Badisches Tagblatt, 20. Juni 2018

Als Shir Khan zeigt er, wo der Hammer hängt

Shir Khan, der wilde Tiger ohne Gewissen, treibt im Kinderstück Dschungelbuch – Das Musical in Gestalt von Tobias Kleinhans sein Unwesen. Der 27-Jährige spielt nach eigener Aussage solche ausgefallenen Rollen sehr gern.

Kleinhans probiert sich als Jungmime bei den Volksschauspielen in Parts diversester Art aus. Sein einziges und großes Hobby ist das Ötigheimer Amateurtheater. Als Shir Khan ist er auf dem Tellplatz erstmals bitterböse. Innerhalb der ersten drei Spielminuten zeigt der Menschenjäger dem jungen Publikum, wo der Hammer hängt. Wenn er durch den Zuschauerraum hetzt, halten die Kinder den Atem an. Der Respekt vor Shir Khan ist groß bei den Kleinen.

Komplett gegen sich hat Kleinhans die Jungschar nach dem Kampf mit Balu, denn der gutmütige Schmusebär unterliegt in der Konfrontation. Trotzdem spiele ich Shir Khan fast lieber als Abraxas, denn der Reiz liegt in der Vielschichtigkeit des Bösewichts, sagt Kleinhans, der hauptberuflich ebenfalls kreativ unterwegs ist. Er arbeitet als Raumausstatter. Abraxas hat mir am meisten Spaß gemacht, weil die Geschichte mit Zeitsprüngen und Szenen zu unterschiedlichen Jahreszeiten für viel Variation sorgt. Der tierische Freund der Kleinen Hexe (2015 und 2016) verlangte von Kleinhans, sich allein über die Stimme und Bewegung des Körpers auszudrücken, denn ein großer Rabenschnabel bedeckte das Gesicht des Spielers vollständig.

Viel Zeit investierte Regisseur Matthias Götz, um mit dem Darsteller intensiv zu erarbeiten, wie man mit dem gesamten Körper spricht, erzählt Kleinhans. Das war sehr spannend. Die Kinder waren begeistert von dem weisen Raben, der während einer längeren Szene vom Zuschauerraum aus agierte.

Mit viel Dynamik war Kleinhans jüngst auf der Kleinen Bühne als stressgeplagter Max in der Komödie Otello darf nicht platzen zu sehen. Im Frühjahr 2016 durchlitt er als Der Schüler Gerber in der Titelrolle des Psychothrillers qualvolles Mobbing. Jederzeit wieder würde er einen ähnlichen Part übernehmen.

Der aus Ottersdorf stammende Amateurschauspieler gehört seit 15 Jahren zu den VSÖ. In der Grundschule machte ihm ein Mitschüler riesigen Appetit auf die Freilichtbühne. Kleinhans‘ Ziel: Da will ich hin! Nach drei Jahren in der Statisterie und kleineren Sprechrollen stieß er zum Jungen Chor, spielte 2011 einen Apostel (Jesus Christ Superstar) und zwei Jahre später den Miniaturmaler Adelmus in Der Name der Rose. In der Wiederaufnahme ist er als Sprachgenie Salvatore besetzt. Ich bin innerhalb des Stücks aufgestiegen, lacht Kleinhans.

Welche Parts ihn künftig erwarten, weiß er nicht, aber: Jede Rolle hat ihren Reiz; ich bin für alles offen. Dennoch hat er eine Traumrolle, den wortgewandten Draufgänger Mercutio in Romeo und Julia. In der Theater-AG am Rastatter Tulla-Gymnasium spielte er ihn, jedoch mit Textstreichungen seitens der Regie. Leider fiel der beste Text weg, bedauert Kleinhans.

Hinter den VSÖ-Kulissen engagiert sich der junge Mann in der Vereinsleitung. Nach zwei Amtszeiten im Jugendbeirat gehört er seit 2017 zu der Abteilung Spielbetrieb, ist mitverantwortlich dafür, dass alles rund läuft vor, während und nach den Proben und vor allem bei den Aufführungen. (Manuela Behrendt)

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