Badische Neueste Nachrichten, 25. Februar 2019

Penka brilliert als Pontifex

Pfarrer Erich Penka ist in der Hierarchie der katholischen Kirche aufgestiegen: Er ist jetzt Papst – und sogar einer der humansten der Geschichte. Nein, natürlich nicht im wahren Leben, sondern auf den Brettern, die in der kleinen bühne wieder die Welt bedeuten. Sein Debüt als Schauspieler meisterte der Vorsitzende der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) in den beiden Aufführungen am Wochenende mit Bravour.

Die Rolle des gütigen und abgeklärten, wenn auch frei erfundenen Pontifex Maximus in João Bethencourts intelligenter Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde schien ihm auf den Leib geschneidert. Die Premiere des 1972 uraufgeführten, zeitlos aktuellen Schauspiels um das (scheinbar unmögliche) friedvolle Miteinander der Menschen wurde stürmisch gefeiert. Regisseur Sebastian Kreutz sorgte für eine leichte, flotte und raffinierte Inszenierung dieser warmherzig-witzigen, märchenhaft-surrealen Utopie mit Tiefgang. Seine sieben Darsteller legten sich mit mörderischer Spielfreude zwei Stunden lang mächtig ins Zeug für den Weltfrieden. Nach einem Feuerwerk an pointierten Dialogen und herzerfrischender Situationskomik freuten sie sich über tosenden Applaus und lautstarke Ovationen.

Die Geschichte handelt von einem fiktiven Papst-Besuch in New York. Im Mittelpunkt steht der jüdische Taxifahrer Samuel Leibowitz (als herrlich verschrobener und durchgeknallter, aber liebenswerter Chaot: Roman Gallion). Als Papst Albert IV. unverhofft in sein Taxi steigt, packt Leibowitz die Gelegenheit beim Schopf. Er entführt den Heiligen Vater und sperrt ihn bei sich zu Hause in die Speisekammer ein. Im liebevoll gestalteten Wohnzimmer mit Regalwand, Couch und integrierter Wohnküche reagiert die Familie zunächst entsetzt, arrangiert sich aber bald mit der vertrackten Situation. Ehefrau Sara Leibowitz (wunderbar aufgedreht, zappelig und als besorgte Mutter einfach rührend: Sabine Patzelt) hat sich wie ihre beiden Töchter Miriam und Rebecca (glaubwürdig als einsatzfreudige, hippe Teenies: Leah Patzelt und Eva Beckert) schon an die skurril-verrückten Einfälle ihres Gatten gewöhnt. In der Küche plaudert sie munter mit dem Papst, der ihr sogar beim Kartoffelschälen hilft und sich in der jüdischen Familie schon bald pudelwohl fühlt.

Samuel fordert mit Zustimmung des Entführten statt Lösegeld einen Friedenstag auf der ganzen Welt, an dem kein Blut fließen darf. Mit Hilfe der UNO wird das möglich. Samuels scheinheiliger Onkel, Rabbi Meyer (nichtsnutzig, durchtrieben und geldgierig: Stefan Brkić), erkennt bei einem Besuch im Haus seines Neffen den Papst, spielt mit ihm sogar Schach und verrät für ein paar lumpige Dollar der Polizei den Aufenthaltsort des Gekidnappten. Es beginnt eine militärische Belagerung des Grundstücks. Bombenstimmung im Leibowitz’schen Garten. Samuel, Golfkriegs-Veteran und Ex-Sprengmeister, hat in weiser Voraussicht das gesamte Gelände ums Haus herum vermint und lässt es dann auch ordentlich krachen. Köstlich, wie sich die Darsteller bei jedem Explosionsgewitter ohne Rücksicht auf Verluste auf den Boden schmeißen. Autsch! Die armen Knochen. Während der strenge US-Kardinal O’Hara (stattlich-impertinent, grobschlächtig, dogmatisch und rachsüchtig: Kurt Tüg) den Papst zum Verlassen der Wohnung zwingen will, erklärt der Pontifex seinen jüdischen Kidnapper kurzerhand zum alten Freund, schützt ihn so vor der Polizeigewalt und schenkt der Welt damit zugleich eine Verschnaufpause, die allerdings nicht über den Friedenstag hinaus währt. Kaum sind die 24 Stunden vorüber, geht das Blutvergießen weiter. Die Welt ist wieder normal. Schade … (Ralf Joachim Kraft)

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