Badische Neueste Nachrichten, 1. April 2015

Beim Tellplatz ist es wie verhext

Montagabend auf dem Tellplatz: Die letzten Sonnenstrahlen des Tages blinzeln aus dicken Wolken hervor und tauchen den neu errichteten Tempelberg mit dem runderneuerten Gebirge in ein magisches Licht. Die Dämmerung setzt ein. Ein kühler Wind weht den rund 20, in wetterfeste Alltagsklamotten eingepackten Hexen um die Nase, als sie sich zum großen Hexenrat versammeln und zweieinhalb Stunden lang über das Areal der Naturbühne wirbeln. Ein Gewitter zieht auf, allerdings nur ein herbei gehextes mit Kugelblitz – und das gehört zum Schauspiel Die kleine Hexe von Otfried Preußler. Im Theatersommer 2015 wird das Stück unter der Regie von Matthias Götz erstmals auf Deutschlands größter Freilichtbühne zu erleben sein.

Dargeboten von einem Ensemble aus 40 Rollenträgern und rund 50 Statisten. Darunter auch Bühnenhund Lucy und der echte Ochse Korbinian, nachdem noch immer gesucht wird. Ebenfalls eingebunden sind das Kinderballett und der Kinderchor. Premiere ist am 11. Juli. Schon im Jahr 2000 hatte Götz Die kleine Hexe für die Kleine Bühne inszeniert, sie war meine erste Regie bei den Volksschauspielen. Schon damals ist die Idee gereift, sie auch auf die große Bühne zu bringen, berichtet der Regisseur, für den es sich um seine zweite Regiearbeit auf der Freilichtbühne handelt. Die Besucher erwarte eine quirlige und farbenfrohe Inszenierung für die ganze Familie.

Ein erster Vorgeschmack am Montagabend: Alle Hexendarsteller sind dabei. Auch Tobias Kleinhans, der den Raben Abraxas spielt, arbeitet an seiner Rolle – allerdings noch ohne den großen Schnabel, der in der Aufführung sein Gesicht verdecken wird. Unter den wachsamen Augen des Regisseurs, dem nichts entgeht, liefern sich Sumpf-, Wind-, Wetter-, Kräuter- und Rollatorhexen ein stürmisches Stelldichein. Du musst ängstlicher schauen, sagt er zu der kleinen Hexe (Isabell Beckert), die sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal mit den anderen Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg zu tanzen.

Ihr dort, schaut grimmiger und steht nicht rum wie aufgereiht, ermahnt Götz eine Gruppe großer Hexen, die die kleine Hexe nicht ernstnehmen, weil die doch erst 127 Jahre alt ist. Erst, wenn sie beweisen kann, dass sie trotz ihrer Jugend eine gute Hexe ist, darf sie künftig am großen Hexentanz teilnehmen. Der Regisseur unterbricht oft, gibt immer wieder neue Anweisungen. Es wird auch viel gelacht. Alle sind mit Spaß bei der Sache. Nach dem Probenbeginn mit Einzelproben Mitte Januar folgte am 13. März die erste Probe auf dem Tellplatz; die erste Hauptprobe wird am 2. Juli sein, die Generalprobe ist am 9. Juli, berichtet Götz von insgesamt wohl 50 Proben, was in Stunden ausgedrückt so um die 100 wären.

Der Beginn im Januar sei bewusst gewählt worden, um den späteren Probenbeginn für das Hauptstück Die Passion zu nutzen. Wenn das Passionsteam am Ostermontag mit den szenischen Proben beginnt, steht mir die Bühne nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung. Da wir für die kleine Hexe schon rund die Hälfte der benötigten Proben absolviert haben, können wir es im April und Mai etwas lockerer angehen lassen, um dann nach der Premiere der Passion Mitte Juni wieder Vollgas zu geben. Bereits Vollgas gegeben wurde bei den Kostümen. Die sind fast fertig, auch Kostümanproben gab es schon. Neben neuen Kostümen recyceln wir auch viele aus unserem Fundus, berichtet Götz, dass Ulrike Weßbecher, die im Stück die Wetterhexe Rumpumpel spielt, das Kostümbild entworfen habe. Vor allem bei den Hexen war da sehr viel Kreativität gefragt. Für Ulrike ist es neben Aufgaben in der Kleinen Bühne die erste Kostümverantwortung auf der Freilichtbühne.

Um das Bühnenbild kümmert sich Bettina Scholzen. Für fliegende Besen, Bücher und eine tatsächlich fliegende Hexe, plötzlich erblühende Blumen, sprudelnde und sprühende Wasser- und Feuerfontänen und eine Schneelandschaft mitten im Sommer sorgt die Technikabteilung unter der Leitung von Michael Lerner. (Ralf Joachim Kraft)

zurück zum Pressespiegel