Badisches Tagblatt, 2. September 2015

Rund 75.000 bei Volksschauspielen

Bei schweißtreibenden 35 Grad im Schatten ist am Sonntag auf dem Tellplatz mit der letzten Aufführung von Josef Saiers Interpretation der Leidensgeschichte Jesu unter der Regie von Stefan Haufe der Theatersommer der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) zu Ende gegangen.

Als anerkennende Pfiffe, laute Begeisterungsrufe und rhythmische Applaussalven des Publikums längst verhallt waren und sich der große Parkplatz bei der Freilichtbühne geleert hatte, fanden sich alle am Theatergeschehen Beteiligten zur Saisonabschlussfeier rund um das Tellplatz-Casino ein. Pfarrer Erich Penka nannte in seiner Dankesrede viele Aktive namentlich, vergaß im großen Getriebe der VSÖ und ihrer professionellen Unterstützer nicht das klitzekleinste Rädchen. Frenetisch durfte sich Christus-Darsteller Eric van der Zwaag von den Anwesenden feiern lassen. Penka lobte die erfolgreiche Gemeinschaft der zahllosen Amateure, Ehren- und Hauptamtlichen, hob die Profis als Würze heraus, die das Spiel in besonderer Weise prägen.

Auf BT-Nachfrage sagte Geschäftsstellenleiter Marc Moll, professionelle Theaterleute, die zu den VSÖ stoßen, seien begeistert vom Anspruch und erstaunt von den Leistungen der Amateure. Während des Spiels sei die Kluft zwischen Profi und Laie nicht erkennbar. Unter endlosem Applaus verabschiedete Penka Schneiderin Christel Wild nach vielen Jahrzehnten im Dienst der VSÖ in den Ruhestand, betonte im gleichen Atemzug, dass sie ehrenamtlich weiterhin in der Nähstube mitmischen werde.

Bürgermeister Frank Kiefer sprach von einer wunderbaren Saison. Finanziell liege man deutlich über den Erwartungen. Mit insgesamt 75 000 Zuschauern, was einer Auslastung von 70 Prozent entspricht, waren 3 000 Besucher mehr als im Vorjahr gekommen (siehe auch: Zum Thema). Die Mehreinnahmen von 100000 Euro werde man laut Kiefer noch in diesem Jahr für ein Vordach am Tellplatz-Casino sowie eine partielle Geländepflasterung im Spielerbereich verwenden. Weitere Mittel fließen in ein Theaterfest anlässlich des 110-jährigen Bestehens der VSÖ im kommenden Jahr. Die Optik der Hauptbühne bleibt unverändert, denn sie passt zu den neuen Stücken Kiss Me, Kate und Les Miserables.

Im BT-Gespräch erklärte Moll, dass es sich bei Les Miserables nicht um das Musical, sondern um die Bühnenadaption des Romans von Victor Hugo handelt. Dies müssen wir beim Marketing deutlich machen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Moll bedauerte, dass Amadeus mit einem brillanten Sebastian Kreutz in der Rolle des Antonio Salieri nur zu 45 Prozent ausgelastet war. Das Stück war wohl doch zu unbekannt, mutmaßte er.

Wie Moll weiter berichtete, hätten Zuschauerrückmeldungen den Wunsch der breiten Masse ergeben, statt ernsten Themen Unterhaltsames und Musikalisches auf die Bühne zu bringen. (manu)

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