Badische Neueste Nachrichten, 15. Juli 2014

Tierszenen immer wieder ein Hingucker

Heidi sitzt vor der Almhütte ihres Großvaters und schnitzt einen Löffel, keinen gewöhnlichen, davon hat die Großmutter genug. Einen Zauberlöffel schnitzt sie, damit die Großmutter Löffel für Löffel ein Stück von meinem Glück löffeln kann, erklärt Heidi ihrem verdutzt dreinblickenden Großvater. Am Sonntag wurde das Kinder-Erfolgsstück des vergangenen Jahres vor fast ausverkauften Rängen wieder aufgenommen und es begeisterte Jung und Alt gleichermaßen.

Musik und Tanzszenen, der Spielzeit angepasste Kostüme, liebenswerte Schauspieler, Humor und Naturszenen – die bewährte Mischung bei den Volksschauspielen griff auch in diesem Jahr und die konzentrierte Spielfreude der vielen Akteure tat sein übriges, um einen kurzweiligen und für Kinder verständlichen Nachmittag zu garantieren. Regisseur Frank Landua, auch für die Kostüme verantwortlich, die treffend den jeweiligen Spielort anzeigten, hat eine klare Linie für dieses Stück geschaffen mit der Heidi im Mittelpunkt.

Wer das Kinderbuch von Johanna Spyri kennt, findet sich ganz leicht zurecht, aber auch für alle anderen ist es einfach zu folgen. Nicht nur die zentrale Figur macht das möglich, auch die prägnante Skizzierung der übrigen Akteure und die klare Linienführung bei der Szenenabfolge.

Ertönt das Alphorn, wissen auch schon die Kleinsten, dass sie in Richtung Schule schauen müssen, aus der der Dorflehrer (Stefan Pikora) leicht verschusselt tritt, um sein Lied von der Morgenstund´ hat Gold im Mund anzustimmen. Die Besetzung der Heidi mit Lucy Schindele ist tatsächlich ein Glücksgriff, verzaubert sie doch mit ihrer unbekümmerten geraden Art nicht nur die Bewohner im Schweizer Dörfli, allen voran den Geißen-Peter (Yannick Friedrich), sondern auch die herrschaftliche Familie Sesemann, zu der sie als Spielgefährtin für die Tochter Klara (Talia Kelterer) kommt. Ein besonderes Lob für ihr exaltiertes Spiel geht auch an das Fräulein Rottenmeier, die Hausdame (Anna Hug) und an das Dienerpaar Tinette (Tina Fortenbacher) und Sebastian (Paul Kühn). Er ist nur zur Base Dete (Isabel Beckert) knorrig, der Großvater, Heidi hat sein Herz im Sturm gewonnen und verwandelt den Alp-Öhi (Hans-Peter Mauterer) zu einem fürsorglichen Zeitgenossen.

Gelungen die Choreografie beispielsweise, um das für Heidi beängstigende Menschengewühle in Frankfurt deutlich zu machen. Dieses Strömen auf der großen Freitreppe, ein gelungener Kunstgriff. Immer wieder Hingucker sind die Tierszenen: Das Kuhgespann, das morgens durchs Dörfli rumpelt ebenso wie die Ziegen, die von den Dorfkindern dem Geißen-General, wie der Großvater den Peter nennt, übergeben werden oder die großstädtische Pferdekutsche und der Falke, der als Adler ganz knapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg streicht.

Das Glück gehört dem Mutigen, in dem Fall den Akteuren: So öffnete der Himmel auch prompt zur Pause seine Schleusen und schloss sie zu Beginn des zweiten Teils wieder. Und beim Hinausgehen strahlten glückliche Kinderaugen, summten selbst die Kleinsten die Melodien von Markus Kapp (Musik) mit, die der Kinderchor und die Schauspieler zum Mitsingen intonierten. (Martina Holbein)

zurück zum Pressespiegel