Badische Neueste Nachrichten, 16. April 2018

Preis geht an gleich zwei Vollblutmusiker

Alfons Rieger und Maria Bagger haben gestern eine besondere Würdigung erfahren. Die beiden Vollblutmusiker sind die ersten Preisträger des Peter-Selbach-Gedächtnispreises für innovative künstlerische Leistungen für die Volksschauspiele Ötigheim. Der Preis ist mit 1 000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Ob dann an einen oder wieder an zwei Preisträger, steht noch nicht fest, sagte Jury-Vorsitzender Wolfgang Sieber gestern bei der Preisverleihung im Tellplatz-Casino. Musikalisch gestaltete die Feierstunde das Vokalensemble und der Kinderchor unter Baggers Leitung. Wie Sieber berichtete, war ihm im Mai 2017 von seinem schwerkranken Freund Peter Selbach kurz vor dessen Tod am 13. Juni aufgetragen worden, den Vorsitz einer vierköpfigen Jury zu übernehmen. Diese solle Selbachs Vermächtnis – einen Preis für innovative künstlerische Leistungen für die Volksschauspiele Ötigheim – im Sinne des Stifters umsetzen. Als launiger Laudator entpuppte sich der frühere musikalische Leiter der Volksschauspiele Ötigheim, Matthias Hammerschmitt. Alfons Rieger erhält heute den Preis für sein Lebenswerk. Wenn’s einer verdient hat, dann Alfons. Keinen Besseren hätt’s treffen können, sagte Hammerschmitt in seiner Laudatio auf Rieger, der das damalige Kammerorchester der Volksschauspiele Ötigheim (heute VSÖ-Orchester) gegründet, geleitet und wie ein leidenschaftlicher Gärtner im ebenfalls von ihm gegründeten Jugendorchester auch gleich den Nachwuchs herangezüchtet habe. Rieger erhält den Preis für seinen Beitrag zur Gründung des Orchesters und für seine nachhaltige Aufbauarbeit. Besonders gewürdigt wurde die Bereicherung des Repertoires durch die Festlichen Konzerte, die seit 1982 fester Bestandteil des Theatersommers sind. Heute ehren wir nicht nur seine Verdienste um die kulturellen Belange, sondern auch eine originelle Persönlichkeit – freundlich, humorvoll, dem Leben zugeneigt, klar in seinem Wollen, unterstrich Hammerschmitt. Alfons Rieger habe als VSÖ-Orchesterleiter, als langjähriger Geiger, Klarinettist und Altsaxofonist in der Tanzkapelle Schwarz-Weiß oder als Dirigent des Mandolinen- und Gitarrenorchesters Ötigheim im kulturellen Erscheinungsbild des Dorfes überall seine Spuren hinterlassen. Kaum jemand verkörpert den Geist der Volksschauspiele wie er. Kaum eine musikalische Produktion auf dem Tellplatz wäre möglich gewesen ohne diesen Selfmademan. Die zweite Preisträgerin, Maria Bagger, für die sich die Jury selbst entschieden hatte, erhielt den Preis für ihren Beitrag zur Gründung und zum nachhaltigen Aufbau des Kinderchores und die erfolgreiche Ausbildung der Kinder. Seit September 2004 bei den Volksschauspielen im Einsatz, leitet die Musikpädagogin, die aus Estland stammt, heute alle Kinderchor-Gruppen und erteilt bei den VSÖ auch Gesangs- und Klavierunterricht. Maria Bagger ist spitze, lobte Hammerschmitt vor allem die Qualität ihrer nachhaltigen Arbeit an der Basis. Die bescheidene junge Frau, die in Tallinn nach dem Abitur Komposition und Musiktheorie studierte und noch eine Gesangsausbildung dranhängte, wirke mit Hingabe und verstehe es, Begeisterung zu wecken für den Gesang, an dem sich neben den Massenszenen und Tierauftritten der Ötigheimer Spielstil festmachen lasse. Als Leiterin eines Kinderchores muss man eine seltene Mischung aus Mutter und Feldwebel sein, sonst läuft da gar nichts. (Ralf Joachim Kraft)

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