Badische Neueste Nachrichten, 11. April 2019

Mikrofone fangen den perfekten Chorsound ein

Es ist so still im Geschwister-Scholl-Haus, dass das Knirschen der Balken der Holzdecke störend laut wirkt. Und das, obwohl sich auf der Bühne der große Chor der Volksschauspiele Ötigheim positioniert hat.

Die Balken entspannen sich, sagt Edgar Zimmermann, seines Zeichens Tontechniker, der schon viele Jahre mit den VSÖ zusammenarbeitet. Sein Aufnahmegerät und sein Mischpult sind aufgebaut und als der Chor steht, rückt er die feinen Mikrofone zurecht, mit denen er den bestmöglichen Klang einfangen will. Das Cembalo muss immer zu hören sein, wirft Matthias Hammerschmitt, der in diesem Jahr interimsmäßig die Verantwortung für das Musikalische der VSÖ-Produktionen trägt, in die geschäftige und dennoch ruhige Atmosphäre ein. Zimmermann dreht ein wenig an einem der vielen Regler und ist mit der Balance vorerst zufrieden. Die Tonspur des Cembalo will er im Anschluss an die Tonaufnahmen ohnehin noch einmal gesondert aufnehmen, um sie dann mit den Choraufnahmen zusammenzuschneiden. Schalten Sie ihre Handys aus und wenn ihr Hals rau wird, hören Sie auf zu singen; räuspern können Sie in den Aufnahmepausen. Alle stehen, Matthias Hammerschmitt ergeht sich in typisch Mozart’schen Koloraturen und Verzierungen, dann setzt der stimmgewaltige Chor im Tutti mit dem Alleluja der Motette Exultate, jubilate (KV165) von Wolfgang Amadeus Mozart ein. Es ist der Schlusschor der Motette und der einzige Chor, der für die Münchhausen-Produktion eingespielt wird. Natürlich singt der Chor live auf der Bühne, aber falls es mal zu wenige sind, oder das Wetter extrem schlecht, haben wir mit der Aufnahme eine Sicherheit, so Rudi Kühn, der die Proben beobachtet. Matthias Hammerschmitt ergänzt noch, dass Regisseurin Johanna Schall sich auch keinen Cembalo-Spieler auf der Bühne vorstellen konnte, der den Chor von da aus dirigiert. Einmal wird der ganze Satz durchgesungen, mit Vor-, Nach- und allen Zwischenspielen, deren Läufe dem Dirigenten und Cembalisten von den Fingern perlen, noch nicht ganz perfekt, wie er selbst sagt, aber da wird noch daran gearbeitet, wenn der Chor nach Hause gegangen ist. Die Bässe sind noch ein wenig lahm, sagt er und Edgar Zimmermann stimmt zu. Er wünscht sich mehr Lockerheit, mehr Leichtigkeit, mehr Mozart eben, der zweite Versuch startet. Besser heißt es und dann Aufnahme. Die erste Aufnahme-Sequenz, der komplette Satz, startet. Matthias Hammerschmitt hat ihn unterteilt in verschiedene kurze Einheiten, die mit etwas längeren Vor- und Nachspielen – die brauche ich zum Schneiden, sagt der Toningenieur – jede dreimal aufgenommen werden. Das klappt alles reibungslos, die Sänger setzen die Anweisungen von Dirigent und Tontechniker, der sich während des Singens in die Partitur vertieft, und so gelingen in recht kurzer Zeit die Einspielungen so, dass Edgar Zimmermann sich sicher ist, daraus etwas Gutes Basteln zu können. Zum Abschluss, als alle Aufnahmen gemacht sind, wünscht er sich noch einmal, das Alleluja im Ganzen zu hören, quasi als Kür. Forsch gibt Hammerschmitt das Tempo vor und diesmal kommt der Einsatz des Chor-Tuttis nur leicht verschleppt. Zufrieden klappen die Sänger ihre Notenmappen zu, anstrengend war es, das ist ihren Gesichtern anzusehen. Das Alleluja ist eines der drei Chorstücke, bei denen der Hauptchor gefordert ist. Die anderen sind zwei russische Volksweisen, die von Mitgliedern des Mandolinen- und Gitarrenorchesters Ötigheim live auf der Bühne begleitet werden. Vor dem Hauptchor hatten auch die Älteren des Kinderchores ihr We Are The Champions eingesungen, Maria Bagger hatte dabei die Leitung. (Martina Holbein)

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