Badisches Tagblatt, 10. November 2014

Unterhaltsames Intrigenspiel

Mirandolina heißt das Objekt der Begierde. Sie ist Die Wirtin und hat die Augen von gleich drei Männern auf sich gelenkt. Kein Wunder, denn sie ist unverheiratet und emanzipiert und arbeitet voller Selbstbewusstsein in einem Männergewerbe. Und das zu Zeiten, in denen Titel wie Graf, Cavaliere und Marchese noch von großer Bedeutung sind. Mit Die Wirtin feierten die Volksschauspiele in Ötigheimer am Freitagabend nicht nur den Auftakt der diesjährigen Wintersaison auf der Kleinen Bühne, sondern auch eine Premiere.

Regisseur Frank Landua hat das von Peter Turrini nach Carlo Goldoni verfasste Stück mit dem Jugendclub 2 erarbeitet. So sind es ausschließlich junge Schauspielerinnen und Schauspieler im Alter zwischen 16 und 25 Jahre, die auf der Bühne stehen. Allen voran Melanie Wild als Wirtin. Ihr zur Seite der quirlige Kellner Fabrizio, komödiantisch gespielt von Sven Engel. Aber nicht nur der eigene Angestellte, sondern auch zwei Gäste mit wohlklingenden Namen haben ihren Blick auf die Wirtin gerichtet. So der wortgewandte, aber leider bettelarme Marchese von Albafiorita (Tobias Kleinhans). Ihm gegenüber steht der reiche Graf von Forlinpopoli (Lukas Tüg), der mit Geld nur um sich wirft. Aber auch das beeindruckt die Wirtin kaum.

Um seine beiden Gegenspieler auszustechen, engagiert Kellner Fabrizio die beiden Schauspielerinnen Dejanira (Leonora Mihajlov) und Ortensia (Sarah Weingärtner) und setzt sie auf seine Kontrahenten an. Dabei hat er seinen cleveren Plan vor ausverkauftem Haus ohne Mirandolina gemacht, denn diese interessiert sich vor allem für den Cavaliere von Rippafratta. Julian Baumstark spielt den „Weiberhasser“ mit ausladenden Gesten vorzüglich. Besonders beim Besuch von Mirandolina auf dem Zimmer des Cavaliere kann der junge Ötigheimer brillieren.

Schnell entspinnen sich verschieden Intrigen, die durch das aus verschiedenen Spinnweben angelegte Bühnenbild eindrücklich unterstrichen werden. Michael Lerner, Dagobert Dasinger und Lukas Späth zeichnen dafür verantwortlich und sorgen mit großen Aufbauten, eigens geschweißten Stühlen und Tischen sowie einer ausgefeilten Lichttechnik dafür, dass die Besucher „Die Wirtin“ mit allen Sinnen genießen können.

Passend dazu hat sich Regisseur Frank Landua bunte Kostüme ausgedacht. Diese sorgen gemeinsam mit Perücken und reichlich Farbe in den Gesichtern der jungen Schauspieler für einen unterhaltsamen Abend, der mit dem Satz Geld regiert die Welt – der Vorhang fällt endet.

Mit Die Wirtin fällt auch für Erfolgsregisseur Frank Landua der Vorhang in Ötigheim. Sein Vertrag zur Leitung des Jugendclubs und zur Inszenierung der Kinderstücke auf der Freilichtbühne wurde von den Volksschauspielen zum Ende des Monats aufgelöst. Das Publikum bedankte sich am Ende mit freundlichem Applaus bei den Darstellern. (Stephan Friedrich)

Bis Mitte Dezember ist Die Wirtin noch neun weitere Mal auf der Kleinen Bühne der Volksschauspiele Ötigheim zu sehen. Gespielt wird freitags am 14., 21. und 28. November sowie am 5. und 12. Dezember. Samstags ist Die Wirtin am 22. und 29. November sowie am 6. und 13. Dezember zu sehen. Beginn ist um 20 Uhr. Karten unter (07222) 968790 oder im Internet.

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