Badisches Tagblatt, 27. Juli 2015

Sommernacht mit Feuerwerk

Höhepunkte der sommerlichen Volksschauspiele auf Deutschlands größter Freilichtbühne sind immer wieder die beiden Festlichen Konzerte mit dem um viele Profis erweiterten Ötigheimer Festspielorchester, namhaften Solisten, Projektchor und Kinderchor und den erstaunlichen Tanzgruppen, die sich unter der Leitung von Andrei Golescu und Julia Krug aus den eigenen Reihen gebildet haben. Die Ötigheimer Volksschauspiele gibt es seit 109 Jahren, die Festlichen Konzerte wurden erst vor 33 Jahren ins Leben gerufen und erfreuen sich seither größter Beliebtheit. Die viertausend Zuschauerplätze waren auch bei den jüngsten beiden Konzerten voll ausgebucht. Es ist nicht unbedingt das musikalisch sorgsam zusammengestellte Programm, was die Musikliebhaber aus nah und fern anlockt, sondern es ist die ganz besondere Atmosphäre, die hier unter freiem Himmel bei unterhaltsamen Klängen herrscht.

Das Programm der diesjährigen Konzerte versprach einen musikalischen Spaziergang durch die Sommernacht, dafür hatte man sich Verstärkung bei namhaften Gesangssolisten wie der Sopranistin Lea-ann Dunbar, Michael Tews, Bass, und erstmals bei dem Extrachor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe geholt. Auch Lucian Eller, Bariton, Florian Hartmann, Bass, und Daniel Pastewski, Bass, trugen im zweiten Teil der Sommernacht mit It’s darn too hot aus Kiss me Kate von Cole Porter zum guten Gelingen bei. Die musikalische Gesamtleitung des heißen und bisweilen turbulenten musikalischen Sommerspaziergangs lag in den Händen von Ulrich Wagner. Damit sich die Zuhörer auf ihrem Weg durch die Welt der Oper, Operette und Musicals nicht verliefen, übernahm Reinhard Danner die kundige und humorvolle Moderation.

Schwungvoll eröffnete das Orchester den Abend mit der Ouvertüre zu der Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai. Beeindruckend wirkte danach der Auftritt der etwa fünfzig Sängerinnen und Sänger rechts und links vom Orchesterraum auf die Bühne. Stimmenstark begrüßten sie das Publikum mit Viktoria, Viktoria! von Carl Maria von Weber aus dessen Oper Der Freischütz. Weitere Chöre von Weber und Nicolai erfüllten das sommernächtliche Freilichttheater.

Auch die Beiträge der Gesangssolisten fügten sich harmonisch in das Gesamtprogramm ein. Michael Tews trug das Lied des Falstaff Als Büblein klein vor und wusste mit dem Fliedermonolog des Hans Sachs aus Wagners Meistersingern zu überzeugen, während Lea-ann Dunbar mit leuchtend klarer Sopranstimme den Zauber der Sommernacht mit dem Lied an den Mond aus Dvoraks Oper Rusalka beschwor.

Eine große Überraschung bereiteten die Tänzerinnen des Balletts der Volksschauspiele Ötigheim. Die einfallsreichen Choreografien von Andrei Golescu und Julia Krug, die auch die Kostüme kreiert hatten, begeisterten, alles wirkte perfekt in Bewegung und Outfit, ob es nun Webers Aufforderung zum Tanz war oder Debussys Clair de Lune oder dramatisch Mussorgskys Nacht auf dem Kahlen Berge, die Darbietungen der großen und kleinen Tänzerinnen bereiteten einen unterhaltsamen Augenschmaus.

Der erste Teil des Festkonzertes, vorwiegend der Welt der Oper gewidmet klang mit dem Chor aus der Oper Carmen Les voici, les voici aus, gesungen vom Extrachor des Badischen Staatstheaters und dem beachtlichen Kinderchor der Volksschauspiele. Der zweite Teil des Abends galt überwiegend dem Musical, endete aber mit dem beeindruckenden Gefangenenchor aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi, gemeinsam vorgetragen vom Extrachor, dem Projektchor Ötigheim und dem Kinderchor. Doch damit nicht genug: taktgenau zur Musik begleitete ein grandioses Feuerwerk (Pyrotechnik: Michael Lerner) das musikalische Spektakel und entließ das Publikum mit einem Hochgefühl in die Nacht hinaus. (Karen Streich)

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