Badische Neuete Nachrichten, 19. August 2016

Pop mit dem vollen Klang der Oper

Da wo Marshall & Alexander seit Jahren ihr Wohnzimmer haben, heischten nun auch die Jungs von Adoro um den Beifall der Zuschauer. Das klassisch geschulte Gesangsquartett trat erstmals auf der Ötigheimer Freilichtbühne auf und sorgte für ein gut besuchtes und restlos begeistertes Auditorium. Die Crossover-Projekte der vier Sänger verbinden zeitgenössische Schlagermusik und Popsongs mit dem vollen Klang von Opernstimmen und dem Sound eines siebzehnköpfigen Orchesters. Leider blieb der Arrangeur ungenannt, dem es fast immer gelang, den Sound zwar groß, aber nie schmalzig zu halten.

Und eines sollte man festhalten: Singen kann jeder der vier hervorragend, die Stimmen unterscheiden sich in ihren Timbres deutlich und im Gegensatz zu den Legionen an tourenden Tenorensembles haben sich hier drei Baritone und nur ein Tenor versammelt. Zusammen mit dem doch recht eigenen Repertoire muss man zugeben, dass das Konzept dieser Formation eigenständiger ist als bei manchem Konkurrenzunternehmen.

Im ersten Teil stellten Peter Dasch, Nico Müller, Jandy Ganguly und Assaf Kacheli Lieder aus ihrem neuesten Album, Lichtblicke, vor, das Songs von Xavier Naidoo bis James Horner enthält. Ein wenig zeigte sich hier, dass Adoros Stil nicht mit allen Stücken gleich gut harmoniert. Während beispielsweise Millionen Lichter oder Stark überzeugend wirkten und Weil mein Herz dich nie vergisst (die deutsche Version von My Heart Will Go On) schlichtweg großartig war, sperrte sich Udo Lindenbergs Hinterm Horizont etwas.

Nach der Pause wurde es vielseitiger, das Ensemble stellte Höhepunkte aus den zehn Jahren seines Bestehens vor und zeigte, dass es bei Bedarf auch richtig loszurocken versteht. Aus ihrem ersten Album (Adoro, 2008) präsentierten sie unter anderem Liebe ist alles und Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Von diesem Album stammt allerdings auch Über sieben Brücken musst du geh’n, das denn doch etwas zu sehr weichgespült wurde.

Doch Titel wie Andreas Bouranis Auf uns, Tage wie diese“ von den Toten Hosen oder die Zugabe Nessaja von Peter Maffay glichen dies locker wieder aus. Zusammen mit der anregenden, aber nie aufdringlichen Moderation, an der sich alle vier gleichermaßen beteiligten, verdienten sie den begeisterten Beifall zu Recht. (Manfred Kraft)

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