhe den Peter-Selbach-Preis zugunsten des internationalen Gesangswettbewerbs für Wagner-Stimmen. Eine einmalige finanzielle Unterstützung aus seinem Nachlass kam Anfang März der internationalen Händel-Akademie zu. (Manuela Behrendt)

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