Badische Neueste Nachrichten, 12. Oktober 2015

Freilichtbühnen kämpfen gegen Sozialkasse

Die Künstlersozialkasse und die Frequenzverordnung sind und bleiben die Dauerbrenner bei den Tagungen des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen (VDF), Region Süd. So war das auch am Wochenende, als der Verband erneut bei den Volksschauspielen Ötigheim zu Gast war. Rund 120 Repräsentanten von 22 Freilichtbühnen aus fünf Bundesländern, darunter viele junge Leute, versammelten sich von Freitag bis Sonntag auf der Freilichtbühne, im Tellplatz-Casino und an den bekannten Probe-Stätten im Ort zur 41. Arbeits- und Jahrestagung des VDF – Region Süd. Die Organisation der Tagung samt Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Workshops lag in Händen der Volksschauspiel-Verwaltung und ihres Mitarbeiterstabes.
Der Freitagabend stand im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens und des Erfahrungsaustauschs der Vereinsvorstände- und Funktionäre. Gleichzeitig starteten drei Workshops in den Bereichen Tanz, Bühnenbau und -technik und Sprachschulung. Am Samstag informierten ein Vertreter der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) und ein Fachanwalt über Versicherungen. Gegen Abend traf sich der Arbeitskreis Freilichtbühne aktuell. Themen bei der dreistündigen Jahrestagung unter der Leitung des VDF Süd-Vorsitzenden Wolfgang Schiffelholz waren am Sonntag unter anderem die Künstlersozialkasse (KSK), eine Sozialversicherung für freiberuflich tätige Künstler, und die Frequenzverordnung im Zusammenhang mit Frequenzen, die von Freilichtbühnen für ihre drahtlosen Übertragungsanlagen genutzt werden. Zum Thema KSK teilte Schiffelholz mit, dass die Kasse der Ansicht sei, dass Mitwirkende an Freilichtbühnen Abgaben zu zahlen hätten und Honorare für extern Lehrende im Bereich der darstellenden Kunst der Abgabepflicht unterliegen. Ötigheim habe gegen den Bescheid Widerspruch eingelegt. Die Klage gegen die KSK sei erfolgreich gewesen, eine Erklärung der KSK-Verwaltung hierzu gab es nicht, sagte der Vorsitzende, der wie die Vertreter der angeschlossenen Freilichtbühnen der Ansicht ist, dass es keinen Sinn ergebe, im Ehrenamt KSK-Abgaben zu erheben und die Spieler ohne einen für sie erkennbaren Nutzen zur Kasse zu bitten. Mittlerweile sei eine sogenannte Ausgleichsvereinigung beim Bund Deutscher Amateurtheater gegründet worden, der sich 37 Bühnen angeschlossen hätten. Zum Thema Frequenzzuteilung teilte der Verbandsvorsitzende mit, dass die Bundesnetzagentur im Frühjahr wieder Frequenzen versteigert habe. Dies hat langfristig zur Folge, dass die Frequenzen der Mikrofonanlagen der Bühnen nicht mehr benutzt werden dürfen – was wieder neue Investitionen nach sich zieht.
Ein voller Erfolg war nach Aussage des geschäftsführenden Vorstands der Volksschauspiele Ötigheim, Werner Sachsenmaier, das Jugendcamp 2015 in Ötigheim. Für ihre langjährige Mitarbeit und ihre Verdienste mit der Goldenen Ehrennadel mit Diamant, der höchsten Auszeichnung des Verbandes, bedacht wurden Ludwig Hofmann und Jürgen Krämer von der Freilichtbühne Neuenstadt. (Ralf Joachim Kraft)

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