Badisches Tagblatt, 18. August 2016

Stepptanz vertreibt Dämonen

I keep on dancing and dancing and there is only the dance, spricht die tiefe, dunkle Stimme von Christopher Lee. Der verstorbene Kult-Schauspieler fungiert bei der Stepptanz-Show Magic of the Dance als Erzähler aus dem Off. Passenderweise erinnern auch die Landschaftsbilder auf den beiden Screens neben der Bühne an das Auenland, dessen Frieden Lee bekanntermaßen als Hauptdarsteller im Film Herr der Ringe so eindrucksvoll bedrohte. Aber die grünen Hügel symbolisieren natürlich Irland, von wo aus sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele von der großen Hungersnot geplagte Menschen auf große Reise begaben, um in Amerika ein besseres Leben zu finden.

Fröhliche Gruppentanzszenen in samtgrünen Kostümen erzeugen mit keltischer Tradition in Form von Knotensymbolen und Whistle-Sound eine mystische Stimmung, die perfekt aufeinander abgestimmten Choreografien der Tänzer lassen viele Zuschauer den Atem anhalten.

Wahnsinn, seufzt es immer wieder auf den Rängen des mit 1900 Zuschauern nur zur Hälfte gefüllten Auditoriums der Freilichtbühne. Den naturgemäß relativ starren Ausdruck des Stepptanzes durchbrechen die Top-Tänzer der Produktion – im aktuellen Ensemble sind mehrere Irish-Dance-Weltmeister mit dabei – durch irrwitzig schnelle und komplexe Schrittfolgen, gepaart mit ganz viel Charisma.

Da kann Hauptdarsteller Ciaran Maguire noch so rasant mit ausgebreiteten Armen über die Bühne klackern, das strahlende Lächeln weicht nie aus seinem Gesicht. Ein bisschen anders sieht das bei seiner Tanzpartnerin Colette Dunne aus, die auch im echten Leben seine Frau ist. Ihr Part ist deutlich eingekürzt und bei den schnelleren Einlagen wirkt sie etwas angestrengt. Kein wunder, sie ist sichtlich schwanger, und dies ist bis auf Weiteres ihr Abschiedsauftritt.

Seit 1999 tanzt die Irin in Magic of the Dance, sie war also von Beginn an mit dabei. Doch bevor es in die Babypause geht, müssen sie und Ciaran Maguire auf der Bühne noch einmal jede Menge Angst und Schrecken durchstehen. Sie werden nämlich laut Handlung kurz nach ihrem Kennenlernen auf dem Abschiedsfest vor der Überseereise von bösen Mächten wieder voneinander getrennt, ihr Schicksal ist eine ganze Weile ungewiss.

Im Kampf gegen die irischen Dämonen Leid und Armut, dargestellt von schwarz gekleideten Tänzern, stellen sich die beiden – ganz in Weiß – dramatischen Stepp-Duellen. Das Auge kann an vielen Stellen gar nicht so schnell folgen, wie sich die Füße der Stepper bewegen. Untermalt wird die Hitze des Tanzes von Pyrotechnik in allen Facetten: Wenn Fackelträger in Kutten sternförmig durch die Ränge schreiten, Rauchschwaden durchs Bild wabern und Feuerschalen lodern, fühlt man sich in ein früheres Jahrhundert versetzt.

Als krassen Bruch dazu, aber auch logische Weiterführung, präsentiert der amerikanische Teil der Tänzer eine Szene im New Yorker Cotton Club, bei der auch Frank Sinatra und sein Rat Pack eine Rolle spielen. Der Auftritt der Iren in ihrer neuen Heimat bleibt auch nicht ganz ohne Konflikte, die sich allerdings in Form von temporeichen Stepp-Battles wesentlich humorvoller gestalten. Das Publikum wird vom ersten Augenblick an durch Klatschen und Singen mit einbezogen, die drei Zuschauer Jürgen, Martin und Dieter schlagen sich bei spontanen Gastauftritten tapfer.

Das Konzept der Show, perfekte Körperbeherrschung mit großen Effekten und viel Interaktion zu kombinieren, hat weltweit schon Millionen Menschen angelockt und ist wohl auch in Ötigheim wieder aufgegangen. (Nina Setzler)

zurück zum Pressespiegel