Badische Neueste Nachrichten, 1. August 2019

Peter Lüdi nimmt sich der Räuber an

Es fallen Schüsse, es wird geliebt, gestorben und emsig Ränke geschmiedet, wenn Schiller seine Räuber auf die Ötigheimer Freilichtbühne schickt. Genau genommen tut dies Peter Lüdi, der gegenwärtig noch an der letzten Premiere dieses Theatersommers feilt.

Schiller ist ihm nach drei Mal Maria Stuart, ebenso vielen Tell- und ganzen sieben Kabale und Liebe-Inszenierungen bestens geläufig. Nur die Räuber waren noch nie dabei. Nicht dass sie ihm gefehlt hätten, war er doch bis vor nicht allzu langer Zeit der Meinung, dass dieser Stoff fast schon unspielbar sei. Doch diese Bedenken hat er nun völlig über Bord geworfen. Stattdessen lässt der routinierte Regisseur eine deutlich zu spürende Begeisterung für das sehr frühe Werk von Schiller erkennen. Ich bin erstaunt, was da alles drinsteckt. Eine Begeisterung, die nicht nur den Inhalten gilt, sondern auch den Umständen, unter denen Schiller sie damals zu einer mächtigen Geschichte zusammengefasst hat. Die militärischen Verhältnisse, unter denen er arbeitete, schränkten ihn ein, weshalb sich der junge Mann immer wieder auf die Krankenstation verlegen ließ. Dort vermochte er den Vorzug des dort vorhandenen Nachtlichts zu nutzen, um an seinem Werk zu arbeiten. Das tat auch Lüdi, für den seine zehnte Ötigheimer Inszenierung zugleich auch die letzte sein soll.

Eine spannende noch dazu, berichtet er davon, dass er die Bildungshuberei kurzerhand rausgekürzt habe. Auch so sei das Stück noch immer lang genug, weiß er. Bleibt immer noch das Vater-Sohn-Verhältnis, der Bruderzwist, die Erbschaft und der Neid. Hinzu kommt das hochromantische Liebesspiel zwischen Karl (David Kühn) und Amalia (Anna Beckert), das jedoch kein Happy-End finden soll. Sprich selbst ein bisschen „Kabale und Liebe“-Feeling oder eine Idee von Romeo und Julia birgt der Stoff also auch.

Wirklich faszinierend sei auch die Gottesfrage, die Gedanken, die um die Zeit kreisen, die sich nach dem Tod einstellt, schwärmt Lüdi von der gewaltigen Ausführung dieses Themas, als etwa der Traum vom Jüngsten Gericht, den Bruder Franz (Martin Trippensee) erlebt und dabei für sehr viele Bibelstellen sorgt, die Eingang in die Räuber gefunden haben.

Das alles möglichst gut verständlich in eine Inszenierung zu verpacken, ist sicherlich eine Herausforderung, berichtet der Regisseur von den Arbeiten, vom Zerlegen der einzelnen Sätze dieser ganz besonderen Schiller-Sprache, mit der man einfach umzugehen lernen muss. Auf eine ganz eigene Art habe der Autor etwa die Grammatik umgedreht, welche dieses Vorgehen erforderlich macht.

Bleibt nur das bereits erwähnte Zerlegen, das so detailliert Anwendung fand, dass selbst die Atmung akzentuiert wurde. Nur so kann es gelingen, dass der Zuschauer relativ leicht versteht, was der Künstler an großen Botschaften bereit hielt.

Wenn Lüdi und sein Ensemble am Samstag, 10. August, bei der Premiere erstmals mitnehmen nach Leipzig in die Welt der Studenten der High Society, zu den schlagenden Verbindungen und anderen Erscheinungen ihrer Zeit, sollen die Zuschauer in den Genuss einer ganz besonderen Aufführung kommen. Vor allem aber wird – wie schon bei den Proben – die Begeisterung der Darsteller zu spüren sein, die – anders als der professionelle Schauspieler Markus Trippensee vor den abendlichen Proben einem ganz normalen Berufs- oder Uni-Alltag nachgehen. Das klingt nach wahrlich erschwerten Arbeitsbedingungen, mit denen Lüdi nach eigenen Angaben jedoch sehr gut zurecht kommt, macht er dem Ensemble ein großes Kompliment. Ich habe sehr viel Spaß bei dieser Arbeit und ich hoffe, dass die anderen es auch haben. (Christiane Krause-Dimmock)

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