Badisches Tagblatt, 10. Juli 2017

Tierische Abenteuer mit Herz und Verstand

Mit einer begeisternden Premiere haben die Volksschauspiele Ötigheim ihr neues Kindermusical Dschungelbuch in der ausverkauften Freilichtbühne präsentiert. Nicht nur so manchem erwachsenen Besucher kullert nach gut zwei Stunden eine Träne aus dem Auge, als Mogli (Colin Kraft), sich von seinen tierischen Freunden aus dem Dschungel verabschiedet, um fortan wieder bei den Menschen zu leben. Mogli, der als Baby von einer Wolfsfamilie aufgenommen wird und dann von seinen Freunden, dem Panther Baghira (Alexander Grünbacher) und dem Bär Balu (Maximilian Tüg) durch so manche Abenteuer im Dschungel begleitet wird.

Da gilt es mitzufiebern, wenn die zischende Pythonschlange Kaa (Ulrike Karius) Mogli hypnotisiert und ihn in ihre Fänge bekommt, oder wenn der Tiger Shir Khan (Tobias Kleinhans) Mogli mal wieder zu nahekommt. Regisseur Fritz Müller ist es gelungen ein kurzweiliges, abwechslungsreiches Stück auf die Bühne zu bringen, bei dem die Volksschauspiele ihre traditionellen Stärken voll ausspielen. So wird die komplette Bühne bespielt, die Kindertanzgruppen der Volksschauspiele unter der Leitung von Julia Krug haben gleich mehrere Auftritte, und der Kinderchor (Leitung: Maria Bagger) ist immer wieder zu hören und zu sehen.

Schon der Anfang des Musicals ist mehr als gelungen, als die Akteure durch die Zuschauerreihen auf die Bühne marschieren. Die aufwendigen Kostüme von Sibylle Schulze begeistern. Bei Affen, Schmetterlingen, Krokodilen, Wölfen, Fröschen, Bienen und vielen weiteren Tieren verzichten die Volksschauspiele auf Masken und setzen auf aufwendige Schminke. Kein leichtes Unterfangen bei hochsommerlichen Temperaruten, so dass die Maskenbildner hinter der Bühne einiges zu tun haben.

Begeisternd sind einige kleine Einfälle von Regisseur Fritz Müller. So zaubert die Pythonschlange Kaa ihren Körper aus einem Trolli-Koffer, während die Elefantenkompanie unter der Leitung von Oberst Hathi (Kurt Tüg) mit ihren Schwänzen wedeln kann.

Große und kleine Zuschauer verfolgen gebannt, wie Mogli sich im Dschungel zu Recht findet. Baghira und Balu retten ihn aus den Fängen von Kaa und müssen wenig später feststellen, dass er vom Affenkönig King Louie (Paul Hug) und seiner wilden Affenbande entführt wird.

Da quiekt es auf der Bühne und die Zuschauer sind begeistert, als die Affen tanzen und sich mit Bananen bewerfen. Denn auch wenn die Affen nach eigenem Bekunden das wunderbarste Volk des Dschungels sind, will King Louie sich doch nur einen Wunsch erfüllen: ein eigenes Smartphone. Dies dürfte so wohl nicht im Originalroman von Rudyard Kipling gestanden haben, an den sich Autor und Songtexter Markus Weber sonst recht genau hält.

Begeistern können die tierischen Darsteller auch bei den verschiedenen Liedern. Egal ob Solo oder im Duett: Ihre Stimmen entfalten Alexander Grünbacher, Maximilian Tüg, Ulrike Karius, Paul Hug, Kurt Tüg und Tobias Kleinhans voll. So auch, als die Elefantenhorde mit militärischer Disziplin über die Bühne stampft oder Kaa versucht, Mogli noch einmal zu hypnotisieren. Das gelingt freilich nicht, denn Baghira und Balu erweisen sich als tapfere Schutzengel, die so schnell das Herz der jungen Zuschauer erobern. Balu kämpft gegen Shir Khan, Mogli hält den Tiger mit der roten Blume des Feuers in Schach und wird viel zu schnell erwachsen.

Emotional verabschiedet er sich von all seinen tierischen Freunden, winkt ihnen noch ein letztes Mal zu, um sich dann durch die Zuschauerreihen gehend vom Dschungel auf in Richtung Menschen macht. Ein wunderbares Abschlussbild, das in den begeisternden Applaus der Besucher übergeht. Die Darsteller werden zu Recht mit stehenden Ovationen bedacht. (Stefan Friedrich)

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