Badische Neueste Nachrichten, 7. August 2017

In der Pause ist die Anspannung vorbei

Lasst euch verzaubern. William Shakespeares Ein Sommernachtstraum ist eine fantastische Geschichte über die Liebe, die in einer lauen Sommernacht fabelhafte Wesen auf den Plan ruft, die mit den Menschen und ihren Gefühlen spielen. Man muss sich einlassen auf diese Illusion und die Welt der Feen, sonst funktioniert das Stück nicht und man kann die Essenz nicht erfassen. Eine große Aufgabe für die größte Freilichtbühne Europas, denn das kompakte Stück scheint sich leicht auf den vielen bespielbaren Bühnen zu verlieren.

Nervös, wie das Ganze beim Publikum ankommt war auch Regisseur Thomas Höhne, doch in der Pause ist die Anspannung vorbei und er zeigt sich entspannt und fröhlich. Ich bin begeistert, dass das Publikum an vielen Stellen des Stückes lacht. Es gibt viele Reaktionen auf die Schauspieler und das Spiel. Das ist wunderbar. So soll es beim Sommertheater auch sein. Er selbst spielte häufig Sommertheater, darunter immer wieder in Schwäbisch Hall. Draußen zu spielen ist etwas Besonderes. Darüber, dass es nur am Nachmittag und nicht am Abend bei der Premierenvorstellung regnete, ist er froh. Mit der Outdoorjacke ins Theater zu gehen gehört einfach dazu. Regen ist jedoch schwierig. Ein bisschen kalt darf es ruhig werden. Die Stammgäste der Freilichtbühne, und davon gibt es viele, bestätigt Marc Moll, Geschäftsstellenleiter der Volksschauspiele Ötigheim, sind dafür bestens gewappnet. Die meisten haben Kissen dabei, tragen Decken mit sich und haben beim Plausch und Imbiss vor der Vorstellung die warme Jacke bereits über dem Arm hängen. Wer zum ersten Mal kommt, wundert sich über so viel Gepäck. Doch spätestens kurz vor der Pause sind alle um ihre mitgebrachten Kissen, Decken und Jacken froh, denn es wird frisch unter dem Dach der Zuschauerränge als die Sonne untergeht und die Nacht hereinbricht. Große Begeisterung unter den Zuschauern löst die Darstellung von Oberons Troll Puck aus. Der Troll wird von drei jungen Damen dargestellt. Sarah Becker, Anna Beckert und Madeleine Kühn sehen in ihren Kostümen zum Verwechseln ähnlich aus und stellen die Figur als Trio dar. Auch Regisseur Thomas Höhne ist begeistert. Die Drei sind ein echter Glücksfall. Sie machen das so toll. Diese Synchronität, die die Drei erreicht haben, macht die dreiteilige Figur so faszinierend. Sie haben sehr viel Zeit miteinander verbracht, geübt und sich aufeinander eingestellt. Auch sonst macht es ihm Spaß mit Laienschauspielern zu arbeiten. Ich gebe sehr viel Schauspielunterricht. Das Vermitteln von Handwerk ist immer schön und die Schauspieler hier sind sehr authentisch. Das macht ungemein Spaß und ich kann mir gut vorstellen weiterhin auf der Freilichtbühne Stücke zu inszenieren.

Das Stück in der englischen Originalfassung aufzuführen kam für die Freilichtbühne nicht in Frage. Unser Publikum würde das nicht mitmachen. Wir haben heute 2 500 Zuschauer in der Bühne, ähnlich sieht es bei den restlichen Aufführungen des Sommernachtstraums aus. Das ist normal bei einem Abendstück, das nicht wie ,Luther‘ große Volksszenen hat. In einer englischen Fassung wäre das nicht möglich. Die Zuschauer fragen auch immer nach, ob es denn auch auf Deutsch gespielt werde, so Marc Moll. Dass das Stück auch so kompliziert ist, zeigen die unterschiedlichen Reaktionen des Publikums. Während sich einige noch schnell vor Beginn erkundigen, worum es darin eigentliche gehe, ist anderen die Komödie zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Irgendwie erschließt sich mir die Handlung nicht, so Barbara Freudenmann aus Kehl. Ich hätte mir das Stück vielleicht zuerst einmal im Theater ansehen sollen. Mariola Schmidt aus Ötigheim ist dagegen begeistert. Ich konnte damit vorher nichts anfangen. Aber es ist ein tolles Stück. Mir gefällt es total gut. Tosenden Applaus und stehende Ovationen erhielten die Schauspieler am Ende für ihr Spiel. Beatrix Ottmüller

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