Badische Neueste Nachrichten, 17. August 2017

Spektakulär und brillant

Die Freiburger Orchestra und Chorus Society, kurz ORSO, ist ein gern gesehener Gast bei den Volksschauspielen Ötigheim. Mit ihrer Rock Symphony Night begeistern sie seit 2012 die Zuhörer im Telldorf und darüber hinaus. Jetzt erlebte ihr Publikum ORSO von einer ganz neuen Seite: Neben dem Rock Symphony Orchestra gehört auch das ORSOphilharmonic zum ORSO-Projekt und trat schon mehrmals mit interessanten klassischen Programmen hervor. Für Ötigheim indes bedeutete der Auftritt eine Premiere. Wohl deswegen blieben im Auditorium merkliche Lücken.

Mit Verdis Requiem, Respighis Pinien von Rom und Auszügen aus der Filmmusik zu Ben Hur standen sowohl spektakuläre wie auch anspruchsvolle Werke auf dem Programm. Besonders bemerkenswert war, dass Dirigent Wolfgang Roese darauf verzichtete, die Messe massenkompatibel umzuarbeiten, und eine stilistisch unanfechtbare Interpretation vorlegte. Das semiprofessionelle Orchester spielte aus einem Guss und gefiel mit exzellenten Solostimmen. Auch der eindrucksvoll klangmächtige Chor trug zum großen Erfolg bei.

Etwas mehr Sorgfalt hätte man sich jedoch bei den Solisten gewünscht. Einzig die Sopranistin Fenna Ograjensek überzeugte wirklich (wunderbares Libera Me). Die Altistin Anja Jung dagegen irritierte trotz beeindruckender Passagen durch eine quasi dreigeteilte Stimme, deren Teile nur selten zusammenfanden, Duccio dal Montes mächtiger Bass klingt inzwischen recht hohl und Max Prodinger zeigte sich mit engem Tenor gänzlich überfordert.

Ottorino Respighis berühmte Tondichtung I Pini di Roma brilliert mit faszinierenden Orchesterfarben und mächtigen Klangballungen, ORSOphilharmonic blieb diesen Anforderungen nichts schuldig und hielt dem Vergleich mit der Staatskapelle stand. Wie nah verwandt die sinfonische Filmmusik der 50er und 60er Jahre mit der klassischen Musik ist, hätte man kaum überzeugender demonstrieren können als mit den vier Auszügen aus Miklós Rózsas Score zu Ben Hur. Das waren Tongemälde vom Feinsten, ganz konventionell noch in der Ouvertüre und im Alleluia, kraftvoll, modern und fast schon avantgardistisch im Rudern der Galeerensklaven und mit faszinierenden Klangvaleurs im Miracle und Finale. Die Darbietung war ein wunderbares Plädoyer für die großen Meister der Filmmusik und die beste Werbung für das Konzert im kommenden Jahr, einer Galanacht der Filmmusik. (Manfred Kraft)

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