Badisches Tagblatt, 6. Mai 2018

Stelzenlauf und Feuerspucken

Wie groß Winni Engber bei seinem Auftritt in Der Vogelhändler auf der Bühne der Volksschauspiele Ötigheim sein wird, weiß er noch nicht. Er gehört zur Gauklertruppe, die in einer Szene einen Auftritt hat. Dafür muss der 39-Jährige höhenverstellbare Stelzen anschnallen. Und auch Feuerspucken gehört auf der Bühne zu seinen Aufgaben.

Insgesamt bilden zwischen fünf und sechs Erwachsene und acht bis neun Kinder die Gauklertruppe, einige von ihnen haben bereits vergangenes Jahr beim Stück Luther erste Erfahrungen gesammelt. Denn auch da gab es Gaukler.

Rund zehn Minuten stehen die Mimen dieses Jahr beim Vogelhändler auf der Bühne. Aber nicht im Mittelpunkt, verdeutlicht Engber. Die Gauklertruppe soll für Jahrmarktatmosphäre sorgen. Da wird auf Händen gelaufen, eine Pyramide gebildet, Hula-Hoop getanzt, und einen starken Mann mit großer Hantel gibt es ebenso zu sehen. Jeder führt vor, was er kann – und am besten alle gleichzeitig und in bunten Kostümen.

Engber, der normalerweise bei den Volksschauspielen für die Kampf-Choreografien zuständig ist, hat sich dieses Jahr bereiterklärt, den Stelzenläufer zu geben. Das ist das erste Mal, dass ich auf Stelzen laufe, betont der 39-Jährige. Doch es klappe ganz gut, geübt wird im Hof seines Hauses. Feuer spuckt er hingegen schon seit Jahren. Das muss ich nicht üben, da ich das immer wieder mal mache. Auf Mittelaltermärkten zum Beispiel. Er nimmt dafür aber kein giftiges Fluid in den Mund. Atmet man das falsch ein, so kann es unter anderem zu einer Lungenembolie führen. Stattdessen hat Engber Bärlappsporen im Mund, das sind Sporen von Pflanzen, fein wie Mehl. Diese pustet er über eine Fackel hinweg. Das ist weniger gefährlich, verdeutlicht der 39-Jährige.

Spannend wird es für ihn eher, wenn er das erste Mal mit den Stelzen auf der Bühne unterwegs ist. Dort ist der Untergrund nämlich sandig. Geübt hat er bisher allerdings nur im gepflasterten Hof. Alles, was er zum Training braucht, sind eine Leiter, um die Stelzen anzuschnallen und einen langen Stock, um sich abstützen zu können, falls er das Gleichgewicht verliert.

Auf der Bühne liegt die Herausforderung außerdem darin, sich gegenseitig nicht in die Quere zu kommen. Es muss klar sein, wer welchen Raum belegt, hebt Engber hervor. Zudem muss er mit dem Feuer aufpassen, denn auch Tiere wie Pferde befinden sich auf der Bühne. Damit jede Bewegung sitzt, wird ein- bis zweimal pro Woche geprobt.

Die Stelzen, die Engber an Füßen und unterm Knie an sein Bein schnallt, wird man bei der Aufführung übrigens nicht sehen. Da kommt eine lange Hose drüber, berichtet er. Welches Kostüm, das weiß er noch nicht. Entweder ein Harlekin wegen der Stelzen. Oder Ali Baba wegen des Feuerspuckens. Und auch mit der Größe kann Engber variieren. Momentan sind die Stelzen 60 Zentimeter hoch. Doch es geht noch größer. 40 Zentimeter Luft nach oben hat er noch.

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