Badisches Tagblatt, 11. Augst 2017

Schweden-Pop mit rockiger Note

In Ötigheim werden in diesem Sommer die populären Musikstars der 70er und 80er Jahre gefeiert: Gleich auf die vielbejubelte Queen Night ist die ABBA-Nacht gefolgt mit moderner, poppig-bunter Lichtshow und einem Party-Hit nach dem anderen. Die Gruppe aus Leipzig, stilecht gekleidet in Schlaghosen und Glitzerdress auf halsbrecherischen Plateausohlen, holt die Besucher in der nur halb besetzten Freilichtbühne auch bei Dauerregen gleich mit Mamma Mia von den Sitzen.

Die ABBA-Fans sind willig, das Pop-Feuer allerdings lodert eher verhalten bei dieser Nostalgie-Revue. Der Segen von Agnetha, wie vor zwei Jahren, als eine exzellente ABBA-Coverband aus Schweden bei den Volksschauspielen für Dauerschwung in den Hüften der Zuschauer sorgte, schwebt diesmal nicht über dieser musikalisch und gesanglich sauberen, aber tänzerisch eher asynchronen Produktion.

One Night of ABBA will den gut 40 Jahre alten Mythos in die heutige Zeit führen – das allerdings ist längst durchs ABBA-Musical gelungen, wofür Benny Andersson und Björn Ulvaeus ihre Songs selbst schon neu gemischt haben. Der Schweden-Pop ist ein nimmermüder Publikumsrenner, davon profitiert auch die Ötigheimer Tribute-Show. Die Wunschnummern werden hier mit rockiger Note angereichert. In Mamma Mia schleicht sich der berühmte E-Gitarrenriff von Deep Purples Smoke On The Water ein. Pink Floyd steht Pate bei Money, Money, Money. Der Sound ist kraftvoll, verstärkt durch die harten Beats von Drummer Mario Kny und den Bass von Jan-Peter Lencer. Die ABBA-Parts sind mit zwei Sängerinnen besetzt, die stimmlich gut harmonieren: Rebecca Glantz, die die Vocals von Agnetha übernommen hat, und Daniela Manske in der tieferen Stimmlage von Anni-Frid -am Piano gibt Jens Kaufmann die Richtung auch moderierend vor, Mario Fischer ergänzt die Gruppe an der E-Gitarre.

Sie punkten mit unbändiger Spielfreude, auch wenn die Arrangements nicht so variabel wie bei ABBA kommen, der Rhythmus oft zu gleichbleibend ist, sich eine gewisse Einheitsharmonik einschleicht – die zusammen mit dem forcierten Animationsprogramm der Gruppe alles in allem an eine nette Show aus der Urlaubs-Unterhaltungsmusik erinnert. (Christiane Lenhardt)

zurück zum Pressespiegel