Badische Neueste Nachrichten, 19. Oktober 2018

Trauer um Horst Herrmann

Er war gleichsam eine Institution für die Ötigheimer Volksschauspiele und in der Gemeinde Ötigheim: Horst Herrmann ist bereits am vergangenen Samstag im Alter von 90 Jahren gestorben.
Bereits 1935 trat er den Volksschauspielen bei und übernahm im Laufe der folgenden Jahrzehnte eine Vielzahl von Rollen auf der Bühne, aber er wirkte auch als Spielleiter und Regisseur.
Der gebürtige Freiburger kam 1930 nach Ötigheim: Ich bin dort aufgewachsen im Bahnhof, sagte er einmal. Der Grund: Sein Vater war Bahnbeamter. Sein musikalisches Talent bewies Herrmann bereits im Alter von zwölf Jahren, als er in Neuenburg – der Heimatstadt seiner Mutter – die Behelfsorgel in der dortigen Pfarrkirche spielte. Nach seiner Tätigkeit als Luftwaffenhelfer 1943 in Karlsruhe und Donauwörth führte ihn der Reichsarbeitsdienst 1944 in die Slowakei, ehe er 1945 in Frankreich in Kriegsgefangenschaft geriet. Sein Abitur machte Herrmann 1947.

Danach schloss sich ein Schauspiel- und Musikstudium in Karlsruhe an, später studierte er Pädagogik in Freiburg. Er arbeitete als Lehrer, Konrektor und dann als Rektor an der Volksschule in Illingen, für die er sich in hohem Maße engagierte. Als Chorleiter organisierte er Konzerte mit dem Kinderchor der Schule, dem Kirchenchor und dem Gesangverein Rheinlust. Weitere Chöre leitete er in Baden-Baden, Gaggenau, Steinmauern und Ötigheim.

In den fünfziger Jahren zog Herrmann nach Baden-Baden und arbeitete dort an Schulen in Lichtental, Geroldsau und Baden-Oos. Dort bemühte er sich immer wieder um Verbesserungen, setzte sich für den Musikunterricht an Hauptschulen ein, ebenso wie für den Austausch zwischen deutschen und französischen Lehrkräften. Außerdem leitete er die Pädagogische Arbeitsgemeinschaft Baden-Baden.

Seit jeher zeichnete Herrmann seine große Liebe zum Theater aus – und er hinterließ auf der Freilichtbühne viele unvergessliche Eindrücke – etwa in der Titelrolle des Götz von Berlichingen. 13 Jahre lang prägte er als Vorsitzender des künstlerischen Ausschusses der Volksschauspiele das Geschehen auf der Freilichtbühne. Neben dem Bundesverdienstkreuz, das er 2008 erhielt, durfte Herrmann die Landesehrennadel, die Josef-Saier-Medaille sowie die Ehrenmedaille der Gemeinde Ötigheim und der Stadt Baden-Baden in Empfang nehmen, wo er 50 Jahre lebte, ehe er 2001 wieder nach Ötigheim zog.

Der frühere Baden-Badener Bürgermeister Kurt Liebenstein hat Herrmanns Schauspielkunst einst mit den Worten beschrieben: Er hat immer das pralle, übervolle Leben verkörpert und Freude bereitet. (Stefan Maue)

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