Badische Neueste Nachrichten, 23. Dezember 2014

Satte Klänge erfüllen den Raum

Stabübergabe beim Jugendorchester der Volksschauspiele Ötigheim: Mit einem Jugendvorspiel und einem Abschiedskonzert hat der Orchesternachwuchs am Sonntag im Ötigheimer Gemeindehaus Alte Schule seinen Gründer und langjährigen Leiter Alfons Rieger verabschiedet und ihm mit Barockmusik und weihnachtlichen Klängen noch einmal Dankeschön gesagt für seine Arbeit. Der 82-Jährige übergab den Taktstock damit offiziell an seine Nachfolgerin Tanja Maria Wagner. Die 43-jährige Musikpädagogin, Cellistin und Ehefrau des musikalischen Leiters der Volksschauspiele, Ulrich Wagner, hatte bereits im Mai die Leitung des Nachwuchsorchesters der Volksschauspiele übernommen.
Während junge Talente aus der Schülerschaft Alfons Riegers und dessen Tochter Karoline den ersten Konzertteil bestritten und – begleitet von Ulrich Wagner am Klavier – die rund 100 Besucher mit farbigen Streicherklängen in die Barockzeit mit ihren galanten höfischen Tänzen entführten, gestaltete das Jugendorchester unter der Leitung von Tanja Maria Wagner im Anschluss an die Verabschiedung Alfons Riegers den zweiten Konzertteil mit größtenteils weihnachtlichen Melodien. Unterstützt wurden sie dabei von mehreren, mittlerweile erwachsenen Rieger-Schülern.
Mit der Auswahl der Musik, den gelungenen Beiträgen und dem stolzen Aufgebot an jungen Instrumentalisten unterstrichen die Volksschauspiele einmal mehr den hohen Ausbildungsstandard ihrer Schüler und ihre beispielhafte musikpädagogische Arbeit. Der Nachwuchs konnte zeigen, was er gelernt hat. Anfänger und Fortgeschrittene waren mit Spaß und hoch konzentriert bei der Sache. Auch wenn sich hier und da schon mal das eine oder andere falsche Tönchen eingeschmuggelt hatte, so störte das doch niemanden unter den Zuhörern.
Den Auftakt machten zwei noch ganz junge Geigen-Eleven aus Riegers Schülerschaft. Emilie und Joshua Dill verzauberten mit Rigaudon, einem französischen Tanz, und dem klangschön musizierten Marsch aus der Bauernkantate von Johann Sebastian Bach. Selbstbewusst trug Violinistin Franziska Mangel, Schülerin von Karoline Rieger, das berühmte Menuett von Luigi Boccherini vor. Johanna Pehlivan, Geigerin im VSÖ-Orchester, nahm sich Johann Sebastian Bachs Bourrée an, bevor Karoline Rieger und ihre Schülerin Gloria Möck beim Concerto für zwei Violinen und Klavier d-Moll von Antonio Vivaldi musikalisch überzeugend zum Ausdruck brachten, warum die virtuose und innige Kunst des venezianischen Meisters die Sinne immer wieder neu zu entzünden vermag.
Musikalität, Temperament, Ausdruckskraft und Spielfreude waren Trumpf auch beim gelungenen Auftritt des Jugendorchesters, das mit Leopold Mozarts beschwingter Kindersinfonie und der Pastorale (Largo) aus Arcangelo Corellis berühmtem Weihnachtskonzert beeindruckte. Den meisten Applaus freilich heimsten die jungen Musiker für ihr von Jan van der Goot arrangiertes Happy White Christmas-Potpourri ein, bei dem sie mit Titeln wie Irving Berlins White Christmas, Johnny Marks’ Rudolph The Red Nosed Reindeer oder John Lennons Happy Xmas musikalisch glänzten und mit sattem, warmem Streicherklang die Weihnachtskerzen entzündeten, zumindest im übertragenen Sinne. Das Publikum dankte den Akteuren mit lang anhaltendem Beifall. (Ralf Joachim Kraft)

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