Badisches Tagblatt, 10. Oktober 2015

Förderer der Volksschauspiele ziehen positive Bilanz

Es geht stetig bergan, informierte Landrat Jürgen Bäuerle am Donnerstagabend im Tellplatz-Casino über den sechsprozentigen Mitgliederanstieg der Josef-Saier-Stiftung (JSS) in Ötigheim. In seiner Funktion als Präsident der Einrichtung, der als Zweck die finanzielle Förderung der Volksschauspiele zugrunde liegt, leitete er die jährliche Mitgliederversammlung.

Einstimmig beschloss diese, im Rahmen des Kameradschaftsabends der VSÖ am 14. November Leonie Nold mit der JSS-Medaille auszuzeichnen. Nold, Jahrgang 1930, ist den VSÖ seit ihrem siebten Lebensjahr treu. Sie singt im großen Chor, ist in der Schneiderei tätig und auf dem Tellplatz als Ankleidegarderobiere für die Männer aktiv. Zur Würdigung des Engagements der um neun Personen gewachsenen Mitgliederrunde gibt es für den Förderverein am 21. November auf der Kleinen Bühne eine Exklusivveranstaltung. Das Beste von Loriot, mit dem der Theaterwinter am 6. November an den Start geht, steht für die VSÖ-Förderer auf dem Programm.

Den Sponsoren hatte man bereits am 27. September in der Mehrzweckhalle einen festlichen Abend gegönnt, der der Stiftung 19000 Euro einbrachte und daher im kommenden Jahr eine Neuauflage erfährt. Das Kalenderjahr 2014 schloss die Stiftung mit einem Defizit von 9 000 Euro ab. Die Stiftung freute sich über eine Großspende von 25 000 Euro zum Bau des Tellplatz-Casinos. Die Negativzahl ist zwischenzeitlich ausgeglichen. Die finanzielle Situation der Stiftung ist nach wie vor gut, berichtete Schatzmeister Ralph Ganz. Aus dem JSS-Einnahmetopf gehen der VSÖ-Jugendarbeit erneut 1 500 Euro zu. Die Kassenprüfer Eberhard Schnelle und Matthias Weyrauch bestätigten dem Vorstand einen sparsamen Umgang mit dem Vereinsvermögen.

Bürgermeister Frank Kiefer als stellvertretender Vorsitzender der VSÖ und deren geschäftsführender Vorstand Werner Sachsenmaier berichteten in Abwesenheit des erkrankten Pfarrers Erich Penka über den Theatersommer auf dem Tellplatz. Sehr gelungen nannte Kiefer die Veranstaltung anlässlich der Premiere des Stücks Die Passion. Mit der erfolgreichen Saison sei man sehr zufrieden, da man die Messlatte deutlich übertroffen habe. Den Überschuss von 100 000 Euro investieren die VSÖ in ein Glasvordach für das Tellplatz-Casino. Mit dem Vordachbau sowie der energetischen Sanierung des Garderobegebäudes und der Schneiderei soll noch vor Jahresende begonnen werden.

Mittel in Höhe von 120 000 Euro für die letztgenannte Maßnahme erwirkte Bietigheims Bürgermeister Ernst Kopp, stellvertretender JSS-Präsident, der sich im Stuttgarter Landtag für die Volksschauspiele stark gemacht hatte. Auf der künstlerischen Seite nannte Sachsenmaier die Teilnahme der VSÖ mit 35 Personen beim Karlsruher Stadtgeburtstag. Wir haben eine tolle Visitenkarte hinterlassen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für den 110. Theatersommer auf vollen Touren, zudem stehe die Kleine Bühne in den Startlöchern für die Wintersaison. Das 110-jährige Bestehen der VSÖ feiert der Schauspielverein am 29. Mai mit einem Theaterfest, welches sich dem internationalen Chorfestival am Vorabend anschließt.

Am 11. Juni hat die Adaption Les Miserables (Regie: Peter Lüdi) nach der Romanvorlage von Victor Hugo Premiere. Regisseur Stefan Haufe bringt am 6. August das Cole-Porter-Musical Kiss Me, Kate auf den Tellplatz. Ein Dorf spielt Theater heißt ein abendfüllender Film über die Entstehung und Umsetzung eines Stücks bei den VSÖ, den der SWR in Auftrag gegeben hat. Die Filmemacher Kurhaus Production begleiten Les Miserables von der Textübergabe durch Peter Lüdi an die Aktiven bis zur Premiere.

Ob sich die VSÖ ihre Sommersaison 2017 mit dem hauseigenen Stück über das Wirken Martin Luthers durch ein Gastspiel des Mammut-Pop-Oratoriums Luther von Michael Kunze und Dieter Falk, das mit einem Chor von 3 000 Sängern am 31. Oktober in Dortmund Weltpremiere hat und danach auf Tournee geht, selbst verhageln oder das Musical als gewinnbringenden Anheizer für die Luther-Saison auf dem Tellplatz nutzen, steht bei VSÖ und JSS noch zur Diskussion.

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