Badisches Tagblatt, 21. August 2014

Lausbubencharme und unvergängliche Melodien

Mit seinem 14. Auftritt an zwei ausverkauften Abenden auf Deutschlands größter Freilichtbühne in Ötigheim hat das Duo Marshall & Alexander Geschichte geschrieben. Die zusätzlich geladenen Stargäste ließen das Publikum seufzen vor Glück, doch die Besucher konnten sich dank des Mottos Deutsche Evergreens auch selbst vehement mit einbringen. Dem Charme der 50er Jahre hat sich schon länger Marcs Bruder Pascal zusammen mit Jill Morris im Duo verschrieben, was beiden jetzt einen Auftritt als Vorgruppe bescherte. Heut‘ liegt was in der Luft orakelten sie ahnungsvoll und luden in das Traumboot der Liebe ein, wohin ihnen die Zuschauer nur zu gerne folgten.
Unvergängliche Melodien der letzten 100 Jahre, die einst um die Welt und in Ötigheim so manchem Besucher unter die Haut gingen, präsentierten Marshall & Alexander bei ihrem Konzert ausschließlich in deutscher Sprache. Beide waren glänzend aufgelegt, scherzten mit ihren teils weither angereisten Fans und brachten ihre ausgereiften Stimmen eindrucksvoll auch in einigen Soli zur Geltung, unterstützt von einer hervorragenden zehnköpfigen Band um den langjährigen musikalischen Leiter Frank Lauber. Wir machen Musik, da geht euch der Hut hoch sangen sie mit lausbubenhaftem Esprit zum Auftakt und sollten mit dieser Prophezeiung Recht behalten. Das in Erinnerungen schwelgende Publikum wurde ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen bei Hits wie Immer wieder geht die Sonne auf, Und es war Sommer oder dem mit ersten Bravorufen bedachten Jenseits von Eden.Nun ging es weiter zurück im Kalender bis ins Jahr 1930 bei Marc Marshalls schmelzendem Solo Liebling, mein Herz lässt dich grüßen aus der Tonfilm-Operette Die drei von der Tankstelle, wobei sich sein klangvoller Bariton warm um die Herzen der Damen legte. Als nicht weniger smarter Womanizer verteilte Jay Alexander Komplimente mit seinem ausdrucksstarken Tenor, der bei Vico Torrianis Du bist schön wie Musik in strahlender Reinheit auch in den hohen Tönen glänzte. Ein schwärmerisches Medley italienischer Lieder bis hin zu den Capri-Fischern, von 4000 Besucherstimmen hingebungsvoll unterstützt, läutete die Pause ein.

Hemden und Schuhe waren gewechselt worden, als beide mit Bully Buhlans Frage Ham‘ se nich‘ ne Frau für mich aus den Publikumsrängen heraus die Bühne stürmten. Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n gestand Jay Alexander mit herzigem Augenaufschlag und sanftem Timbre, bevor dann wirklich die Nostalgie Einzug hielt.

Dieter Thomas Heck erinnerte als Stargast an die Zeiten der Hitparade und bemängelte, dass Goethes Sprache heute kaum noch Eingang in Schlager finde. Es lag Melancholie in der Luft, als er mit seinem legendären Satz Rainer fahr‘ ab die einstigen Stars der Hitparade, Chris Roberts und Bata Illic, ankündigte. Das Publikum flippte fast aus und trug die unvergessenen Helden, zu denen sich auch noch Tony Marshall gesellte, förmlich auf Händen. Bei Titeln wie Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara, Bora Bora oder Dich erkenn‘ ich mit verbundnen Augen stieg das zuvor schon ganz weit oben angesiedelte Stimmungsbarometer vollends auf Anschlag, die Besucher erwiesen sich als absolut textsicher und die Ötigheimer Bühne verwandelte sich in eine ausgelassene Fanparty.

Die alten Recken strahlten um die Wette und genossen sichtlich ihr warmes Bad im tosenden Applaus. Selbst überrascht von der überwältigenden Stimmung holten Marshall & Alexander nach dem rauschenden Abschied der Stargäste das Publikum wieder zu sich mit dem melancholischen Solang man Träume noch leben kann von der Münchner Freiheit, Tony Marshall stimmte danach die ersten Bravorufe an für das sehr emotionale Solo seines Sohnes Für mich soll’s rote Rosen regnen. Stehend stimmten die Besucher mit allen Künstlern gemeinsam Ein Lied zieht hinaus in die Welt an und waren eine große Familie bei Sag‘ beim Abschied leise Servus. (Conny Hecker-Stock)

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