Badisches Tagblatt, 17. August 2017

Verdi-Requiem mit ganzem Furor

Wir können auch Klassik, versprach Wolfgang Roese zu Beginn des Konzerts auf der Ötigheimer Freilichtbühne. Und trat dann zusammen mit dem Chor und dem Orchester des ORSOphilharmonic aus Freiburg gleich den Beweis an. Statt Rock Symphony – die wurde gestern Abend gespielt – stand mit dem Requiem von Giuseppe Verdi ein anspruchsvolles Werk auf dem Programm.

Schon durch den getragenen Pianissimo-Einstieg in das Stück zeigten sich Chor und Orchester bestens vorbereitet. Kern von Verdis Requiem ist das in mehrere Chorsätze und Soli unterteilte Dies irae. Hier legten Chor und Orchester unter Wolfgang Roeses engagierter Leitung mit dem ganzen Furor los, den der dramatisch konzipierte Beginn des Dies irae fordert. Der Schrecken des Jüngsten Tages samt drohendem Höllenfeuer wurde so hörbar. Daran beteiligten sich auch die intonationssicher gespielten Trompeten-Fanfaren, unterstützt durch die Echo-Trompeten am hinteren Ende der Zuschauertribüne.

Im Verlauf des Dies irae kamen die Solisten zum Zuge. Duccio dal Monte zelebrierte das Bass-Solo über den Tod herrlich düster. Anja Jung bestach durch ihre wunderbar runde, mit großem Umfang und ebensolcher Durchschlagskraft ausgestattete Mezzosopran-Stimme. Ausgesprochen süffig in schönstem Opernstil sang sie gemeinsam mit Sopranistin Fenna Ograjensek im Duett das Recordare. Tenor Max Prodinger sang mit Krafteinsatz, hatte aber gelegentlich zu kämpfen, die Spannung in der Gesangslinie zu halten. Im letzten Satz des Dies irae, dem Lachrymosa, entfalteten alle Mitwirkenden eine beeindruckende musikalische Sogwirkung.

Ausgesprochen beschwingt gaben der ORSO-Chor und das Orchester das doppelchörig gesetzte Sanctus. Sozusagen eine luftige Atempause zwischen den intensiven anderen Sätzen. Sehr ausdruckvoll gestalteten Fenna Ograjensek und der Chor das abschließende Responsorium. Über das gesamte Requiem hinweg hielten alle Mitwirkenden einen übergreifenden Spannungsbogen aufrecht. Die Begeisterung des Publikums war verdient.

Nach der Pause übten sich Dirigent Roese, die Musiker und Choristen in lustvoller Lautmalerei. Ottorino Respighis Pini di Roma eignet sich hervorragend für laue Sommernächte. Trotz der widerspenstigen Beleuchtung zauberte ORSO den düsteren Charme altrömischer Katakomben im zweiten Satz ebenso herbei wie die Naturromantik samt Vogelstimmen im dritten Satz. Zum Finale gab es die volle Klang-Dröhnung.

Einen Ausblick auf die geplante Galanacht der Filmmusik im nächsten Jahr gab es mit Musik aus dem Klassiker Ben Hur. Auch hier gingen die Mitwirkenden mit Elan ans Werk. Der Chor verlieh dem Alleluia einen mystischen Schimmer. Harte Paukenschläge und knarzende Kontrabässe illustrierten das harte Schicksal der Galeerensklaven, zu denen ja auch der Film-Held gehört. Vorübergehend, natürlich, der Gute siegt und das Finale fiel entsprechend triumphal aus. Keine Frage, ORSO kann auch Klassik. (Nike Luber)

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