Der Sonntag, 2. Juli 2017

Der Sonntag bei Simon David Grossenbacher

Freilichtbühne Ötigheim: Gerade endete das mehrstündige Schauspiel Luther, es ist auch am späten Samstagnachmittag noch sehr heiß. Während die Besucher zum Ausgang strömen, mischen sich die Akteure auf dem Vorplatz mit geladenen Gästen, die Stimmung ist gelöst. Mittendrin: Simon David Grossenbacher, Schauspieler aus der Schweiz, der in der Inszenierung von Rebekka Stanzel die Hauptrolle spielt. Er hat sich aus seinem Luther-Gewand befreit und steht nun entspannt plaudernd an einem Tisch des Cafés Casino.

Wie kommt ein Schweizer nach Ötigheim? Oder auch erst: Wie kam Grossenbacher, der in Bern aufwuchs, zum Schauspiel? Er sei, erzählt er, schon als Kind vom Theater fasziniert gewesen; seine Schwester spielte beim Jungen Theater in Basel, wo auch er sich später engagieren sollte. Als ich im letzten Schuljahr den Schinderhannes spielte, war mein weiterer Weg klar. Die Zeit an der Schauspielschule Bern genoss er: Wir haben auch performativ gearbeitet, was von der Bildenden Kunst kam und im Theater damals erst begann. Die Performance-Kunst im Schauspiel habe damit zu tun, den Moment zu leben. Das ist bei Grossenbacher spürbar und entspricht seinem Wesen. So genießt er die Atmosphäre im Theater sichtlich, ebenso die Herausforderung, eine Open-Air-Bühne in solchen Dimensionen zu bespielen. Als junger Mann war er zunächst bei Peter Lüdi in Baden-Baden engagiert, spielte später auch in Schweizer Produktionen; es folgte eine Anstellung in Luzern. Eine Zeit lang zog ich mich zurück, um mich um meine zwei Kinder zu kümmern. Meine Partnerin studierte.

Mit Amateurschauspielern zu arbeiten ist neu für ihn. Sie sind großartig, und es ist wunderbar zu sehen, wie schon die Kinder ins Schauspiel hineinwachsen. Hier geben Mitspieler auch für einen Satz alles. Eine solche Kollegialität habe er noch nie erlebt. Der Kontakt zu den Volksschauspielen war über Stanzel entstanden, die er vor Jahren bei einer Inszenierung von Le roi David in Mannheim kennengelernt hatte.
Er, der im protestantischen Glauben aufwuchs, aus der Kirche aber längst austrat, mimt nun Luther: Findet er sich in diesem Mann wieder? In einer gewissen Sprunghaftigkeit sind wir uns ähnlich, sagt Grossenbacher lächelnd. Ihn reizen die Brüche in der Figur Luthers: Der feine, verlorene, gebrochene junge Luther, der seinen Weg sucht und findet. Auf der anderen Seite der Mann, der kompromisslos und vehement auftritt. Bei den Proben, erzählt er, habe ihn seine 12-jährige Tochter manchmal gepartnert, sie habe eine Neigung zum Künstlerischen. Ohnehin ist die Bindung zu seinen Kindern eng: So oft wie möglich verbringt er Zeit mit ihnen, etwa beim Wandern und Schwimmen. Berufsbedingt können für ihn die Sonntage natürlich auch mitten in die Woche fallen: Gern geht er dann ins Theater, möchte bald auch seinen einstigen Kollegen und Freund Hannes Fischer in Karlsruhe besuchen. Diesen Abend verbringt er indes mit der Spielergemeinschaft: Es wird wie immer für alle gekocht. Da sitze ich natürlich gern dabei. (Katrin König)

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