Badische Neueste Nachrichten, 27. März 2017

Parodieparade aus der Handtasche

Ohrwürmer zeichnen sich durch eingängige Rhythmen und Texte aus, die den Hörer noch verfolgen, wenn der letzte Akkord verklungen ist. Dass man Schlagern und Popsongs eine völlig neue Bedeutung geben kann, indem man sie umtextet, haben die Musikkabarettistin und Sopranistin Barbara Mauch alias Die Barbara und ihre ebenfalls singende oder auch mal Ukulele spielende Klavierbegleiterin Petra Schatz bei drei ausverkauften Taschenalarm-Abenden in der kleinen Bühne der Volksschauspiele Ötigheim eindrucksvoll bewiesen.

Die beiden Handtaschenexpertinnen vom Bodensee zauberten am Donnerstag (zusätzlicher Termin), Freitag und Samstag eine ebenso vergnügliche wie enthüllende Schlager- und Pop-Parodieparade auf die Bretter des Zimmertheaters, bei der kein Frauenauge trocken blieb und auch die wenigen Männer im Saal ihren Spaß hatten. Wenngleich diese zuweilen gehörig ihr Fett wegbekamen. Und das nicht nur als Bierchen zischende Grillmeister, die ihre mit sämtlichen Vorbereitungen und dem Abwasch befassten Gattinnen nicht selten mit Sätzen wie Schatz, war es nicht toll, mal nicht kochen zu müssen erfreuen. Ob die Herren der Schöpfung, außen hart und innen ganz weiiich, auch (Hand)-Taschen haben? Zumindest haben sie Frauen, die viel Zeit damit verbringen, in diesen unverzichtbaren Begleitern etwas zu suchen oder zu sortieren. Handtaschen sind wie Schuhe. Man kann nie genug davon haben.

Wer schon immer wissen wollte, was wirklich drin ist, was unbedingt reingehört und worauf frau besser verzichten sollte, der war hier am richtigen Ort. Auf der Bühne: ein Bistrotisch mit Stuhl, rechts und links davon baumelten am Piano und einem Garderobenständer Handtaschen aller Art. Von hier aus, viele Lichtjahre von der Erde entfernt und begleitet von der außerirdisch anmutenden Titelmelodie der Kultserie Raumschiff Enterprise drangen Mauch und Schatz in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Bereits mit dem Auftaktlied Was verbirgt sich unterm Reißverschluss? stimmten die beiden das Publikum auf ihr kurzweiliges und brandneues Programm Enthüllungen – eine Tasche packt aus ein. Im Grunde herrscht das Grau’n in den Handtaschen der Frau’n, verkündeten die Vollblutmusikerinnen, die durch ihre humoristische und sympathisch-badische Art das Publikum schnell auf ihrer Seite hatten. Ein ums andere Mal bezogen sie die Besucher ins Programm mit ein, zum Beispiel als Plaschdiggugge-Spieler, die am Sound mitwirken durften. Zur Melodie von Nenas 99 Luftballons trällerte Mauch Hast Du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich von 99 Accessoires in meiner Tasche, kennst Du das?. Dem folgten in rascher Folge viele populäre Songs, in denen die beiden Ulknudeln neben dem Faible für Taschen (Eine neue Tasche ist wie ein neues Leben, Taschen lügen nicht oder Es gibt Millionen von Taschen) auch noch andere weibliche Begierden, etwa die Begeisterung für Tupperware, den Thermomix und das Smartphone, auf die Schippe nahmen. Die Begabung der Damen fürs Zusammenschrauben schwedischer Möbel verpackten sie in ein urkomisches, auf Ikea gemünztes Abba-Medley, bevor sie modisch-extravagant mit einem flotten Hey Hey Gucchi und schwäbisch-kulinarisch mit dem Maultaschen-Blues auf die Zielgerade einbogen.

Zum Abschied gab’s noch ein Weine nicht, wenn der Vorhang fällt. Der fiel nach heftiger Zugaben-Forderung aber erst nach dem Liebeslied Ich bin so verliebt, weil es bei Tschibo wieder dunkelbraune Herrenschlafanzüge gibt. Gut geschlafen haben dürften die vergnügten Besucher nach diesen köstlichen Neuinterpretationen auf jeden Fall. (Ralf Joachim Kraft)

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