Badisches Tagblatt, 14. Januar 2013

Turbulente Irrungen und Wirrungen

Turbulent geht es auf der kleinen bühne zu, wenn dort Shakespeare in Hollywood des US-Autors Ken Ludwig unter der Regie von Frank Landua gespielt wird. Bei der Begrüßung zur Premiere freute sich Pfarrer Erich Penka, dass die kleine Bühne in diesem Jahr in die 50. Spielzeit geht. Mehr als je zuvor fungiert sie dabei als Nachwuchsschmiede für unsere Freilichtbühne, freut sich der Vorsitzende. Denn Shakespeare in Hollywood wird ausschließlich von jungen Akteuren gespielt, für die es teilweise der erste Bühnenauftritt ist, die aber auch schon Erfahrungen auf dem Tellplatz gesammelt haben.

Stimmig war bei der Premiere die Rollenbesetzung. So imitiert Maximilian Tüg gekonnt und souverän den Filmproduzenten Jack Warner, dem der österreichische Regisseur Max Reinhardt (bestens besetzt mit Alexander Grünbacher) sein neuestes Werk, die Verfilmung von Shakespeares Sommernachtstraum, anbietet. Die beiden kommen ins Geschäft, doch schnell ergeben sich Probleme. Die Darsteller des Oberon und des Puck fallen aus, das Projekt steht auf der Kippe. Wir gut, das sich die echten Oberon und Puck durch einen falschen Zauber Pucks auf das Filmset verirren. Das fällt anfangs gar nicht auf, führt aber bald zu chaotischen Verwicklungen auf der Bühne und bestens unterhaltenen Besuchern auf den Plätzen.

Während Johannes Tüg den Oberon mit Würde und Format spielt, ist Tina Fortenbacher der quirliege Puck. Die junge Schauspielrin setzt ihre Mimik gekonnt ein und wird schnell zum Liebling der Zuschauer. Am Ende erhält sie ebenso wie alle anderen Applaus. Zuvor aber werden die Besucher zwei Stunden lang bestens unterhalten. Beispielweise von Stephanie Kuhn, die für ihren Einstiegsmonolog als Olvia Darnel spontan Szenenapplaus erhält, oder von Johannes Kühn, der Jack Warners Assistent Daryl köstlich besetzt. Dem in nichts nach stehen auch Lukas Tüg als selbstgefälliger Produktionskodexdirektor Will Hays oder Corina Kühn als Lydia Lansing sowie Julian Baumstark als Darsteller Dick Powell.

Die Herausforderung für die Darsteller besteht vor allem aus dem gelungenen Mix aus moderner und klassischer Sprache. Denn Oberon kommuniziert im Hollywood der 1930er Jahre mit der Sprache Shakespeares, die auch in einigen Filmszenen verwendet wird. Die Akteure meistern dies gekonnt und zeigen sich auch sonst als bestens eingespieltes Team. Denn auf der Bühne wird es schnell rasant, als Oberon sich in Olivia verliebt und versucht, ihr Herz mit Hilfe einer Zauberblume zu manipulieren. Auch sein Hofnarr Puck setzt die Zauberblume gerne ein und hat seinen Spaß, als sich Männer in Frauen und Männer in Männer verlieben. Sehr zum Spaß des Publikums. (sb)

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