Badisches Tagblatt, 24. Juli 2018

Spannender Mittelalterkrimi mit vielen Details

Rebekka Stanzels Inszenierung von Umberto Ecos Roman Der Name der Rose war 2013 das erfolgreichste Abendstück seit Bestehen der Volksschauspiele Ötigheim mit einer Auslastung von 91 Prozent. Jetzt kommt der spannende Krimi erneut auf den Tellplatz. Premiere der Wiederaufnahme ist am Freitag, 3. August, um 20 Uhr.

Für Stanzel, die im vergangenen Sommer Luther auf die Freilichtbühne gebracht hat, war ihre Ötigheimer Rose die erste Arbeit dieser Größenordnung in Bezug auf Bühnenumfang sowie Anzahl der Akteure und daher für die junge Spielleiterin ein Mordsausweis. In Verbindung mit dem Herzblut der Amateure sieht Stanzel die Wiederaufnahme als schöne Bestätigung ihrer Inszenierung, macht sich aber nichts vor, denn auch in einem wiederkehrenden Stück stecke viel Arbeit. Sie sagt: Das wird echt eine Nummer. Da die Operette Der Vogelhändler viel Kapazität binde, begann Stanzel bereits im Februar mit den Proben im Freien. Vieles konnten die Akteure von damals rekonstruieren. Der Blick auf eine Filmaufnahme half für den Statisterieablauf. Dokumentationen der Regieassistenz sowie von etlichen Spielern unterstützten beim Erinnern.

Für Stanzel war es zunächst wichtig, meine Gedankengänge für das Stück wiederzufinden. Ihr Hauptaugenmerk legt sie neben der Wiederbelebung ihrer Erfolgsinszenierung auf Feinheiten. Es ist ein sehr detailreiches Stück mit vielen Nebenhandlungen, erklärt sie. Einige Szenen sind an die neue Gebäudeoptik anzupassen, denn aus der Kathedrale von 2013 wurde inzwischen eine mittelalterliche Burg mit Rundtürmen.

Komplett umstricken will Stanzel ihre Rose nicht, obwohl kein Regisseur jemals mit einem Stück wirklich fertig ist, lacht sie. Für neue Ideen und Änderungen fehle in dieser Saison schlichtweg die Zeit, da manche Akteure mehrgleisig unterwegs sind. Auf Grund dieser Vielschichtigkeit laufe die Probenarbeit schwankend gut, denn manchmal falle es den Amateuren schwer, vor der Probe auf die richtige Spannung und die erforderliche Konzentration zu kommen. Mit den Rollenträgern von 2013 weckt Stanzel Altbekanntes wieder auf. Herzaubern lässt sich das alles nach fünf Jahren nicht so einfach, aber die Akteure erarbeiten sich die Szenen gemeinsam. Ganz neu ran muss eine Handvoll von umbesetzten Darstellern. In den Hauptrollen sind erneut Fritz Müller (William von Baskerville) und Alexander Grünbacher (Adson von Melk) zu sehen. Den Widerpart des päpstlichen Inquisitors Bernard Gui gibt Matthias Götz. Stanzel sieht bei Grünbacher eine schauspielerische Entwicklung: Er bringt neue Aspekte mit ein. Doch zwinge ihn die Figur des jungen Novizen zur Zurückhaltung. Götz hingegen gelinge in der Wiederaufnahme ein fein ausgespielter Sadismus. Die Profifrau freut sich, dass es der Amateur zulasse, diese schwarze Seite des menschlichen Egos auszuleben. Dazu gehöre viel Mut, sagt sie.

Martin Kühn ist als blinder Jorge von Burgos dabei. Sein Sohn David spielt Benno von Uppsala, und Kurt Tüg leitet als Abt Abbo das Kloster, in dem unerklärliche Todesfälle aufzudecken sind.

Vor dem Start der Wiederaufnahme ist Stanzel übrigens genau so angespannt wie vor der Premiere einer Neuinszenierung. Sie spricht dabei von einer angespannten Energie, die in zwei Richtungen funktioniert. (Manuela Behrendt)

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