Badische Neueste Nachrichten, 28. Juni 2016

Koordination hinter den Kulissen

Wird er gerufen, ist er zur Stelle. Wenn’s sein muss, auch noch spät in der Nacht. Tagsüber ist der Mann mit dem markanten Henriquatre-Bart meist auf dem Tellplatz oder in der kleinen bühne zu finden – und immer in Bewegung. Seit vielen Jahren sorgt Rudi Wild dafür, dass bei Proben der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) und beim Unterricht in den einzelnen Abteilungen alles reibungslos abläuft. Er verantwortet als Vorsitzender des Spielbetriebs-Ausschusses die komplette Organisation des Spielbetriebs auf der Freilichtbühne und im Zimmertheater.

Da ich schon frühzeitig im Vorruhestand war und jetzt Rentner bin, konnte ich meine ganze Freizeit den Volksschauspielen widmen. Und das ist mittlerweile schon fast ein Fulltime-Job, verrät der frühere Telekom-Mitarbeiter, der bei den Volksschauspielen von 1983 bis 1999 Vorsitzender des damaligen Organisationsausschusses war und seit nunmehr 17 Jahren dem Spielbetrieb vorsteht.

Gerade mal zehn Jahre alt war Rudi Wild, als er 1959 in den Volksschauspielverein eintrat. Meine erste Rolle war 1969 der ,Kleine Josef’ in ,Josef von Ägypten’, erzählt der gebürtige Ötigheimer, der seither oft als Statist, Sänger und Rollenträger auf der Bühne stand und auch in diesem Theatersommer in zwei kleineren Rollen zu erleben ist: In Les Misérables spielt er den Diener Baske und in Kiss me, Kate verkörpert er den Bühnenportier. Weit mehr gefordert als auf der Bühne ist Wild freilich hinter den Kulissen.

Das Aufgabenfeld, das er und seine Mannschaft beackern, ist vielfältig. Er selbst ist zuständig für die Probenkoordination in Zusammenarbeit mit den Regisseuren und den künstlerischen Ressortleitern. Ich koordiniere alle Proben für die verschiedenen Produktionen auf der Freilichtbühne und auf der ,kleinen bühne’, erklärt Wild, der in Absprache mit den Regisseuren den Probenplan fertigt, den er dann selbst aktualisiert, verteilt und veröffentlicht. In seinen Händen liegt auch die Betreuung des Kinderchores, des Jugendorchesters, der Ballettgruppen und des Ordnungspersonals im Zuschauerbereich. Gemeinsam mit den anderen Ausschussmitgliedern unterstützt er Spielervorstand Sabine Speck dabei, neue Mitwirkende zu gewinnen und zu betreuen. Im Team leistet er organisatorische Unterstützung bei Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, sorgt für Sicherheit auf und hinter der Bühne und erfasst im Rahmen der Spielerkontrolle Proben, Aufführungen und die Anwesenheit der Spieler. Das ist nötig für die Abrechnung der Aufwandsentschädigung, erzählt Wild, dass der Spielbetrieb erst jüngst den vom künstlerischen Ausschuss vorgeschlagenen Spielplan-Entwurf für die kommende Saison im Zimmertheater und auf der Naturbühne erstellt habe, den der Vollausschuss am 8. Juni verabschiedet hat. Auch dass er für die Aufführungen die teils sehr extravaganten Requisiten beschaffen darf, verheimlicht Wild im BNN-Gespräch nicht. Im Moment suche ich für ,Kiss me, Kate’ noch nach einem Rotkreuz-Krankenwagen aus den 50er Jahren, verrät der bald 67-Jährige, der seit dem Jahr 1978 der VSÖ-Verwaltung angehört und bei seiner gegenwärtigen Arbeit auf dem Tellplatz von Steffen Sachsenmaier, Sabine Stößer, Jennifer Hofmann und Alexander Grünbacher unterstützt wird.

Viele dürften Rudi Wild auch noch aus ganz anderen Rollen kennen. Etwa als Platzanweiser in der kleinen bühne oder als Büttenredner des Ötigheimer Carneval Club (ÖCC). Seit bald fünf Jahrzehnten begeistert er die Fastnachter mit seinen satirischen, rhetorisch fein geschliffenen Beiträgen; früher war er der Nachtwächter. Dass Ehefrau Christel Wild seit Jahrzehnten die VSÖ- und ÖCC-Leidenschaft ihres Mannes in aktiver Weise teilt, ist ebenfalls kein großes Geheimnis. Ihre Passion waren von jeher die Kostüme. Und davon gibt’s auch in diesem Jahr wieder jede Menge. Doch das ist eine andere Geschichte … (Ralf Joachim Kraft)

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