Badisches Tagblatt, 20. Juli 2020

Volksschauspiele starten Spendenkampagne

Die Saison auf der Freilichtbühne fällt coronabedingt aus, das trifft die Volksschauspiele Ötigheim finanziell hart. Mit einer großen Spendenkampagne will der Verein nun gegensteuern.

Mit einem Spendenaufruf ergreifen die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) jetzt die Initiative, um das Minus infolge der coronabedingten Saisonabsage abzumildern. In den MÖBS-Gemeinden Muggensturm, Ötigheim, Bietigheim und Steinmauern wurden 30.000 Flyer verteilt (…).

Den musikalischen Hintergrund des zweieinhalbminütigen Filmchens bildet eine sanfte Melodie mit einem Hauch Schwermut. Vier Protagonisten des über 110 Jahre alten Theatervereins tragen den Clip. Mit unbewegten Mienen stellen sie faktisch die Situation der Volksschauspiele dar. Geschäftsführer Maximilian Tüg steht vor dem riesigen, leeren Zuschauerraum und nennt das Defizit von 750.000 Euro, das durch die Verschiebung von drei Eigenproduktionen und sieben Gastspielen ein Loch in die VSÖ-Kasse riss, das man aus eigener Kraft nicht zu stopfen vermag.

Martin Kühn schreitet an der kahlen Freitreppe vorbei, informiert über die mehr als 600 ehrenamtlich Aktiven, die in den Sommermonaten Deutschlands größte Freilichtbühne mit Leben erfüllen und mit viel Herzblut Theater zu einem besonderen Gemeinschaftsereignis machen. (…)

Christina Heck streift durch die Reihen des verwaisten Auditoriums, ist die Stimme für die festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit, die die Situation besonders hart trifft. Naya Patzelt repräsentiert die rund 300 Kinder und Jugendlichen aus der Region, die sich bei den VSÖ in künstlerischer Ausbildung befinden (Jugendorchester, Kinder- und Jugendchor, Ballett). Es gibt keinerlei Einnahmen, die beispielsweise den Schulungsbetrieb finanzieren könnten.

Bislang erhielt der Theaterverein 30.000 Euro Soforthilfe vom Land. Von der Josef-Saier-Stiftung (JSS) fließen voraussichtlich 20000 Euro. Auch der Bund, der Landkreis und die Gemeinde Ötigheim stellten Gelder in Aussicht. Die Gemeinde hat zudem eine Bürgschaft über 1,02 Millionen Euro übernommen.

Keine Hilfe ist von der Erzdiözese Freiburg zu erwarten. Obwohl an der Spitze der von Pfarrer Josef Saier gegründeten VSÖ seit Bestehen ein Geistlicher steht und der Theaterverein bis heute Saiers Vorgaben erfüllt und stets Stücke im Spielplan hat, die christliche Werte vermitteln, sieht sich das Bistum außerstande, nicht-kirchliche Einrichtungen finanziell zu stützen, heißt es aus Freiburg. (…)

Das ist eine herbe Enttäuschung für die VSÖ, die den religiösen Hintergrund ihres Gründervaters bewusst hochhalten. Dennoch will man trotz schwieriger Lage den Kopf nicht in den Sand stecken. So heißt es in dem Clip: Wir, das sind aber auch Sie, unser Publikum; wir lieben, was wir tun, weil Sie lieben, was wir tun. Der Verein hofft auf Spenden, sucht aber auch langfristige Förderer und Sponsoren. (Manuela Behrendt)

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