Badische Neueste Nachrichten, 28. Juli 2014

Reise in vergangene Zeiten und Welten

In vergangene Zeiten und ferne Welten entführte das diesjährige Festliche Konzert der Volksschauspiele Ötigheim. Ulrich Wagner, der musikalische Leiter der Volksschauspiele, hatte unter dem Titel Zauber der Exotik ein anregendes Programm zusammengestellt, das die Zuhörer von Nordafrika über Indien und Ceylon bis nach Japan begleitete.

Heute nicht mehr oft zu hören ist die Ouvertüre Abu Hassan von Carl Maria von Weber. Für dieses Programm war sie der ideale Auftakt und wurde auch vom Erweiterten Orchester der Volksschauspiele flott und farbenreich gespielt. Mehrmals machte das Programm in Ägypten Station, zum ersten Mal mit Cleopatras Arie V’adoro pupille aus Händels Giulio Cesare, der Lea-ann Dunbar ausdrucksvoll Klang verlieh. Bizets Die Perlenfischer spielen in Ceylon und bieten neben einer wunderbaren Tenorarie und einem berühmten Duett auch prachtvolle Chöre, von denen man den Eingangschor und das Finale des zweiten Aktes zu hören bekam.

Im Blumenduett aus Léo Delibes Oper Lakmé ließen Lea-ann Dunbar und Sarah Alexandra Hudarew den Zauber Indiens auferstehen und der Satz Laideronette, impératrice des Pagodes aus Maurice Ravels Ma mère l’oye präsentierte die chinesische Märchenwelt – und ein prächtig aufgelegtes Volksschauspielorchester. Albert Ketelbeys Auf einem persischen Markt ist zwar typische Classic Light, aber farbenreich und malerisch instrumentiert und bot dem Ballett einen ersten, schönen Auftritt. Mit Puccini ging es schließlich in die Pause: Lea-ann Dunbar und Carlo Jung-Heyk Cho sangen das große Duett aus Madame Butterfly und ein ganz besonderes Lob geht an den Kinderchor der Volksschauspiele, die ihren Chor aus Turandot mit der größten Selbstverständlichkeit in Originalsprache sangen, eine bemerkenswerte Leistung.

Carlo Jung-Heyk Cho wurde für Dein ist mein ganzes Herz aus Das Land des Lächelns besonders gefeiert, aber auch die Arien aus Die Blume von Hawaii und aus Der Vetter aus Dingsda (mit dem Jungen Chor) kamen gut an. Zum Höhepunkt wurden schließlich die Ausschnitte aus Léon Minkus’ Ballett La Bayadère, in dem die Tanzgruppen der Volksschauspiele über sich hinauswuchsen und Andrei Golescus und Julia Krugs anspruchsvolle Choreografie glanzvoll umsetzten.

Das Medley aus der Filmmusik zu Fluch der Karibik hätte vielleicht etwas mehr Breitwand-Sound vertragen, doch insgesamt verdiente sich das Orchester für seine engagierte Leistung und stilistische Vielseitigkeit ein besonderes Lob. Der Triumphmarsch aus Verdis Aida bildete den glanzvollen Abschluss (und die Zugabe) eines gelungenen, von Reinhard Danner unterhaltsam moderierten Abends. (Manfred Kraft)

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